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Interview Klaus Allofs „Da ärgere ich mich schon“

Wolfsburgs Macher Klaus Allofs über Sticheleien aus Frankfurt und den Fall Sebastian Jung.

In diesen Tagen fast immer auf Empfang: Klaus Allofs, der Macher beim VfL Wolfsburg. Foto: imago/Christian Schroedter

Klaus Allofs lenkt seit November 2012 die Geschickte beim VfL Wolfsburg. Natürlich war der Geschäftsführer auch beim DFL-Neujahrsempfang zu Gast. Dort nahm der 59-Jährige im FR-Interview Stellung zum Rückrundenauftakt bei Eintracht Frankfurt.

Haben Sie eine persönliche Bande zur Stadt Frankfurt?
Nein, da gibt es keine tiefer liegende Bindung.

Und was verbinden Sie mit Frankfurt?
Für mich ist das nicht so sehr eine Bankenstadt, sondern eher eine Fußballstadt, weil ich bekanntlich dem Fußball vielfältig verbunden bin und damit auch häufiger mit DFB und DFL zu tun habe. Und natürlich denkt man bei Frankfurt automatisch an die Eintracht. Die meisten Besuche finden – wie jetzt zum Bundesligaspiel – deswegen statt. Aber mir fällt ein: Ich war auch schon das eine oder andere Mal auf der Galopprennbahn (lacht).

Ist Frankfurt für Sie die Fußball-Hauptstadt Deutschlands?
Das ist für mich noch ein bisschen hoch gegriffen. Aber es kann sich dahin entwickeln, wenn die DFB-Akademie entstanden ist und sich die Eintracht noch weiter entwickelt.

Hat der Klub mittel- und langfristig das Potenzial diesen Sprung zu machen?
Ich kann das schwer beurteilen. Aber von der Wirtschaftskraft, dem Einzugsgebiet und der Begeisterung der Menschen für den Fußball bietet Frankfurt erst einmal beste Voraussetzungen, nur reicht das allein nicht aus. Wenn man diese Trümpfe bündelt und ausspielt, kann die Eintracht ein Kandidat sein. Aber man muss so ehrlich sein: Es gibt auch noch andere Vereine, die ähnliche Voraussetzungen vorfinden. Insofern hat Heribert Bruchhagen schon recht: Man spielt dann vielleicht ein Jahr im Europapokal, hat aber keine Garantie für eine dauerhafte Teilnahme.

Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen ist derjenige, der immer sehr gerne gegen Werksvereine stichelt, dabei speziell auch gegen den VfL Wolfsburg. Oft garniert er seine Ausführung noch mit der Anmerkung, wie wenig Zuschauer Ihr Verein mit in die Arena bringt. Ärgert Sie das?
Das hängt ein bisschen von der Tagesform ab. Ich will das gar nicht an Heribert Bruchhagen festmachen. Wir sind nun einmal Konkurrenten, aber ich finde, dass alle Funktionäre, die schon lange in der Verantwortung sind, nicht in solchen Schubladen denken sollten. Teilweise stecken darin nämlich Vorurteile, die sich verfestigt haben. Da ärgere ich mich schon, weil sie es eigentlich besser wissen...

Greifen Sie dann mal direkt zum Telefonhörer?
Wenn wir uns treffen, reden wir schon darüber. Es ist doch in der Branche so: Wenn etwas gesagt ist, ist es gesagt und öffentlich.

In diesem Winter hätten Sie allen bei der Eintracht einen großen Gefallen getan, wenn Sie die Rückkehr von Sebastian Jung ermöglicht hätten.
Dazu muss ich klarstellen: Es gab keine ganz konkrete Anfrage der Eintracht in dem Tenor: ‚Wir möchten ihn haben‘. Dass dies ein Thema ist, seit er bei uns spielt, verstehe ich ja. Unsere Antwort wäre unabhängig davon unmissverständlich klar gewesen: Wir brauchen Sebi. Wir setzen auf ihn, auch wenn er sich in den ersten Spielzeiten doch schwerer getan hat, als wir das vermutet haben. Wir haben weiterhin eine hohe Meinung von ihm, er ist ein ganz wichtiger Spieler.

