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Kommentar Eigentor

Vereint in seltener Dämlichkeit: In Europa spielen die Nationalteams um die Qualifikation zur EM-Endrunde, und im deutschen Fernsehen sieht man davon nichts. Ein Kommentar.

10.09.2014 07:58
Die Türkei blamiert sich gegen Island - und keiner sieht's. Foto: AFP

Vielleicht hat es gestern Abend wirklich nur die ganz eingefleischten Anhänger des internationalen Fußballs gestört, dass auf keinem deutschen Fernsehkanal irgendwelche Bilder der EM-Qualifikation liefen. Weder live noch zeitversetzt. Nicht im Free- und auch nicht im Pay-TV. Auf dem Spielplan standen Partien wie Andorra – Wales oder Bosnien – Zypern, aber auch Tschechien – Niederlande und Norwegen – Italien. Da hätte der eine oder andere vielleicht ganz gerne kurz reingeschaut.
Die Absenz auf deutschen Fernsehschirmen beruht auf einem komplizierten Hintergrund. Und es tut sich ein Mangel auf, der hierzulande dem Fußballfreund erst nach und nach dämmert. In seltener Dämlichkeit haben es nämlich die gewinnsüchtige Europäische Fußball-Union (Uefa), die mit der weltweiten Zentralvermarktung beauftragte Agentur CAA Eleven und die für den deutschen Markt zum Zug gekommene RTL-Gruppe geschafft, dass es für viele Qualifikationspartien faktisch keine ordentliche Abspielfläche mehr gibt – außer am Tag, an dem auf dem Weg zur EM-Endrunde in Frankreich die deutsche Nationalelf antritt.

Zusammenfassung stört die Werbung

Dann werden Zusammenfassung anderer Nationen irgendwo zwischen den nervtötenden Werbeblöcken scheibchenweise präsentiert. Aber weil die Uefa ja glaubte, mit der Ausweitung der so genannten „Qualifier“-Woche auf sechs Spieltermine sei der Stein der Weisen für die Vermarktung gefunden, ist nun der vertrackte Fall entstanden, dass der Rechteinhaber an den anderen Tage gar nicht senden will. Mit jedem Film und jeder Show holt sich der Privatsender mehr Zuseher vor die Glotze, als mit einem Fußballprogramm ohne das Lockmittel des Weltmeisters.
Es wurde beim Rechteverkauf schlicht versäumt, für mögliche Interessenten wie Eurosport einzelne Angebote zu schnüren, auf die sie hätten zugreifen können. Ergo schaut die Kundschaft in die Röhre. RTL weist darauf hin, dass keine Verpflichtung bestehe, alle Spiele in Ausschnitten zu zeigen. Aber warum überlässt man dieses Terrain nicht denjenigen, die daran Interesse hätten?
Kann doch nicht sein, dass am Montagabend Alemannia Aachen gegen Sportfreunde Lotte aus der Regionalliga West bei Sport1 in voller Länge zu bestaunen ist, nicht aber in einer Kurzzusammenfassung, wie England in der Schweiz siegt oder der Schwede Zlatan Ibrahimovic den Österreicher David Alaba schlägt. Die Uefa hat sich jedenfalls auf einem ihrer wichtigsten Märkte komplett verkalkuliert. Und das produziert, was im Fußball als klassisches Eigentor bezeichnet wird.

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