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Eishockey Lust auf mehr

1. UpdateDeutsche Eishockeycracks rechnen sich nach dem 2:1 gegen die Schweiz heute im Viertelfinale gegen Schweden Siegchance aus.

Pyeongchang 2018 Winter Olympics
Mit dem richtigen Riecher: Yannic Seidenberg erzielt das entscheidende Tor für Deutschland. Foto: rtr

Die Stimmungsverantwortlichen im Kwandong Hockey Centre, das für die Olympischen Spiele auf einem Universitätscampus errichtet wurde, gaben sich größte Mühe, ihren deutschen und den Schweizer Gästen zu gefallen. Aus den Boxen wummerte jede Menge Klamauk-Liedgut, dass auch bei jeder Hüttengaudi gut ankommt: Die Toten Hosen plärrten „Hier kommt Alex“ beim Warm-up. Bei Unterbrechungen sollte der „Ententanz“ die Besucher animieren. Die koreanischen Fans gingen auf das Angebot zum Schunkeln mehr ein als die DEB-Supporter, von denen einige per Banner bekannten, dass sie sonst den Fischtown Pinguins oder den Kölner Haien zur Seite stehen.

Das aber stand an diesem Abend im Hintergrund. Gemeinsam fieberten sie mit, wie die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft zum ersten Mal seit 2002 in Salt Lake City wieder in ein Olympia-Viertelfinale einzog. Yannic Seidenberg hatte 26 Sekunden nach dem Start der Verlängerung den 2:1-Siegtreffer erzielt. Der umgeschulte Verteidiger sagte: „Da haben sich die 16 Jahre als Stürmer ein bisschen ausgezahlt.“ Heute geht es im an gleicher Stelle gegen Weltmeister Schweden (13.10 Uhr MEZ), bereits Gegner in der Vorrunde. „Das ist für die Mannschaft der Lohn für die harte Arbeit der letzten vier Jahre. Da ist man schon stolz drauf“, sagte Ersatzkapitän Christian Ehrhoff.

Ehrhoff stand auch gleich zu Beginn des Spiels im Fokus. Der Schweizer Cody Almond rammte nach neun Sekunden seinen Ellenbogen in das Gesicht des deutschen Assistenzkapitäns, der für eine längere Behandlungspause vom Eis musste, später aber wiederkam. Diese Szene war ein erster Beweis, dass es hier anders zugeht als beim vorolympischen Test in Kloten zwischen den Teams, als sich keiner verletzten wollte. Deutschland hatte übrigens auch hier mit 2:1 nach Verlängerung gewonnen.

Viele Zeitstrafen

Almond jedenfalls wurde völlig zu Recht für den Rest des Spiels verbannt. Und Deutschland nutzte die fünfminütige Überzahl, die sich wegen eigener Strafe auf drei reduzierte, zu einem ersten Achtungszeichen. Frank Hördler von den Eisbären Berlin legte auf, Leonhard Pföderl traf durch die Schoner des Schweizer Schlussmannes.

Schon gegen Ende des ersten Drittels deuteten die Schweizer aber an, dass sie in diesem Nachbarschaftsduell auch spielerisch auffallen wollen. Auch weil die Tür zur deutschen Strafbank regelmäßig aufging, bauten die Eisgenossen viel Druck vor Torwart Danny Aus den Birken auf. Der Ausgleich fiel aber erst nach der ersten Pause (Simon Moser/24.). Das „Hopp Schwiiiiz“, vorher kaum wahrnehmbar, drang nun kräftiger durch.

Dass die türkisfarbenen Sitzschalen auf den Tribünen im Laufe des Spiels zunehmend leerer wurden, war ein Beweis, dass der neutrale Beobachter keinen rechten Gefallen an diesem Spiel fand. Beide Mannschaften gingen nicht das ganz große Risiko, um den vermeintlichen Fehler zu vermeiden. Dafür ging es in diesem Ausscheidungsspiel schlichtweg um zu viel. Die logische Folge lautet dann: Overtime, mit dem bekannten Ausgang.

Als der Puck im Schweizer Netz zappelte, bildete sich um Seidenberg ein gelber Haufen der Glückseligkeit. „Jeder von uns hätte vorher gesagt: 1:1 nach dem zweiten Drittel, sofort“, sagte Hördler. „Aber es ist gut, dass wir nicht gesagt haben: Jetzt müssen wir vorsichtig sein. Wir haben unser Spiel weitergespielt, haben nach vorne gedrückt und wurden belohnt.“

Es war der erneute Beweis, dass die Nationalmannschaft einen Art Killerinstinkt entwickelt hat, seitdem Marco Sturm 2015 als Bundestrainer übernommen hat. Wie schon in der Olympiaqualifikation und bei der Heim-WM 2017, jeweils hieß der Gegner Lettland, behielt man in entscheidenden Momenten die Nerven. Hördler sagte: „Wir halten zueinander, auch in der Unterzahl, die uns ab und zu gebeutelt hat.“

Schon jetzt sind die olympischen Ziele erfüllt, ab sofort beginnt die Bonusrunde. „Wir haben wahnsinnigen Spaß hier, das ist eine einmalige Sache“, schwärmt Olympiadebütant Hördler. Gegen Schweden ist Deutschland natürlich krasser Außenseiter. Wenngleich man sich gerne an jenes Spiel in der Vorrunde erinnert. Deutschland verlor 0:1, schoss allerdings häufiger aufs Tor als die Skandinavier und scheiterte dabei viermal an Pfosten oder Latte. Hördler weiß: „Jetzt kommt es halt darauf an, dass wir auch ein Tor schießen.“ Oder am besten gleich ein paar mehr.

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