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Nordische Ski-Weltmeisterschaft Das Größte für Läufer und Springer

Eine WM am Holmenkollen, der Geburtsstätte des nordischen Skisports, ist etwas ganz Besonderes. Norwegen hat 220 Millionen Euro in eine Komplettrenovierung der traditionsreichen Arenen investiert.

23.02.2011 10:08
Stephan Klemm
Die Holmenkollen Skisprung Arena in Oslo ist zwar neu, der Ort aber hat eine riesige Tradition.

Oben auf dem Holmenkollen ist alles neu und ruhig. Der Winter ist noch immer sehr präsent, es ist kalt und die Landschaft weiß. Der Schnee hat Oslos großen Berg berühmt gemacht, und die weiße Decke wird ja auch unbedingt gebraucht in den nächsten zehn Tagen. Auf dieser Anlage findet die nordische Ski-Weltmeisterschaft statt, am Mittwoch wird sie im Zentrum von Oslo eröffnet.

Der Holmenkollen ist eine der bekanntesten Wettkampfstätten der Welt, er gilt als der Geburtsort des Langlaufs, des Skispringens und der Kombination aus beidem. Wenn diese Sportarten zurückkehren an die Stätte ihres Ursprungs, muss alles perfekt sein. Norwegen hat 220 Millionen Euro in eine Komplettrenovierung der traditionsreichen Arenen investiert. Die Strecken wurden überarbeitet, mit Brücken versehen und verbreitert, die alte Runde ist nun kürzer, aber um viele giftige Steigungen ergänzt. Das Wahrzeichen der Stadt ist jetzt die prächtige neue Großschanze, eine gewaltige, helle Konstruktion aus Stahl, die nur an drei Stellen mit dem Boden verbunden ist. Eine allgemeine Aufregung ist noch nicht zu verspüren, die norwegischen Arbeiter und Helfer verharren in überzeugender Lässigkeit.

Keine Anzeichen von Hektik. In der Nacht auf Dienstag hat es geschneit, und auch am Vormittag rieselten Flocken. Ein Signal zum Aufbruch, zu ganz besonderer Anstrengung in Sachen Anlagen-Präparation bedeutet das nicht. Viele Langläufer trainieren zwar schon auf dem für sie reservierten Geläuf, aber gespurt ist noch nichts, noch nicht einmal die Zielgerade im Stadion. Am Donnerstag finden die ersten Wettkämpfe statt, Sprintrennen für Männer und Frauen – „wir kriegen das schon hin. Warten wir den Schneefall ab“, sagt John Aalberg, der Sportdirektor dieser WM.

Der Norweger ist hart im Nehmen: Im Wald dürfen auch Zelte aufgestellt werden

Um diese Gelassenheit wird es bald geschehen sein. Von Donnerstag an wird Norwegen auf den Holmenkollen blicken, zehntausende Menschen im Langlauf- und Skisprungstadion und fast der gesamte Rest der knapp fünf Millionen Einwohner vor dem Fernseher. „Für uns Norweger ist diese WM der Höhepunkt des Sportjahres. Es wird gigantisch werden“, sagt Egil Kristiansen, der Trainer des norwegischen Langlaufteams der Frauen. „Das hier wird ein gewaltiges Fest mit unglaublicher Stimmung, der nordische Skisport kehrt nach Hause zurück“, sagt Martin Schmitt (33). Für den deutschen Skispringer sind die Holmenkollen-Spiele ein Grund gewesen, seine Karriere zu verlängern: „Das wollte ich unbedingt noch einmal erleben.“

Bis zum Ende der WM wird die Stimmung großartig sein, verkleidete Fans, Anfeuerung für alle, lautstarker Jubel, verspricht Kristiansen. Die Veranstalter erwarten eine halbe Millionen Zuschauer, viele Norweger kommen von außerhalb, aber nicht alle Gäste schlafen in Hotels. Die WM-Planer haben Zelten im Wald gestattet, Aalberg rechnet mit „einigen tausend Campern“.

Die große, neue Schanze gilt als die modernste Anlage der Welt, 75 Millionen Euro hat der Bau gekostet, an seinen Seiten sind riesengroße Windschutz-Einrichtungen angebracht. Und nachts ist die Anlage Oslos größter Leuchtturm, 60 Meter über dem Boden, 417 Meter über dem Meer, das von oben zu sehen ist. Es ist der 18. Umbau der Schanze.

Im Anlaufturm befindet sich das neue Holmenkollen-Skimuseum, in der zweiten Etage ist die Entwicklung der Anlagen nachgestellt. Am 31. Januar 1892 fand an der ältesten Skisprungschanze der Welt, damals eine natürliche, in den Berg gebaute Anlage, der erste Wettkampf statt. Weitenrekord damals: 21,5 Meter, aufgestellt von Arne Ustvedt. Außerdem wurde ein 18-Kilometer-Langlauf veranstaltet – eine Wettkampfidee war geboren. Inzwischen messen sich die nordischen Skisportler jährlich bei Weltcup-Veranstaltungen am Holmenkollen. Der damit verbundene „Holmenkollen-Tag“ gilt als einer der norwegischen Nationalfeiertage. Die königliche Familie ist regelmäßig zu Gast.

1952 fanden an dieser Stelle die Olympischen Winterspiele statt, den Wettkampf im Skispringen gewann Arnfinn Bergmann, 120000 Zuschauer waren live dabei. 1930, 1966 und 1982 war Oslo schon einmal Gastgeber einer nordischen Ski-WM.

Langlauf, Skisprung und die Kombination aus beidem gehöre zur norwegischen Kultur, sagt Egil Kristiansen. „Aber Langlauf, Skisprung und Kombination auf dem Holmenkollen – das ist das Größte für uns Norweger. Und für unseren Sport.“ Das gilt als allgemeine Lehrmeinung.

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