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Kommentar Mutig

Natürlich mag es vordergründig für Eintracht Frankfurt ein Risiko sein, in der prekären Situation mit Niko Kovac einen Trainer zu installieren, der bislang noch nicht im Fußball-Oberhaus gearbeitet hat. Aber mit der Verpflichtung liegt der Club im Trend. Ein Kommentar.

09.03.2016 06:00
Der Neue stellt sich vor: Niko Kovac übernimmt bei der Eintracht. Foto: dpa

Niko Kovac also. Dem 44-Jährigen fällt die heikle Aufgabe zu, den so schwer in Turbulenzen geratenen Bundesligisten Eintracht Frankfurt vor dem fünften Abstieg der Vereinsgeschichte zu retten. Der Traditionsklub aus dem Hessischen verlässt damit erstmals ausgetrampelte Pfade, er ist ausgeschert, hat den scheinbar sicheren Weg verlassen. Gut so.

Bei Kovac, in Berlin geboren und aufgewachsen, kroatischer Staatsbürger, hat sich die Eintracht nicht aus dem Pool der üblichen Verdächtigen bedient und einen alten Haudegen verpflichtet. Die Entscheidung, den Bundesliga-Novizen ins kalte Wasser zu werfen und mit der heiklen Mission zu betrauen, ist für die Eintracht allemal ungewöhnlich und fast schon revolutionär. Diese Verpflichtung ist aber vor allem eines: mutig, endlich mal mutig.

Natürlich mag es vordergründig ein Risiko sein, in dieser prekären Situation einen Trainer zu installieren, der bislang noch nicht im Fußball-Oberhaus gearbeitet hat. Kovac war auf Vereinsebene bisher nur Co-Trainer bei Red Bull Salzburg, aber er ist nicht ohne Erfahrung. Der frühere Bundesligaprofi hat die kroatische Nationalmannschaft als Chefcoach zur WM nach Brasilien geführt. Er weiß also sehr wohl, wie eine sogar ziemlich heterogene Mannschaft anzuleiten ist. Auch wenn die Arbeit mit einem Auswahlteam sicher nicht mit dem täglichen Werkeln einer Bundesligamannschaft zu vergleichen ist. Kovac aber gilt als geradlinig und authentisch, der ein Ensemble zu motivieren und richtig anzufassen weiß.

Das Experiment kann klappen, muss aber nicht. Doch Garantien gibt es sowieso nicht, die Unwägbarkeit hätte es bei einem etablierten Fußballlehrer ebenso gegeben. In Frankfurt weiß man das aus leidvoller Erfahrung. Damals, vor fünf Jahren, ging die Rettungsmission mit dem alten Fahrensmann und Extremmotivator Christoph Daum in die Hose und also schnurstracks ins Unterhaus.

Mit der Kovac-Verpflichtung liegt die Eintracht im Trend. In der Bundesliga gibt es die Tendenz, vermehrt auf unverbrauchte, frische Kräfte zu setzen. Das klappt nicht immer, aber immer öfter. Trainer der jungen Garde sind anders ausgebildet, setzen andere Reize und Schwerpunkte.

Kovac ist einer, der neuen Schwung bringen und Feuer entfachen kann. Das wird er auch müssen. Und zwar schnell, die Zeit ist knapp. Seine vordringlichste Aufgabe wird nun sein, die verunsicherte Mannschaft aufzurichten, Blockaden zu lösen und den eingeschlafenen Konkurrenzkampf neu zu entfachen. All das ist Vorgänger Armin Veh nicht mehr gelungen.

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