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Leichtatlethik Der perfekte Himmel

Wenn er das sagt, hört es sich gar nicht so schwer an, einen Weltrekord aufzustellen. David Rudisha bricht beim Istaf in Berlin den Uralt-Weltrekord über 800 Meter.

23.08.2010 21:05
Paul Linke
Weltrekordler Rudisha: Bei ihm sah es gar nicht so schwer aus. Foto: REUTERS

Glaubt man den Worten von David Lekuta Rudisha, dann ist es gar nicht so schwer, einen Weltrekord zu brechen, nicht mal einen, der sich seit 13 Jahren hartnäckig in den Bestenlisten der Leichtathletik hält. Man braucht nur: ein gutes Gefühl, einen guten Pacemaker und, ganz wichtig, gutes Wetter. Sonnenschein. Kaum Wind.

Er habe sich am Wochenende sehr schnell gefühlt, erzählte Rudisha hinterher. Er sei sich mit Tempomacher Sammy Tangui einig gewesen über die Wichtigkeit der ersten von zwei Stadionrunden und er habe den Himmel über Berlin als perfekt empfunden. Es konnte gestern also nichts schief gehen beim Internationalen Stadionfest (Istaf) im Berliner Olympiastadion. Der Kenianer lief in 1:41,09 Minuten über die 800 Meter und war damit um zwei Hundertstelsekunden schneller als sein für Dänemark startender Ex-Landsmann Wilson Kipketer 1997.

Glaubt man den Worten von Daniel Rudisha, dann war es gar nicht so schwer, Sohn David zu einem Weltrekordbrecher zu erziehen. Früh habe er das Talent erkannt. Der Sohn sagte dazu: „Ich wollte so werden wie mein Vater.“ Dazu muss man wissen, dass Rudisha senior bei den Olympischen Spielen 1968 Silber gewann, mit der Staffel über 400 Meter. Die Medaille hat sich der Junior oft ansehen müssen. „Er packte mich über die Moral.“

Plötzlich wurde es laut im Olympiastadion. Der Mann, der seinen Pacemaker nur für die erste Runde gebraucht hatte, lief eigentlich ein einsames Rennen, vorbei an hoch springenden Frauen und Diskus werfenden Männern, die das Interesse der knapp 50?000 Zuschauer auf sich gezogen hatten, doch dann leuchteten eben diese zwei Buchstaben auf der Anzeigetafel auf: WR.

Nur ein Grinsen

Die wenigsten waren auf den Weltrekord vorbereitet, obwohl Rudisha erst im vergangenen Monat 1:41,55 Minuten gelaufen war – die zweitschnellste Zeit überhaupt. Es ist davon auszugehen, dass Rudishas australischer Manager (sein Trainer stammt aus Irland) rechtzeitig eine Rekordprämie ausgehandelt hat, die es beim Istaf offiziell nicht mehr gibt, seit dem das Meeting nicht mehr zu den Großveranstaltungen zählt. Rudisha sagte, dass er dazu nichts sagen könne. Und grinste.

Rudisha ist 21 Jahre alt, groß gewachsen, ein netter Kerl, der den plötzlichen Medienrummel mit Gelassenheit meisterte. Den italienischen Kollegen („Ein historischer Tag“) gab er gleich mehrere Autogramme und ließ sich von ihnen digital verewigen. Er spricht aber so leise, dass man selbst in unmittelbarer Hörweite manchmal nur Wortfetzen verstand. Sein Lieblingssatz, zumindest wiederholte er ihn gestern häufig, lautet: „Ich kann mich noch verbessern.“

Vor etwa zwei Jahren hat Rudisha beschlossen, nur noch ein Mittelstreckenläufer zu sein. Er beendete die High School („Ich wollte wie ein Profi laufen“) und widmete sich fortan dem Training. Vor einem Jahr, bei der WM in Berlin, wollte er dann seine konstant besser werdenden Trainingsergebnisse erstmals demonstrieren, wollte zeigen, warum er 2006 Juniorenweltmeister war – doch er scheiterte schon im Halbfinale. Der Himmel über Berlin war grau zu diesem Zeitpunkt, Wind kam auf, und das mag der wetterfühlige Rudisha so gar nicht.

Der Titel des amtierenden Weltrekordhalters hingegen gefällt ihm ausgesprochen gut. „Man ist immer glücklich“, sagte David Lekuta Rudisha, „wenn man etwas Besonderes im Leben geleistet hat.“ Und dass ihm das Besondere gleich im ersten Versuch gelang, er hatte ja zuvor noch nicht versucht, den Weltrekord zu brechen, das mache ihn sehr stolz. In Kenia nannten sie ihn übrigens schon vor dem gestrigen Lauf „Pride of Africa“ – wie stolz müssen sie jetzt auf ihn sein?

Eine Zeit von unter zwei Minuten hatte sie sich vorgenommen, doch an den Sieg nie geglaubt: Die blaue Bahn im Berliner Olympiastadion bleibt für die umstrittene 800-m- Weltmeisterin Caster Semenya ein gutes Pflaster. Genau ein Jahr nach ihrem Weltmeister, der eine Serie von Auseinandersetzungen um das Geschlecht der südafrikanischen Läuferin ausgelöst hatte, verbuchte die 19-Jährige einen völlig überraschenden Sieg über ihre Spezialdistanz.

„Natürlich war die lange Pause nicht gut für meine Karriere. Aber ich hatte diesmal ein gutes Gefühl: Die Stimmung war gut, das Wetter hat gestimmt - es war ein prima Rennen“, erklärte die lange gesperrte Südafrikanerin. „Ich danke allen Menschen in Deutschland, dass sie mich hier so herzlich empfangen haben“, sagte Semenya.

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