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Ottmar Walter Mit Krückstock auf den "Betze"

Kleine Feier in der Reha-Klinik: Ottmar Walter, einer der Helden von Bern, wird 85.

05.03.2009 00:03
Der deutsche Stürmer Ottmar Walter (vorn) liefert sich im Juli 1954 ein Kopfballduell mit seinem ungarischen Gegenspieler Zoltan Csibor. Foto: dpa

Diesmal wird es keinen "Großen Bahnhof" geben für Ottmar Walter. Bei seinem 80. Geburtstag vor fünf Jahren war ihm noch das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und das Ehrenschild des Deutschen Fußball-Bundes verliehen worden. "Wir wollen keinen großen Rummel", sagt Ehefrau Anneliese. Aus keinem guten Grund: Ottmar Walter, der am morgigen Freitag 85 Jahre alt wird, ist gesundheitlich nicht auf der Höhe. Gefeiert werden soll daher in ganz kleinem Kreis.

Kein Schlaganfall

Der Älteste der neben Hans Schäfer und Horst Eckel noch lebenden Fußball-Weltmeister von 1954 befindet sich nach einem sechswöchigen Krankenhaus-Aufenthalt in einer neurologischen Reha-Klinik im südpfälzischen Bad Bergzabern. Der Verdacht auf einen Schlaganfall bestätigte sich glücklicherweise nicht, dafür hat sich der seit Jahren gehbehinderte Walter schwere Sturzverletzungen zugezogen. Es gehe ihm "durchwachsen", sagte der geduldige Patient der Zeitung Die Rheinpfalz (Ludwigshafen).

Ottmar Walters gesundheitliche Probleme sind auch Spätfolgen einer Kriegsverletzung. Im Alter von 20 Jahren hatte er als Marinesoldat ein Seegefecht im Ärmelkanal mit mehreren Splittern im rechten Knie überlebt. Das Knie wurde im Laufe der Jahre siebenmal operiert. "Als ich nach der Kriegsgefangenschaft nach Hause kam, hätte ich nicht mehr geglaubt, noch 13 Jahre Hochleistung bringen zu können", sagte er bei seinem 80. Geburtstag.

"Ottes", wie er genannt wird, war ein robusterer Typ als sein sensibler großer Bruder Fritz, der 2002 starb. Dessen Selbstzweifel Ottmar Walter schon mal mit der Androhung von Prügel bekämpfen wollte, wenn dieser auf dem Platz den Kopf hängen ließ. Der Vater wollte Ottmar einst zum Boxen schicken, weil er das Talent seines Bruders nicht hatte. Doch Ottmar "beschloss", Nationalspieler zu werden, und lag mit dieser Trotzreaktion goldrichtig.

Das kongeniale Brüder-Paar war das Zentrum der legendären "Walter- Elf" des 1. FC Kaiserslautern, dem sie bis zu ihrem Karriereende treu blieben. Als "spielender Mittelstürmer" erzielte Ottmar beim Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft 1951 per Kopfball beide Tore zum 2:1-Endspielsieg gegen Preußen Münster. Beim zweiten Titelgewinn 1953 (4:1 gegen den VfB Stuttgart) ging er leer aus - was äußerst selten vorkam. In 321 Pflichtspielen für den FCK erzielte er 336 Tore. In der Nationalmannschaft brachte es Ottmar Walter in 21 Länderspielen auf zehn Treffer, davon vier auf dem Weg zum "Wunder von Bern".

Sein Länderspiel-Debüt gab er im ersten deutschen Nachkriegsländerspiel am 22. November 1950 beim 1:0-Sieg in Stuttgart gegen die Schweiz - ohne den verletzten Fritz an seiner Seite, in dessen Schatten er stets stand. Neidgefühle kamen aber nie auf. Im zweiten Länderspiel - wieder gegen die Schweiz - trafen die Walter-Brüder beim 3:2 je ein Mal. Flanke Fritz, Kopfball Ottes - so hieß die Erfolgsformel.

Sein letztes Länderspiel bestritt Ottmar Walter am 26. Mai 1956 beim 1:3 gegen England im Berliner Olympiastadion. Die sich immer wieder bemerkbar machende Kriegsverletzung führte im Alter von 32 Jahren zum Ende seiner Laufbahn auch beim FCK.

Anders als bei Bruder Fritz, der als Geschäftsmann reüssierte, lief bei Ottmar nicht alles rund. Geschäftsaufgabe einer Tankstelle, Autounfall und ein Selbstmordversuch ("Eine unerklärliche Kurzschlusshandlung") warfen den Helden von Bern aus der Bahn. Bei der Stadtverwaltung in Kaiserslautern fand er wieder ins Gleichgewicht. Mit 58 Jahren ging er in Pension.

Ins Gleichgewicht will er auch gesundheitlich kommen, um wieder auf den geliebten Betzenberg zu pilgern - und wenn's am Krückstock ist. dpa

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