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Kommentar zur Fangewalt Riskante Nähe

Die Ausschreitungen während des Hamburger Hallenfußball-Turniers sind ein bedeutendes Lehrstück: Erstens hat der FC St. Pauli seinen Ruf als Hort einer alternativen Fankultur verloren und zweitens braucht der deutsche Fußball Verbote, Zäune und noch mehr Sicherheitskräfte.

09.01.2012 19:05

Die Ausschreitungen während des Hamburger Hallenfußball-Turniers sind ein bedeutendes Lehrstück: Erstens hat der FC St. Pauli seinen Ruf als Hort einer alternativen Fankultur verloren und zweitens braucht der deutsche Fußball Verbote, Zäune und noch mehr Sicherheitskräfte.

Manchmal braucht es eben das Unbegreifliche, um zu wichtigen Erkenntnissen zu gelangen. Insofern war das 26. Internationale Hamburger Fußball-Hallenturnier, das am Freitagabend in einem unvergleichlichen Ausbruch von Gewalt sein trauriges Ende fand, ein bedeutendes Lehrstück. Im Speziellen, aber eben auch im Allgemeinen.

Im Speziellen: Der FC St. Pauli, über Jahre hinweg als der Hort einer alternativen Fankultur gefeiert, hat endgültig seine Unschuld verloren. Da zeigt auch das Gegenargument, wonach die Fans des Zweitligisten doch nur auf Provokationen der anderen reagiert und nicht agiert hätten, keine Wirkung. Nichts ist bei den Braun-Weißen noch wie in den Achtziger- und Neunzigerjahren, als die Andersartigkeit des Klubs von der Anhängerschar noch gemeinschaftlich gelebt und noch nicht als schickes Accessoire verstanden wurde. Fast alles ist gewöhnlich bei den Braun-Weißen, weil die Kurve seit geraumer Zeit nicht mehr zur Selbstreinigung fähig ist. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen ob der Geschehnisse in der Alsterdorfer Sporthalle verzweifelt nach einer Erklärung suchen. Dass einer wie Mannschaftskapitän Fabian Boll, der bereits seit zehn Jahren im Klub ist, sich angewidert abwendet. „Das tue ich mir nicht an. Ich gehe nach Hause.“ Der FC St. Pauli war schon mal wesentlich sympathischer.

Und im Allgemeinen: Ein unbeschwertes Miteinander, bei dem sich Menschen aus dem Block, Menschen von der Haupttribüne und die Akteure in einer Art Familientreffen begegnen, scheint mittlerweile unmöglich, weil viel zu riskant zu sein. Es braucht also eine Distanz zwischen den Friedfertigen und den Gewaltbereiten. Es braucht Verbote, Zäune und noch mehr Sicherheitskräfte. Der deutsche Fußball wurde schon mal von einer besseren Prognose begleitet.

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