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Kommentar Formel 1 Explosiv

Dass Lewis Hamilton beim GP von Abu Dhabi in so deutlicher Form die Anweisungen seiner Kommandozentrale zurückwies zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen ihm und der Mercedes-Crew ist.

29.11.2016 07:00
Timur Tinç
Handshake nach dem Rennen. Foto: Eberhard Krieger

In der Historie der Formel 1 hat es schon so einige schmutzige Tricks im Kampf um die WM-Krone gegeben. Unvergessen sind die Duelle auf dem Asphalt zwischen Alain Prost und Ayrton Senna, die so manches Mal im Kiesbett endeten. Oder Michael Schumachers vergeblicher Versuch, Jacques Villeneuve im spanischen Jerez von der Strecke zu drängen, der ihm nicht nur den Ruf eines Rüpels einbrachte, sondern ihn auch den Titel kostete.

Im Vergleich dazu war die Tempodrosselung von Lewis Hamilton am Sonntag in Abu Dhabi ein harmloses Scharmützel. Zu keinem Zeitpunkt bestand die Gefahr, dass der Brite das Rennen verlieren könnte. Seine Hoffnung, Nico Rosberg ebenfalls etwas auszubremsen und so in Positionskämpfe mit den hinter ihm lauernden Sebastian Vettel und Max Verstappen zu verwickeln, war letztlich vergebens. Aber Hamiltons einzige Möglichkeit, vielleicht doch noch Weltmeister zu werden, wenn Rosberg auf Platz vier zurückfällt. Irgendwie war sein Manöver nachvollziehbar, weil er unbedingt gewinnen wollte. Dass der 31-Jährige in so deutlicher Form die Anweisungen der Kommandozentrale zurückwies, zeigte aber auch, wie angespannt das Verhältnis zwischen Hamilton und der Mercedes-Crew ist.

Immer wieder stichelte der Glamourboy der Formel 1 nach den Ausfällen in diesem Jahr gegen sein eigenes Team. Vor dem abschließenden Rennen in der Wüste kündigte er auf der Pressekonferenz an, in zehn Jahren über den wohl ungewollten Mechanikertausch im Sommer zwischen Rosberg und ihm auspacken zu wollen. Nach dem Rennen in Abu Dhabi hüllte sich Hamilton zudem in Schweigen zu der Frage, ob er Mercedes gedroht habe, nach dem Crash mit Rosberg in Spanien kein Rennen mehr für das Team in dieser Saison zu fahren. Ein klares Dementi sieht anders aus.

Der deutsche Autobauer hat in Person von Motorsportchef Toto Wolff angekündigt, dass sie Hamiltons „Anarchie“ nicht dulden werden. Eine deftige Geldstrafe ist wahrscheinlich, eine Rennsperre eher nicht – damit würde sich Mercedes nur ins eigene Fleisch schneiden. Ein möglicher Rauswurf, wie britische Medien kolportieren, wäre absurd.

Trotzdem besteht Explosionsgefahr, sollten Mercedes und der beste Rennfahrer der Neuzeit sich nicht zusammenraufen. Hamilton und Rosberg haben beide noch Verträge bis 2018 und müssen irgendwie miteinander auskommen. Immerhin gab es in Abu Dhabi einen Handschlag zwischen den Konkurrenten. Hamiltons Lächeln und warme Worte wirkten jedoch arg aufgesetzt.

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