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Neue Fehlstartregel in der Leichtathletik Ohne Zucken und Zocken

Gleich beim ersten Wettkampf im neuen Jahr wurde Sprinter Christian Blum in Luxemburg disqualifiziert: Grund: Die neue Fehlstartregel der Leichtathletik, die den Leerlauf beendet. Von Reinhard Sogl

02.02.2010 09:02
Reinhard Sogl
Startblock. Foto: dpa

Nie war das geflügelte Wort vom Fehlstart in eine Saison zutreffender als bei Christian Blum. Gleich beim ersten Wettkampf im neuen Jahr wurde der neuerdings für den LAC Chemnitz startende Sprinter in Luxemburg vor zwei Wochen disqualifiziert: Die seit 1. Januar geltende Regel, wonach überhaupt kein Frühstart oder Zucken vor dem Schuss mehr erlaubt ist, wurde dem deutschen Hallenmeister von 2007 zum Verhängnis.

Blum, der am Sonntag beim Meeting in Karlsruhe die WM-Norm über 60 Meter mit 6,65 Sekunden nur um eine Hundertstelsekunde verfehlte, zieht dennoch eine erste positive Bilanz: "Anfangs war die Regeländerung schon gewöhnungsbedürftig, jetzt aber kommt Routine rein. "Wie die meisten Athleten findet auch Blum die Null-Toleranz-Lösung gut: "Es gibt es keine Spekulationsstarts mehr, und auch für die Zuschauer ist es besser." Sowohl in Karlsruhe als auch tags zuvor beim Hallenländerkampf in Glasgow gab es keinen Leerlauf mehr wegen auch nur eines Fehlstarts.

Vor allem um die Bedürfnisse des Fernsehens zu befriedigen, hat sich der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) beim Kongress im Rahmen der Weltmeisterschaft im vergangenen August in Berlin mit 97:55 Stimmen dafür ausgesprochen, analog der Schwimmer schon den ersten Fehlstart zu sanktionieren. Seit 2003 hatte die Regel gelautet, dass erst der Verursacher eines zweiten Fehlstarts pro Rennen die rote Karte bekommt. Während US-Sprinter Tyson Gay den Beschluss vehement kritisierte ("Ich laufe nicht fürs Fernsehen. Ich bin auch nur ein Mensch, und Menschen können Fehler machen"), gab Usain Bolt den Supercoolen, den die Verschärfung nicht jucke, da er ja noch nie einen Fehlstart produziert habe. Ironie der Geschichte: Zwei Tage später verließ Bolt im 100-Meter-Halbfinale den Block vorzeitig - unter den Bedingungen des Jahres 2010 hätte es den finalen Fabel-Weltrekord von 9,58 Sekunden also nicht gegeben.

Wegen dieser möglichen Auswirkungen hat die US-amerikanische Hürdensprinterin Lolo Jones auch "gemischte Gefühle", wenn sie an die umstrittene Regel denkt. "Ein Fehler, und siehst kein Geld und keine Medaille", gibt die Hallenweltmeisterin zu bedenken, die andererseits auch froh darüber ist, dass die Zeit der "Psycho-Spielchen" vorbei ist. Der für den Laufbereich zuständige Chef-Bundestrainer Rüdiger Harksen sieht das Positive: "Den Zockern und Provokateuren wird das Handwerk gelegt."

Zockern wie dem 9,9-Sprinter Jon Drummond, der 1993 in Monaco das Limit von 0,100 Sekunden - eine noch kürzere Reaktionszeit wird als Fehlstart gewertet - auf die Tausendstel ausgereizt und der zehn Jahre später bei der WM in Paris für einen Eklat gesorgt hatte, als er sich minutenlang weigerte, die Bahn nach Disqualifikation aufgrund der damals gültigen Fehlstartregel zu verlassen. Drummond, der sich inzwischen als Trainer um Gays Starttechnik kümmert (!), war letztlich der Auslöser der nun gültigen Regel.

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