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Marco Reus "Dortmund ist attraktiver als Bayern"

Nationalspieler Marco Reus äußert sich im Interview über beachtliche Ablösesummen, Karriere-Umwege und den Stellenwert von Erholung für Trainer Lucien Favre in Gladbach.

29.02.2012 18:29
Hauptsache, die Frisur sitzt: Marco Reus, hauptberuflich Fußballer, nebenher aber auch Fotomodel. Foto: dapd/Tobias Kuberski

Marco Reus ist bei der Presse sehr begehrt. Vier Interviews an einem Tag musste der 23-Jährige geben. Eines fand am warmen Kamin im Bremer Parkhotel statt.

Herr Reus, Sie haben neulich mal verraten, dass Sie sich bisweilen wundern, was die Medien so alles Lustiges über Sie berichten. Was war denn das Absurdeste, das Sie gelesen haben?

Oh, da gibt es mittlerweile viele Dinge. Besonders abenteuerlich fand ich, als es hieß, ich hätte bei den Bayern eine Stammplatzgarantie gefordert.

Haben Sie nicht?

Natürlich nicht. Das ist doch völliger Schwachsinn.

Empfinden Sie es als Zeichen wachsender Bedeutung, dass Sie in den Medien Thema sind?

Für mich hat sich – auch durch die Einladungen zur Nationalmannschaft – einiges geändert. Ich werde auf dem Fußballfeld ganz anders wahrgenommen.

Bekommen Sie mehr auf die Socken?

Die Gegner wissen: Bei dem muss man aufpassen. Wer viele Tore schießt, der muss härter gedeckt werden.

Sie sind nun ein 17-Millionen-Euro-Spieler. Belastet das?

Ich habe früher schon davon geträumt, mal so viel zu kosten wie Zinédine Zidane und Ronaldinho. Noch bin ich nicht wirklich nah dran an den beiden. Aber die Summe, die Dortmund bezahlt, ist schon ganz beachtlich.

Dortmund hätte Sie einfacher und günstiger haben können. Bis zur U 17 spielten Sie beim BVB, dann wurden Sie als zu leicht befunden. Man ließ Sie zu Rot-Weiss Ahlen ziehen. Wurde Ihr Talent in Dortmund verkannt?

Ich kam in Dortmund nicht zum Einsatz, wollte aber spielen. Deswegen habe ich bei der Borussia nachgefragt, ob es okay ist, wenn ich den Verein wechsle. Sie haben mir keine Steine in den Weg gelegt. Es herrschte offenbar die Meinung, ich sei zu klein und zu schmächtig. Das ist im Fußball nun mal so. In den Jahren danach habe ich dann aber auch körperlich zugelegt.

Wenn man als junger Kerl von seinem Traumverein weg muss, ist das doch enorm enttäuschend. Gab es da überhaupt keine Tränen?

Nein, Tränen gab es nicht. Es war sicher nicht schön. Ich war als Kind in Dortmund im Stadion, war Balljunge. Da hat man schon Träume. Aber ich hatte Menschen um mich herum, die mir geholfen haben – meine Familie, Freunde. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich auch woanders groß rauskommen kann. Und ich selbst denke immer positiv.

Trotzdem haben Sie parallel eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begonnen.

Es hat nicht wirklich gut geklappt. Es gab zeitliche Probleme. Daher habe ich die Ausbildung nach zwei Jahren abgebrochen.

Sonst wären Sie jetzt Autoverkäufer.

Die Ausbildung hat Spaß gemacht. Aber ehrlich: Ich bin froh, dass ich Fußballer bin.

Hat Sie der Karriere-Umweg weitergebracht?

Das sieht man doch jetzt, oder?

Nach Ihrem Wechsel von Ahlen zu Borussia Mönchengladbach ging es für Sie recht schnell in Richtung Nationalmannschaft. Was war ausschlaggebend für diesen Karrieresprung?

Bei Michael Frontzeck, meinem damaligen Trainer, habe ich viel gelernt. Er hat mir die Chance gegeben, in der Ersten Liga zu spielen. Seitdem ging es nur bergauf.

Und dann kam Lucien Favre als Trainer. Hat er Sie auch weitergebracht?

Enorm. Er ist ein Klasse-Trainer. Wie er mit jedem Einzelnen arbeitet und redet, das ist sehr gut.

Was haben Sie von ihm gelernt?

Vor allem, dass Erholung, Regeneration und richtige Ernährung sehr wichtig sind. Das flößt er uns jeden Tag ein.

Ist der Trainer Jürgen Klopp attraktiver als der Trainer Jupp Heynckes?

Dortmund ist attraktiver als Bayern. Man entwickelt schon ein Gefühl dafür, unter welchem Trainer man die größte Chance hat, weiterzukommen. Dortmund ist zwar keine Weltstadt, aber ich sehe dort die beste fußballerische Perspektive für mich.

Warum?

Weil ich bei der Borussia besser reinpasse. Die Jungs sind gut drauf. Und der Fußball, der in Dortmund gespielt wird, ist mein Ding.

Was erwarten Sie noch von der aktuellen Saison?

In erster Linie will ich gesund bleiben. Dann gibt es keine Grenzen.

Aber an die EM im Sommer denken Sie schon, oder? Sie mussten Joachim Löw schon vier Mal absagen, trotzdem hat man das Gefühl, dass der Bundestrainer Sie unbedingt dabeihaben will.

Sonst hätte er mich wohl nicht so oft eingeladen. Ich bin froh, dass ihm gefällt, wie ich spiele. Und bei der EM will ich natürlich unbedingt dabei sein. Das wäre ein Traum.

Das Gespräch führte Jan Christian Müller.

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