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Kommentar zum EM-Aus Verpasste Chance

Mit dem Aus im Halbfinale verpassen Joachim Löw und seine "Goldene Generation" eine riesige Chance. Für Löw bedeutet das Scheitern im Halbfinale nach acht Jahren in DFB-Diensten erstmals einen Einschnitt - aber auch einen Auftrag für die WM 2014.

28.06.2012 23:52
Jan Christian Müller
Applaus zum Abschied: Miroslav Klose und Mitspieler bedanken sich bei den Fans. Foto: dapd

Natürlich musste die deutsche Nationalmannschaft gegen Italien nicht das Finale der Europameisterschaft 2012 erreichen. Natürlich sind die Italiener immer ein gewichtiger Gegner, gegen den die Möglichkeit einer Niederlage also einkalkuliert werden muss. Und doch hatte Joachim Löw das vorzeitige Aus in seinem minutiös ausgearbeiteten Plan auf dem Weg zum Titel im Grunde ausgeschlossen.

Allen freundlichen Respektsbekundungen zum Trotz: Der Bundestrainer war fest davon ausgegangen, ins EM-Finale einzuziehen.

Löw dürfte am meisten enttäuscht sein

Zu souverän hatte er seine seit dem Halbfinale 2010 gegen Spanien in sämtlichen 14 Pflichtspielen bis Donnerstag Abend stets siegreiche Mannschaft durch die Qualifikation und bis ins EM-Halbfinale navigiert. Zu widerstandsfähig hatte die sich gegen Portugal, die Niederlande, Dänemark und Griechenland präsentiert. Und zu groß wirkte die personelle Auswahl im Qualitätskader, den in dieser Tiefe kein Bundestrainer vor Löw beisammen hatte.

Eine Niederlage gegen Spanien hätte er sich und der Öffentlichkeit erklären können. Aber Italien?

Der Trainer dürfte am meisten enttäuscht sein über das Scheitern. Seine Ansprüche waren die allerhöchsten gewesen, höher als die des neuen DFB-Präsidenten und vermutlich auch höher als die der Fans, die in der Mehrzahl doch immer noch Spanien als das Maß aller Dinge betrachten.

Diesem Spanien hatte Löw die Grenzen aufzeigen wollen.

Die Leichtigkeit ist weg

Dazu wird es vorerst nicht kommen. Damit haben der Bundestrainer und seine „Goldene Generation“ eine riesige Chance verpasst. Dass das DFB-Team wie schon 2006, 2008 und 2010 das Halbfinale bei einem großen Turnier erreichte, ist zwar anerkennenswert, angesichts der selbst festgelegten Höhe der Messlatte aber schon fast eine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich dürfte es in der Wahrnehmung von Löw sogar weniger als das Minimalziel gewesen sein.

Von der Leichtigkeit, die Deutschland noch 2010 bei der WM in Südafrika präsentiert hatte und die in Siegen gegen Brasilien und die Niederlande 2011 kulminierte, ist letztlich im Sommer 2012 zu wenig übrig geblieben. Für Joachim Löw bedeutet das nach acht Jahren in DFB-Diensten erstmals einen Einschnitt, gleichzeitig aber auch einen Auftrag. Er wird sich, die Qualifikation vorausgesetzt, bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien daran messen lassen müssen, was dieser Kader, das perfekte Umfeld und seine Fähigkeiten als Fußballlehrer hergeben: den Titel, den er selbst schon 2012 von sich und seiner Mannschaft erwartet hatte.

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