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Kalli Feldkamp Skibbes Aufpasser ist zurück

Die Rückkehr von Kalli Feldkamp zu Galatasaray zeugt von dessen Geringschätzung gegenüber Trainer Michael Skibbe. Doch nicht genug: Diebe stehlen Skibbes Handy und erpressen ihn damit.

02.12.2008 00:12
Die Rückkehr von Kalli Feldkamp zu Hertha-Gegner Galatasaray zeugt von dessen Geringschätzung gegenüber dem Trainer Michael Skibbe. Foto: rtr

Vorigen Dienstag erwies sich das türkische Massenblatt Hürriyet mal wieder als Meister melodramatischer Inszenierungen. Ein Foto zeigte das gut gelaunte Ehepaar Feldkamp nach dessen Ankunft auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul. Hürriyet schrieb: "Weinend gingen sie, lachend kommen sie zurück."

Nur siebeneinhalb Monate zuvor waren Kalli und Helma Feldkamp weniger gut gelaunt ins Flugzeug vom Bosporus nach Deutschland gestiegen. Feldkamp hatte sechs Spieltage vor Saisonende als Trainer von Galatasaray hingeschmissen. Präsident Adnan Polat und Sportdirektor Adnan Sezgin mischten sich damals für seinen Geschmack zu sehr in seine Arbeit ein.

Nun ist er zurück in Istanbul, zum dritten Mal bei Galatasaray. Bis zum Ende der Saison lautet die neue Arbeitsbezeichnung des 74 Jahre alten Mannes "Technischer Direktor". Nicht auf der Bank und nicht auf dem Trainingsplatz werde er erscheinen, versicherte der Mann mit dem schlohweißen Haar und dem ewig braunen Teint. "Ich möchte Galatasaray dienen, das ich sehr liebe", sagte Feldkamp türkischen Reportern mit jenem Pathos, das diese so lieben.

Auch Michael Skibbe machte gute Miene zu dieser seltsamen Personalie. Er freue sich, dass Feldkamp da sei. Er und die Mannschaft könnten nur von der Erfahrung seines Landsmanns profitieren, sagte der 43-jährige Galatasaray-Trainer. Er sei aber weiterhin alleine für die Aufstellung und die Arbeit mit der Mannschaft verantwortlich, betonte Skibbe. Wozu aber ist Feldkamp dann da? Die Zeitung Milliyet jedenfalls kommentierte ohne Ironie: "Zirkus-Show Galatasaray".

Allem Anschein nach traut das Präsidium Skibbe nicht mehr zu, die teure Mannschaft endlich auf Erfolgskurs zu bringen. Beobachter vermuten, der gebürtige Gelsenkirchener soll durch Feldkamps Inthronisierung zum Rücktritt bewegt werden. Der Klub könne so die Abfindung für dessen bis zum Ende der Saison laufenden Vertrag sparen. Vor zwei Monaten hatte man ohne Rücksprache mit dem Trainer dessen Assistenten Edwin Boekamp und Ümit Davala entlassen. Skibbe wurde ungefragt ein Ex-Assistent Feldkamps zur Seite gestellt. Nun ist dieser höchstselbst wieder da.

Diebe stehlen Skibbes Handy

Als wäre es nicht schon schwer genug für Skibbe, kramte die deutsche Boulevardpresse nun einen bizarren Erpressungsversuch gegen ihn hervor. Im Dezember 2006 war das Auto des damaligen Trainers von Bayer Leverkusen aufgebrochen und unter anderem Skibbes Mobiltelefon gestohlen worden. Im nächsten Herbst meldeten sich die Täter telefonisch bei Skibbe und forderten einen sechsstelligen Betrag für die Rückgabe des Handys. Die Summe wurde in einem weiteren Anruf präzisiert: 160.000 Euro.

Prompt wird nun über pikante Foto-Dateien spekuliert. Skibbe schaltete damals die Polizei ein und ging zum Schein auf die Erpressung ein. Bei der vereinbarten Geldübergabe lagen die Beamten auf der Lauer, doch die Erpresser machten wohl im letzten Moment kehrt. Dennoch wurden zwei Tatverdächtige ermittelt, die bald vor Gericht stehen werden: ein 26-Jähriger und seine 32-jährige mutmaßliche Komplizin - eine Polizeibeamtin.

Was Michael Skibbe derzeit aber mehr beschäftigt, ist die peinliche 0:1-Heimniederlage im Uefa-Cup gegen Metalist Charkow am vergangenen Donnerstag. Berater Feldkamp hatte erstmals auf der Tribüne im alten Ali-Sami-Yen-Stadion Platz genommen. Das Verpassen der Champions-League-Gruppenphase haben viele im 15-köpfigen Präsidium Skibbe noch nicht verziehen. Dabei, so lamentieren die eitlen Anzugsträger, die Niederlagen sehr persönlich nehmen, habe man doch die teuerste Mannschaft aller Zeiten. Teurer als jene, die 2000 den Uefa-Cup gewann.

Ein Aus in diesem Wettbewerb, das mit einer Niederlage im Spiel heute Abend bei Hertha BSC Berlin (20.45 Uhr, live in der ARD) näherrücken würde, dürften die Potentaten des Klubs Skibbe kaum verzeihen. Wenigstens sind die Stars fit. Nach dem ehemaligen Schalker Lincoln kamen diesen Sommer ja noch Harry Kewell (FC Liverpool), Milan Baros (FC Portsmouth) und Fernando Meira (VfB Stuttgart) an den Bosporus. Auch wegen des großen Verletzungspechs kam die Mannschaft bislang noch nicht in Fahrt.

In der Liga liegt der Meister vier Punkte hinter Tabellenführer Trabzonspor. Weil er keine Titel als Vereinstrainer vorweisen kann, wurde Skibbe in der türkischen Presse von Beginn an als "Lehrling" bezeichnet. Feldkamp nennen sie wegen seiner Erfolge in der Türkei "beyaz tilki", grauer Fuchs. Noch firmiert er in den Zeitungen als Skibbes "Aufpasser". Mal sehen, wie lange noch.

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