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Kommentar Fußball-WM in Katar Wendehals

Für Fifa-Präsident Joseph Blatter ist der Beschluss, die Fußball-WM 2022 im Sommer im Emirat Katar austragen zu lassen, „eine Fehlentscheidung“. Es bleibt die Frage: Warum merkt man das erst jetzt? Ein Kommentar.

Fifa-Präsident Blatter: Nichts hören, nichts wissen, nichts sagen. Foto: imago sportfotodienst

Fußball, und das ist das Gute bei dieser so schmierigen Angelegenheit, ist so stark, so schön, dass ihn nicht einmal die dümmsten Funktionäre des Weltfußballverbandes (Fifa) mit ihren kruden Entscheidungen kaputt machen können. Sie können ihm allerdings massiv schaden. 2010 hat die Mehrheit der 22 Fifa-Exekutivmitglieder in einer bis heute undurchsichtigen Wahl die Weltmeisterschaften für 2018 an Russland und für 2022 an Katar vergeben.
Unabhängig von den dubiosen Umständen, unter denen das „demokratische“ Reich des Wladimir Putin und die absolutistische Monarchie der Al Thani-Familie den Zuschlag erhielten, war schon damals klar, dass die Herren irregeleitet worden waren. Ob es Geld, Drogen, Erpressung, kleine Gefälligkeiten, nächtlicher Besuch auf den Zimmern oder ein Massen-Blackout waren – wir werden es wohl nie erfahren. Jedenfalls war das Komitee nicht ganz bei Trost, denn eine von den Fifa-Funktionären selbst eingesetzte Evaluierungskommission hatte die beiden schließlich siegreichen Kandidaten kräftig abgewatscht. Russland und Katar waren darin eigentlich für WM-untauglich befunden worden.

Blatter will die WM verlegen

Das störte die Exekutivmitglieder kein bisschen. Von den sauberen Händen des Weltfußballführers sicher geleitet, übersah die Fifa-Nomenklatura auch, dass Katar sich gemäß den internationalen kalendarischen Gepflogenheiten für Fußball-Spiele im mitteleuropäischen Sommer beworben hatte und dafür Beifall erhielt. Auf der arabischen Halbinsel, das lernt man spätestens in der Sekundarstufe, herrschen dann Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius. Wer nicht unbedingt im Freien herumlaufen muss, bewegt sich in klimatisierten Büros, Shopping-Malls oder angenehm temperierten Schlitten.
Dieser Groschen ist jetzt auch bei Joseph S. Blatter, dem Fifa-Präsidenten, gefallen. Mit temperierten Stadien allein ist es bei einer WM, die den Fans nachhaltig in Erinnerung bleiben soll, nicht getan. Das WM-Leben soll und muss sich auf der Straße abspielen. Der Schweizer Sonnenkönig räumt nun ein, dass die Vergabe in den katarischen Sommer eine Fehlentscheidung gewesen sei. Es soll nun umgeplant werden. Warum ist weder der Fifa-Präsident noch jemand anderes mit mindestens Hauptschulabschluss beim Wahlkongress aufgestanden und hat auf diese Mogelpackung hingewiesen? Antwort: siehe oben. Nichts hören, nichts wissen, nichts sagen. So affig haben sich die Herrscher über den Weltfußball ja auch bei den Fragen nach Menschenrechten, Pressefreiheit und Demokratie verhalten.

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