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Judo Würgegriff statt Violinstrich

In Singapur will Judoka Natalia Kubin gleichermaßen Erfolg wie Spaß haben. Die ersten Olympische Spiele der Jugend werden eröffnet.

14.08.2010 12:37
Legt auch Männer flach: Natalia Kubin. Foto: Michael Schick

Es werden wieder Nervenspiele werden, die Duelle auf der Judomatte. Das weiß Natalia Kubin ganz genau. Denn stets wenn die Bad Nauheimerin einer Gegnerin gegenübertreten muss, ist die 17-Jährige „richtig aufgeregt“. Und nur wenn sie ihren Vater und Trainer Thomas an ihrer Seite weiß, bekommt sie das in den Griff.

In Singapur wird er dabei sein. Nicht von Beginn an, aber später, wenn es für die für den Frankfurter Turnverein startende Judoka am drittletzten Tag der fast zweiwöchigen Olympischen Jugendspiele in den Wettbewerb geht. Ein Wettbewerb, der ein besonderer ist, denn zum ersten Mal trifft sich die jüngere Jugend der Welt zum sportlichen Streite. Doch anders als bei den Spielen der Großen, soll sich in Südostasien der Fokus der Athleten nicht in erster Linie auf Sieg oder Niederlage richten. Auch die Erziehung und die Begegnung mit anderen Teilnehmern und Kulturen erhalten einen hohen Stellenwert.

Die insgesamt 70 deutschen Nachwuchssportler wurden darauf bereits bei einem mehrtägigen Treffen vorbereitet, in dessen Verlauf auch die olympische Fackel in Berlin Station machte. Dabei wurden sie mit den Bedingungen und den Gepflogenheiten in Singapur vertraut gemacht, aber auch mit dem Wunsch des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dass ihnen Erfolg und Spaß bei diesem Ereignis gleichermaßen wichtig sein sollen. Vieles sieht Natalia Kubin seitdem klarer, denn lange Zeit habe sie gar nicht richtig gewusst, was da auf sie zukommt. So sollte es ursprünglich gar keine einheitliche Kleidung für die deutschen Teilnehmer geben, „aber das ist mittlerweile abgeschafft“.

Kultur nicht ausgeschlossen

Ein Pflichtprogramm gebe es derweil nicht. Aus den zahlreichen kulturellen Angeboten könne sich jeder aussuchen, was ihn interessiert. Spätere An- oder vorzeitige Abreisen sind allerdings nicht erwünscht. So startete auch Natalia Kubin bereits am Donnerstag Richtung Asien, wo die Spiele am heutigen Samstag eröffnet werden. Doch die Hessin, die bis zu ihrem Wechsel vor eineinhalb Jahren aufs Sportinternat Kaiserslautern auch noch intensiv Violine spielte, freut sich auf die Chance, in den nächsten Tagen ihren Horizont gleich in mehrfacher Hinsicht erweitern und sich so ein bisschen vom bevorstehenden Wettkampf und der wachsenden Nervosität ablenken zu können.

Nichtsdestotrotz hat sie im Vorfeld intensiv trainiert. Ihre Sommerferien hat sie für Trainingslager in Polen, Tschechien und Korea geopfert. Und dabei vielleicht ein bisschen zu oft die Gegner auf den Arm genommen. Denn aktuell plagt sie eine Sehnenscheidentzündung, die sie für den Auftritt in Singapur wohl tapen muss. Anmerken lassen will sie sich davon allerdings nichts: „Man darf dem Gegner keine Schwächen zeigen, sonst gewinnt er an Selbstbewusstsein.“

Vor einem Jahr, bei ihrer letzten Weltmeisterschaft der U 17, war ihr dies gut gelungen. Damals gewann die deutsche Meisterin die Bronzemedaille, mit der sie sich für die Jugendspiele empfahl. Erst beim Wiegen am Morgen hatte Natalia Kubin, die mehr dem technischen als dem kraftvollen Judostil zugetan ist, von dem Großereignis erfahren. Vor drei Monaten, als der DOSB ihre Nominierung abgesegnet hatte, erhielt sie dann die offizielle Einladung. Dabei spielte Kubin ihr Körper in die Karten, denn noch zwei andere weibliche Judoka hatten sich mit einem internationalen Podestplatz empfohlen. Doch die eine sei zu schwer, die andere zu leicht gewesen. Natalia Kubin selbst aber, als Vertreterin der Klasse bis 78 Kilogramm, brachte offenbar genau das richtige Gewicht auf die Waage.

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