Hätten Sie nicht aber mehr von ihm erwartet: Er stand ja immerhin im erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Jetzt ist er nicht mal mehr Stammspieler in der Bundesliga.
Es gibt das Phänomen, dass Spieler, die sehr lange bei einem Verein gespielt haben, sich woanders dann schwer tun. Da ist Sebastian Jung kein Einzelfall. Es gab bei ihm eine sehr enge Bindung an die Eintracht. Ich bin aber nach wie vor fest überzeugt, dass er bei uns den Durchbruch schaffen wird. Er hat bei uns schon eine Menge dazugelernt.

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In welcher Verfassung ist Ihre Mannschaft? Sie hatten einige Ausfälle zu beklagen.
Klar passt es uns nicht, dass einige Spieler wie Maximilian Arnold oder Luiz Gustavo ausgefallen sind. Der Mittelfußbruch von Bas Dost bedeutet ein Verlust ganz vorne. Wir hätten gerne zum Rückrundenstart den Krankenstand auf null gebracht.

Der Stürmer Breel Ebolo vom FC Basel soll auf Ihrer Wunschliste stehen, ist aber offenbar nicht ganz billig. Besteht Interesse?
Es stimmt, dass wir unsere Haltung, in Sachen Neuzugänge nichts zu machen, noch einmal überdenken, um vielleicht einen perspektivischen Transfer vorzuziehen. Embolo gehört zum Kreise der interessanten Spieler.

Bei Ihnen und auch Trainer Dieter Hecking sind zuletzt auffallend oft die Namen André Schürrle und Julian Draxler gefallen, von denen sich die Verantwortlichen eine Leistungssteigerung erhoffen. Es sind zugleich die Königstransfers des VfL Wolfsburg. Fordern Sie bewusst mehr Gegenleistung ein?
Wir haben erst einmal gesagt, dass wir im Kader noch Luft nach oben sehen. Dass wir also nicht unbedingt Neuzugänge brauchen, sondern mehr aus den vorhandenen Spielern herausholen können. Aber das sind zwei unterschiedliche Personalien. André Schürrle hat sich teilweise schwer getan, kam auch mit großen Erwartungen. Ich stelle fest, dass er in der Vorbereitung eine sehr positive Erscheinung gewesen ist. Das gilt es, jetzt in der Bundesliga zu bestätigen. Das Grundvertrauen in seine Fähigkeit verfestigt sich gerade. Wir sind überzeugt, dass wir in den nächsten Monaten einen viel besseren André Schürrle sehen werden.

Und Draxler?
Er hat sehr lange bei Schalke spielt, nun ist er das erste Mal von zu Hause weg und in einem anderen Verein. Dass er als teurer Spieler verstärkt unter Beobachtung steht, muss er vielleicht noch lernen, aber dass er ein großer Spieler ist, zeigt er immer wieder. Bei ihm gilt das, was wir bei Kevin De Bruyne gesagt haben: Er wird sich in die richtige Richtung entwickeln. Ohne die beiden allerdings vergleichen zu wollen.

Können die Leistungsschwankungen auch mit dem Spannungsfeld zu tun haben, in dem das Team sich in der Hinrunde bewegt hat: Die Höhepunkte in der Champions League mit dem Alltag in der Bundesliga unter einen Hut zu kriegen, hat nicht immer geklappt.
Ich würde das nicht als Spannungsfeld bezeichnen, weil es für mich keine Frage der Konzentration gewesen ist. Wir müssen es einfach hinbekommen, dass sich die Spieler im Grenzbereich ihres Leistungsvermögens bewegen. Wenn wir das schaffen, sind wir automatisch weniger wechselhaft. Die Champions League ist für uns keine Belastung, sondern eine Riesenmotivation.

Wolfsburg trifft im Achtelfinale auf KAA Gent. Ein Glückslos?
Ein Glückslos wäre ein Gegner, bei dem man sicher durchmarschiert. Gent ist eine Mannschaft, die in Belgien an der Tabellenspitze steht und nüchtern betrachtet, mit uns sportlich auf Augenhöhe ist. Da hätte es andere Kandidaten im Lostopf gegeben.

Würden Sie bei Erreichen des Champions League-Viertelfinals und Platz vier in der Bundesliga von einer zufriedenstellenden Saison sprechen?
Wir wünschen uns natürlich jetzt, bis ins Viertelfinale zu kommen. Entscheidender für uns wäre aber nächste Saison die Qualifikation für die Champions League. Und dahin wollen wir am Sonntag in Frankfurt einen Schritt machen.
Interview: Frank Hellmann

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