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Olympia-Snowboard Windige Farce

Böen mit bis zu 100 km/h gefährden Athleten. Es hagelt Kritik an Skiverband.

Pyeongchang 2018
Ziemlich steife Brise: Streckenmitarbeiter testen die Piste für den Riesenslalom. Foto: dpa

Viktoria Rebensburg hatte Glück. Die Skifahrerin durfte im Lift sitzenbleiben. „Man hat im Mittelteil in der Gondel gemerkt, dass es mehr bläst“, erzählte sie hinterher. Noch während es für sie nach oben ging, wurde der anstehende Riesenslalom abgesagt. Also drehte die Olympiasiegerin von 2010 einfach eine Runde und kam wohlbehalten wieder unten an. Auf andere Athletinnen wurde am Montag hingegen weniger Rücksicht genommen. Der Wind wird bei den Olympischen Spielen zunehmend zur Gefahr – für den engen Zeitplan und vor allem für die Gesundheit der Sportler.

Besonders heftig traf es die Snowboarderinnen beim Slopestyle-Wettbewerb, in dem insgesamt sechs Hindernisse überfahren und für spektakuläre Tricks genutzt werden. Eigentlich. „Der Wind war echt furchteinflößend, ich hatte ziemlich Angst zu fahren“, sagte Enni Rukajarvi, „Im ersten Durchgang hatte ich einen wirklich bösen Sturz.“ Der beste Moment des Tages für sie? „Das war nach dem zweiten Lauf, als es vorbei war. Ich bin froh, dass ich noch ganz bin.“ Dass die Finnin für das Besiegen der Furcht und den sturzlosen zweiten Versuch sogar mit der Bronzemedaille belohnt wurde, besserte ihr Empfinden nur ein bisschen. Ihre Gedanken galten dem Wohl der Kolleginnen, denn denen war es bei dem bislang fragwürdigsten Wettkampf dieser Olympischen Spiele nicht besser ergangen.

„Ich weiß gar nicht mehr, was während des Laufs passiert ist, weil ich Angst um mein Leben hatte“, teilte die letztlich Viertplatzierte Norwegerin Silje Norendal unter Tränen einem heimischen TV-Sender mit. „Ich wollte mich einfach da oben nur noch hinsetzen und weinen. Mein Körper hat zwei Stunden lang gezittert“, sagte sie. Auch die Britin Amie Fuller war „froh, davongekommen zu sein“. Sie war wie einige ihrer Kontrahentinnen aus großer Höhe auf den betonharten Landehang geknallt. „Beim letzten Sprung hat mich der Wind erfasst. Das tat weh“, sagte sie.

Windabfangnetze helfen nicht

Windig ist es in Pyeongchang eigentlich immer. Die Kombination aus Bergen und nahem Ozean ist dafür ein Grund. Hinzu kommt, dass die Berge nicht sehr hoch sind, weshalb etwa die Ski-Abfahrt oben auf einem ausgesetzten Gipfel starten muss, um überhaupt den geforderten Höhenunterschied aufzuweisen. Die Skisprungschanze ihrerseits ragt von Ferne sichtbar völlig ohne natürlichen Schutz oben auf einem Hügel in die Höhe. Dass da auch die modernsten Windabfangnetze nicht mehr helfen, war bei dem Olympiasieg von Andreas Wellinger in dem chaotischen Springen von der Normalschanze zu sehen gewesen. Die Trainingeinheiten der Nordischen Kombinierer wurden in den vergangenen zwei Tagen jeweils erst mehrfach verschoben, dann nach dem zweiten (Sonntag) beziehungsweise ersten Sprung (Montag) abgebrochen.

Am Wochenende haben die Luftströmungen weiter zugenommen. Die Pisten, auf denen die Technikrennen der Alpinfahrer ausgetragen werden, liegen etwas weniger windanfällig als die Abfahrtsstrecke, doch auch dort fegten am Montag Böen mit 100 Kilometern pro Stunde über den Schnee. Frauen-Bundestrainer Jürgen Graller fand die frühzeitige Absage des Riesenslaloms daher gut. „Es gab keine Chance, ein faires Rennen zu haben. Nicht den ganzen Tag abzuwarten, war eine gute Entscheidung. Wir gehen das jetzt relativ gemütlich an, ohne Stress“, sagte Graller. Viktoria Rebensburg nutzte den freien Tag zur Erholung. Das Rennen wird am Donnerstag (1:30 Uhr/ 5:15 Uhr MEZ) nachgeholt, wenn auch die verschobene Abfahrt der Männer (3 Uhr MEZ) angesetzt ist.

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