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Olympische Kombination Der Letzte seiner Art

Marcel Hirscher gewinnt das finale Kombinationsrennen der Olympiageschichte. Thomas Dreßen im Slalom chancenlos.

Pyeongchang 2018 Winter Olympics
Marcel Hirscher gewinnt die Kombination. Foto: rtr

Thomas Dreßen stand abseits, die Arme auf den orangen Zaun im Zielraum gelegt, und neigte ruckartig den Kopf nach vorne. Es brauchte nicht viel Fantasie, um den dazu ausgestoßenen Laut als Ausdruck von Frust zu interpretieren. Kurz darauf sprang Marcel Hirscher über jene Absperrung und gab seiner Freundin einen Kuss. Als letzter Olympiasieger, den das Kombinationsrennen aus Abfahrt und anschließendem Slalom hervorgebracht hat. Der Internationale Skiverband (FIS) nimmt den Wettbewerb aus dem Programm, weil er wirtschaftlich zu unattraktiv sei und es an fähigen Kontrahenten mangle. Zumindest Letztgenanntes bestätigte sich in Südkorea nicht wirklich.

Dass es für die Skination Österreich sofort im ersten alpinen Rennen – nach den windbedingten Absagen der Männer-Abfahrt und des Frauen-Riesenslaloms – die Goldmedaille zu bejubeln gab, kam für den 28-jährigen Hirscher einer Erlösung gleich. Alle hatten ja von ihm, dem Dauerweltmeister, erwartet, dass er jetzt endlich mal bei Olympischen Spielen triumphiert. Dass dies aber ausgerechnet in der letzten Olympia-Kombination geschah, überraschte den Slalomexperten.

Denn als Hirscher auf der Piste in Jeongseon zum ersten Training antrat, war es genau ein Jahr her, dass er letztmals die langen Abfahrtslatten ausgepackt hatte. Und damit ist man bereits bei dem Hauptproblem der Kombination angelangt: Athleten und Material sind im Skisport inzwischen derart spezialisiert, dass der Umstieg – wenn auch nur für ein Rennen – kaum möglich ist. „Ein Kombinationsrennen mit Abfahrt kostet dich mit Training vier Tage. Das kann ich im Weltcup nicht machen, weil ich die Trainingstage für die Technikdisziplinen brauche“, sagte Hirscher.

Aus diesem Grund war auch der Start in Südkorea ein Risiko gewesen. Hirschers großer Konkurrent um die anvisierten Goldmedaillen in Slalom und Riesenslalom, der Norweger Henrik Kristoffersen, bereitete sich bereits seit Tagen auf diese Rennen vor. Hätte Hirscher in der Kombination das Podest verfehlt und dann in seiner Spezialdisziplin versagt, er hätte sich vor Hohn und Spott nicht retten können. „Ich bin so glücklich und stolz auf mich“, sagte er nun aber, vor allem, weil der Erfolg nicht etwa auf einer perfekten Slalom-, sondern einer eindrucksvollen Abfahrtsleistung beruhte.

Statt wie erhofft etwa drei Sekunden hinter der besten Abfahrtszeit, war er nur 1,3 Sekunden zurückgelegen – hinter dem später so enttäuschten Thomas Dreßen. „Wenn man die Ausgangslage hat, will man natürlich eine Medaille holen“, sagte der Deutsche, der im Slalom 3,7 Sekunden auf den Sieger verloren und Neunter geworden war. Was durchaus normal ist und insofern ein Problem dieses ausgemusterten Wettbewerbs.

Neben Hirscher schafften es mit den Franzosen Alexis Pinturault (Silber) und Victor Muffat-Jeandet (Bronze) zwei weitere Vertreter der Technikersparte aufs Podium, wie zuletzt eigentlich immer. „In der Relation ist der Slalom zu schwer für die Abfahrer“, erklärte Wolfgang Maier, der Alpinchef des Deutschen Skiverbands. Zumal die Olympiaabfahrt aufgrund des Windes nicht von ganz oben gefahren wurde.

Dennoch bedauert Dreßen das Ende der Kombination, die 1936 der erste olympische Alpinwettbewerb überhaupt gewesen war und viele Jahre auch der prestigeträchtigste. „Weil es eine coole Disziplin ist. Man müsste sich vielleicht Gedanken machen über die Lauflängen, damit die besser zueinander passen“, sagte er. Obwohl der 24-Jährige mit dem Endergebnis haderte, war er letztlich doch ganz zufrieden. Bis auf den Schweizer Beat Feuz und den Österreicher Hannes Reichelt hatten die besten Abfahrer teilgenommen, und indem Dreßen alle hinter sich ließ, sammelte er viel Selbstvertrauen für das Rennen, das eigentlich seine große Medaillenchance ist: die Spezialabfahrt. „Ich weiß jetzt, dass der Plan, den ich habe, und meine Fahrweise gut auf die Strecke passen. Das muss ich am Donnerstag nur umsetzen“, sagte er.

Um 3.30 Uhr deutscher Zeit wird das verschobene Rennen gestartet, um 2 Uhr und 5.45 Uhr holen die Frauen den Riesenslalom nach. Die deutsche Mitfavoritin Viktoria Rebensburg ist guter Dinge: „Ich hoffe dass es ein Superdonnerstag für uns wird.“

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