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Biathlon Den Durchblick verloren

Die deutsche Staffel der Biathletinnen hält im Schneetreiben dem Stress nicht stand.

Franziska Preuß
Einsam im Schnee: Franziska Preuß auf der Strecke. Foto: dpa

Es waren unwirkliche Szenen. Eine Deutsche, die ihre Waffe nachlud, obwohl alle Scheiben gefallen waren. Windfahnen, die – obwohl nur fünf Meter auseinander – in unterschiedliche Richtungen wehten. 14 Biathletinnen am Schießstand, aber Grabesstille, kein Schuss knallte. Und am Ende: eine fahnenschwenkende Siegerin ohne Flagge. Die Frauen-Staffel in Peyongchang war ein Rennen voller Widrigkeiten und ein Desaster für die erfolgsverwöhnte deutsche Mannschaft. Die tragische Rolle nahm dabei wie schon 2014 Franziska Preuß ein.

Eigentlich war geplant gewesen, nach dem finalen Frauen-Wettkampf im Deutschen Haus ein paar Hügel weiter auf zwei anstrengende, aber vor allem erfolgreiche Biathlonwochen anzustoßen. Doch nach Rang acht, fast eine Minute hinter den überraschend siegreichen Weißrussinnen, war Laura Dahlmeier die Lust am fröhlichen Miteinander vergangen. „Es waren sicherlich keine einfachen Bedingungen, aber gewisse Athletinnen haben gezeigt, dass es doch möglich ist. Man muss das als Chance sehen sich weiterzuentwickeln“, sagte sie.

Das darf durchaus als Kritik an ihren Kolleginnen verstanden werden. Denn als Dahlmeier als Schlussläuferin eingriff, war das Rennen eigentlich schon gelaufen. „Letztendlich war der Zeitrückstand deutlich zu groß“, sagte sie.

Begonnen hatte das Dilemma ausgerechnet mit einem eigentlich perfekten Start. Franziska Preuß hatte im Liegendanschlag flott alle fünf Scheiben abgeräumt, dies aber nicht gemerkt, weil bei dem knappen Randtreffer die weiße Klappe erst spät fiel. „Für mich war es ein Fehler“, erklärte sie, warum sie die Ersatzpatrone eingelegt hatte. Sie merkte es noch rechtzeitig, der Anschluss nach vorne war verloren, was aber nicht tragisch gewesen wäre. Nur ein paar Sekunden. Schlimmer war, dass sie das kleine Malheur aus dem Konzept brachte. Schneefall, Wind, Anspannung, alles kam zusammen. „Ich habe das vom Kopf her nicht mehr kontrollieren können“, erklärte sie.

Malheur in Sotschi

Das Gemeine am menschlichen Körper ist, dass sich Erlebtes auf die Leistungsfähigkeit auswirkt, auch wenn man sich nicht bewusst an das Vergangene erinnert. 2014 in Sotschi war Preuß ebenfalls als Startläuferin gestürzt und mit nur einem Stock weitergerannt. Am Schießstand stellte sich heraus, dass das Gewehr nicht funktionierte und erst gesäubert werden musste. Der Rückstand war uneinholbar, die Deutschen wurden Letzte. Vier Jahre später schoss die verunsicherte Preuß nun stehend viermal vorbei und musste in die Strafrunde. Norwegen führte mit einer Minute Vorsprung.

Doch wie sich später herausstellte, wäre dennoch alles möglich gewesen. Die Olympiasieger aus Weißrussland waren beim ersten Wechsel nur zehn Sekunden schneller als die Deutschen. Doch kamen Denise Herrmann und Franziska Hildebrand mit der ungewohnten Jägerrolle nicht klar, beide mussten ebenfalls in die Strafrunde, weil selbst die drei Nachlader nicht reichten, um fünf Treffer zu setzen. Was an diesem Abend tatsächlich eine riesige Herausforderung war.

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