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Parallel-Riesenslalom Spätes Medaillenglück

Selina Jörg holt Silber im Parallel-Riesenslalom, Tschechin Ledecka glänzt mit Doppelgold auf Snowboard und Skiern.

Pyeongchang 2018 - Snowboard
Endlich den Fluch der vierten Plätze besiegt: Selina Jörg. Foto: AP

Die legendäre Leistung einer außergewöhnlichen Athletin, ein Stimmungshoch für die Gastgeber und eine Deutsche, die das Ziel ihrer langen Reise erreicht – zum Abschluss der Hangrutschwettbewerbe zeigte sich noch einmal, wie mitreißend Sport sein kann. „Ich habe mich gefreut, als der Wecker geklingelt hat, obwohl es halb sechs Uhr morgens war, weil ich in mir gefühlt habe, dass es dieses Mal klappt“, sagte Selina Jörg, als die Podiumsbesetzung neun Stunden nach dem Aufstehen feststand. Endlich hatte auch die 30-Jährige als letzte einer erfolgreichen Snowboarderinnen-Generation aus Deutschland ihre Medaille sicher.

Zwei Tage zuvor hatte Selina Jörg noch mit Tränen in den Augen im Bett gelegen. Der Grund war eine Nachricht von Amelie Kober. „Sie hat mir so nett geschrieben, wie sehr sie mir die Daumen drückt“, verriet Jörg. Die gleichaltrige Amelie Kober hatte in Sotschi vor vier Jahren Bronze gewonnen hinter Anke Wöhrer, 32, die Silber holte. Die 31-jährige Isabella Laböck war 2013 Weltmeisterin geworden. Jahrelang hatte dieses Quartett den deutschen Snowboardrennsport geprägt. „Es hat in mir so einen Druck aufgebaut. Alle Mädels aus der alten Riege hatten ihre Medaille bei Großereignissen, und mir hat sie gefehlt“, sagte Selina Jörg. Mit dem Halbfinalsieg gegen die Russin Aljona Sawarsina war es dann geschafft. „Da sind bei mir alle Dämme gebrochen. Mir fällt so ein Druck von den Schultern, weil ich es geschafft habe, den Fluch mit den vierten Plätzen endlich zu besiegen.“

Das Tückische am Parallel-Riesenslalom ist, dass man die schnellste Laufzeit hinlegen kann, aber leer ausgeht, wenn in den maximal vier Ausscheidungsrunden eine andere im Kopf-an-Kopf-Rennen besser ist. Umso spannender ist es für die Zuschauer, zumal sie im Phönix Park den ganzen Hang mit dem roten und blauen Kurs einsehen konnten. Dass zudem Frauen und Männer abwechselnd die gleiche Piste runterdüsen, ist aufgrund der sportlichen Gleichberechtigung erfreulich und tut der Stimmung gut. Eine Stunde dauerte es von den Achtelfinals bis Finale, ein Spannungsbogen, der mit jedem K.o.-Duell ein bisschen weiter angezogen wurde. Und dass der Südkoreaner mit dem perfekten dreisilbigen Anfeuer-Namen Lee Sangho bis ins Finale der Männer vordrang, ließ die Stimmung im vollen Stadion überkochen.

Selina Jörg hat 2010 bei den Spielen in Vancouver das Gefühl kennengelernt, als Vierte neben dem Podest zu stehen. Damals war sie so alt wie Ester Ledecka jetzt. Die Tschechin bewies im Finale ihre momentan einzigartige Klasse und krönte sich zur Wintersportkönigin. Vor einer Woche hatte die 22-Jährige den Super-G der alpinen Skifahrerinnen gewonnen. Nach diesem bemerkenswerten Double – noch nie hatte sich bei Olympia jemand in beiden Sportarten an den Start gewagt – sehnte sie sich vor allem nach Ruhe: „Ich werde nach Hause fliegen, mich in mein Bett legen und eine Weile schlafen“, sagte sie.

„Nester“ statt der traditionellen Strukturen

Währenddessen stellte sich Männer-Silbergewinner Lee Sangho in den Dienst seines Landes: „Ich wünsche mir, dass diese Medaille eine Möglichkeit für Korea bietet, Snowboarden stärker zu unterstützen, damit wir in der Zukunft mehr konkurrenzfähige Snowboarder haben werden“, sagte er.

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