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Rodeln Deutscher Doppelsieg im Rodeln der Frauen

Natalie Geisenberger gewinnt die Goldmedaille im Rodeln. Dajana Eitberger holt Silber.

Natalie Geisenberger
Sicher und vor allem schnell durch die Eisrinne: Das ist die Stärke von Natalie Geisenberger. Foto: dpa

Sie wirkten wie ein hungriges Rudel Wölfe, Deutschlands oberste Rodelköpfe Norbert Loch (Bundestrainer) und Georg Hackl (Cheftechniker). Sie starrten unruhig auf den Monitor des Zielbereichs im Alpensia Sliding Center und konnten es kaum abwarten, über Natalie Geisenberger herzufallen.

Die Miesbacherin steuerte ihren Schlitten auch zum vierten Mal sicher durch die Eisrinne, nach dem Doppeltriumph von Sotschi gewann die 30-Jährige nun schon ihre dritte olympische Goldmedaille und ist jetzt die erfolgreichste Sportlerin in dieser Disziplin. „Ich habe alles erreicht, was ich mir erträumt habe“, sagte sie hinterher. „Und jetzt noch ein bisschen mehr.“ Am Donnerstag steht ja dann auch noch der Teamwettbewerb an. Zusammen mit Bronzemedaillengewinner Johannes Ludwig und dem besten deutschen Doppelsitzer, die am Mittwoch um Medaillen fahren und kaum zu schlagen sein dürften.

Für die deutschen Betreuer war dieses Warten ungleich angenehmer als beim Wettkampf der Männer am Sonntag. Felix Lochs Sieg hatte man da zwar fest eingeplant, bekanntlich verspielte er diesen an der tückischen Kurve neun. Diesmal stand aber bereits Dajana Eitberger aus Ilmenau in der Leader’s Box. Die 27-Jährige gewann also die Silbermedaille dank eines starken Schlusslaufes, in dem sie von Rang vier auf zwei fuhr, vor Alex Gough aus Kanada. Entsprechend wurde sie von Hackl rechtzeitig mit großer Fahne zum Umhängen und kleiner Fahne zum Wedeln ausgestattet.

Nur Tatjana Hüfner konnte der Party so gar nichts abgewinnen. Die Blankenburgerin war als Zweite in den Finaldurchgang gestartet, saß nach der Zieleinfahrt dann aber auch mächtig geknickt auf ihrem Schlitten. Obwohl sie im Ziel als Dritte ankam, war ihr sofort klar, dass sie bei den letzten Olympischen Spielen ihrer Karriere nur auf dem vierten Platz landen wird. „Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten und dann eine Entscheidung treffen“, sagte die Olympiasiegerin von 2010 auf die Frage, ob sie ihre Karriere fortsetzen wird. So recht wusste sie auch nicht, wo sie die entscheidenden Wimpernschläge verloren hatte. Sie sagte: „Ich dachte eigentlich, es war ein anständiger Lauf.“

Eindeutige Hierarchie

Als die Kanadier nebenan die Medaille Goughs bejubelten, erinnerte die Situation kurz an jenen düsteren Sonntag. Deutschland trauerte, die Konkurrenz feierte den Coup, die führende Rodelnation geschlagen zu haben. Nach ausgiebigem Knuddeln mit Loch senior und junior, Posieren mit Fahne und der typischen kleinen Siegerehrung an der Bahn waren die Hierarchien wieder eindeutig. „Platz eins und zwei ist mehr, als wir erwarten durften“, sagte Hackl zwar. Nach den Erfahrungen des Winters wäre aber alles andere ein Wunder gewesen. Bei den Frauen grenzt die deutsche Dominanz schon fast an Langeweile.

Mit seinem Patzer hat Loch sogar dazu beigetragen, vor den entscheidenden Läufen Geisenbergers Sinne zu schärfen. „Das war bitter gewesen. Der Fahrfehler war im Kopf“, sagte Geisenberger. Wie gefährlich kleine Unachtsamkeiten sein können, machte die US-Amerikanerin Emily Sweeney deutlich. Nach einem Sturz schlitterte sie unkontrolliert über die Bahn. Passiert ist ihr dabei aber nichts.

Trotz dieser Machtdemonstration will sich Geisenberger jetzt erst einmal mehr ums Private kümmern, um ihren Lebensgefährten Markus und Hund Bounty. Ob sie in vier Jahren in Peking nochmal an den Start geht, ist aber ebenfalls ungewiss. „Momentan habe ich noch wahnsinnig viel Spaß, wie lange ich das noch mache, kann ich aber nicht sagen.“

Somit neigt sich nun auch ein Duell dem Ende, das die Rodelwelt ein Jahrzehnt gefesselt hat. Geisenberger gegen Hüfner, das sorgte jahrelang für Spannung nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis. Vor vier Jahren, als die bayerische Fraktion um Loch, Geisenberger und das Doppel Tobias Wendl/Tobias Arlt in Sotschi alles abräumte, setzte Hüfner zur Generalkritik an den Strukturen im Erfolgsverband an. Sie fühlte sich als Ostdeutsche vernachlässigt gegenüber den Athleten, die am Königssee trainieren, wo Hackl stets am neuesten Schrei in Sachen Technik tüftelt. „Natalie Geisenberger bekommt deutlich mehr Unterstützung, mir wurden viele Steine in den Weg gelegt“, sagte sie damals. Wofür sie viel Kritik einstecken musste.

Die Rivalität der Einzelkämpferinnen hat sich über die Jahre entschärft, nicht auf der Bahn, aber im Umgang miteinander. „Wir werden nie mehr die allerbesten Freundinnen, aber Fairness ist wichtig“, sagt Hüfner, „und da haben wir eine gute Ebene gefunden.“ Der Verband hat zuletzt auch immer wieder Maßnahmen zum Teambuilding durchgeführt, um das Verhältnis zu entspannen. Vor der vergangenen Saison ging das Team zum Bogenschießen, im letzten Sommer gaben sie gemeinsam ein paar Salven aus der Pistole ab. Dass sie gemeinsam in eine Richtung zielten, nicht aufeinander, versteht sich von selbst.

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