Lade Inhalte...

Kommentar TSG Hoffenheim Geschmäckle in Hoffenheim

Die TSG Hoffenheim und die European Business School veröffentlichen eine Studie, die den Bundesligisten ins beste Licht rückt. Doch kann die Analyse unabhängig sein, wenn der EBS-Lehrstuhl von der Stiftung des TSG-Mäzens Hopp finanziert wird? Ein Kommentar.

04.10.2014 09:45
Jan Christian Müller
Dürfte vom Ergebnis der Studie kaum überrascht sein: Dietmar Hopp. Foto: imago

In dieser Woche haben die TSG Hoffenheim und die European Business School (EBS) das Ergebnis einer Studie veröffentlicht, die den Fußball-Bundesligisten als „wichtigen Impulsgeber für die Region“ darstellt, der einen „hohen gesellschaftlichen Mehrwert“ schaffe.

Professor Sascha L. Schmidt von der EBS wird in der gemeinsamen Presseerklärung so zitiert: „Die Kombination einer starken regionalen Verankerung … und hoher Kaufkraft bietet eine hervorragende Ausgangslage für die professionelle Vermarktung des Klubs.“ Das ist wohlfeil formuliert.

Es mag ja nach Auswertung der Befragung tatsächlich herausgekommen sein, dass der Dorfklub „siebenmal mehr Einnahmen als Kosten für die öffentliche Hand“ generiert, dass er ein „bedeutender regionaler Abnehmer von Waren und Dienstleistungen“ ist, zudem ein „regionaler Identitätsanker“, dass „83 Prozent der Befragten stolz sind, Hoffenheimer zu sein“ und dass die Rhein-Neckar Arena an der A 6 bei Sinsheim „als zweitwichtigstes Wahrzeichen“ betrachtet wird, „gleich hinter dem Schloss Heidelberg“.

Nur: Nirgendwo wird ausdrücklich erwähnt, dass die vorgeblich unabhängige Analyse ganz so unabhängig denn doch nicht sein dürfte. Kein Wort findet sich nämlich darüber, dass der EBS-Lehrstuhl, der vor zwei Jahren als „erster weltweit zur Messung der wissenschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Breiten- und Spitzensports“ (Professor Schmidt) entstand, ausgerechnet von der Stiftung des TSG-Mäzens und Mitbegründers des Softwareunternehmen SAP, Dietmar Hopp, über fünf Jahre hinweg mit insgesamt stolzen 1,5 Millionen Euro finanziert wird.

Eine Studie zum Wohl Hoffenheims

Ein derartiges Engagement könnte als vorbildlich interpretiert werden, wenn nicht hinterher ein Geschmäckle bliebe. Vom aus dem Hopp-Vermögen alimentierten EBS-Lehrstuhl durfte bereits der Deutsche Fußball-Bund profitieren, dessen Team-Manager (und SAP-Markenbotschafter) Oliver Bierhoff eine EBS-Auftragsstudie so interpretierte: Die Nationalmannschaft sei „quasi die vierte Macht im Staat“.

So fügt sich das eine zum anderen. Das Netzwerk funktioniert. Milliardär Hopp, ohne dessen finanziellen Einsatz es weder diesen Stiftungslehrstuhl in Oestrich-Winkel, noch einen beglückenden DFB-Report und erst recht nicht den Bundesligisten in Hoffenheim gäbe, war seinerzeit übrigens bei der Vorstellung des Projekts an der privaten Wirtschaftsuniversität persönlich anwesend. Er sagte damals, er sei „gespannt auf die Ergebnisse“.

Das Spitzenresultat der Hoffenheim-Studie dürfte den 74-Jährigen eher wenig überrascht haben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen