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Josip Simunic Simunics ideologische Offensive

Der kroatische Nationalspieler Josip Simunic wurde von der Fifa aufgrund einer faschistischen Grußformel gesperrt. Nun versucht der ehemalige Bundesligaprofi, sich reinzuwaschen.

15.02.2016 14:11
Dario Brentin
Darf Hütchen aufstellen und motivieren: Josip Simunic. Foto: imago/Pixsell

Josip Simunics internationale Fußballkarriere ist seit einiger Zeit vorbei. Sie wurde abrupt von einer „aufoktroyierten“ Fifa-Sperre unterbrochen, die für den damals 35-jährigen ehemaligen Bundesligaprofi de facto seine Pensionierung in der kroatischen Nationalmannschaft bedeutete. Zur Erinnerung: An jenem „verdammten“ Novemberabend im Jahr 2013 beschloss Simunic nach erfolgreich abgeschlossener Qualifikation der kroatischen Nationalmannschaft für die WM in Brasilien, die Anhänger im Zagreber Maksimir-Stadion per Mikro mit einem „Za dom“ zu begrüßen, worauf das Stadion lautstark mit vereinter Stimme „spremni“ erwiderte.

Der Eklat war perfekt. Der Gruß „Za dom spremni“ war nämlich die offizielle Grußformel des faschistischen Ustascha-Staates von 1941-1945. Eine politische Aktion, welche die Fifa nicht hinnehmen konnte. Obwohl von wissenschaftlicher Seite unmissverständlich als faschistisch konnotiert beschrieben, herrscht in der kroatischen Gesellschaft über „Za dom spremni“ kein klarer gesellschaftlicher Konsens. Je nachdem, wen man fragt, oszilliert das populäre Verständnis von „Za dom spremni“ zwischen einem Ustascha-Gruß und einem „altertümlichen kroatischen“ Gruß.

Simunic selbst verteidigte seine Aktion als etwas, das er schon immer machen wollte, woran es aber auch moralisch nichts zu problematisieren gäbe, da es von seiner Seite ausschließlich aus Liebe zur kroatischen Heimat geschah. Josip Simunic selbst wurde in der kroatischen Diaspora in Australien geboren und sozialisiert, eine Gemeinschaft die durchaus als konservativer als konservativ bezeichnet werden kann und ihre Identität aus der Liebe zur kroatischen Heimat sowie der Abneigung gegenüber dem jugoslawischen Staatsprojekt speist.

Nachdem es um Simunic eine Zeit lang ruhig geworden war, nahm ihn der neue kroatischen Nationalmannschaftstrainer Ante Cacic vor ein paar Monaten in seinen Trainerstab auf – als „Motivator“. Seither befindet sich Simunic in einer ideologischen Offensive.

Promo-Reise für Film und Buch

Zusammen mit dem Regisseur Jakov Sedlar, der seinerzeit als Haus- und Hofregisseur des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudman galt, drehte er einen Dokumentarfilm, der seine Seite der Geschichte darstellen soll: „Mein geliebtes Kroatien“. Abseits pathetischer Deklarationen und bedingungsloser Heimatliebe wird Simunic darin zu einem Opfer innerer und äußerer Feinde Kroatiens stilisiert und seine Tat als unzweideutig patriotisch dargestellt. Der Dokumentarfilm ist für wenig Geld an Kiosken in ganz Kroatien und darüber hinaus käuflich zu erwerben.

Momentan ist Simunic auf einer internationalen Promotiontournee, welche ihn durch mehrere Stationen in Kroatien sowie in kroatische Auslandsgemeinschaften in den USA, in Kanada oder, wie vergangene Woche, in sein Geburtsland Australien führt. In einem Interview mit dem „Sydney Morning Herald“ ließ er die Leser wissen, dass sich seine Agenda nicht auf den Dokumentarfilm beschränkt. Er schreibe jetzt auch an einem Buch über die „wahren“ Inhalte von „Za dom spremni“ und das schändliche Verhalten jener, die ihn deswegen verurteilen.

Zudem lotet er auch juristische Möglichkeiten aus. Nachdem er beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne mit seiner Beschwerde wegen der Fifa-Sperre abgeblitzt war, setzte er den juristischen Weg fort und will in Zukunft am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg um seinen Namen kämpfen.

Für den Artikel im „Sydney Morning Herald“ ließ Simunic sich, von einer kroatischen Flagge umhüllt, ablichten. In der feinsten Form einer Freudschen Fehlleistung handelte es sich dabei jedoch nicht um eine Flagge des modernen Kroatien, sondern um eine Abwandlung der Flagge des Ustascha-Staates. Ob es sich hierbei um ein Fauxpas handelt oder um ein bewusstes Zeichen, konnte trotz Kontaktaufnahme mit dem Autor und Fotografen des „Mornings Herald“ nicht geklärt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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