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Initiative „Nie wieder“ Kein Platz für rechte Gesinnung

Die Fußballfunktionäre Niersbach und Rauball beziehen Stellung. Der Ligapräsident kritisiert die Bundesregierung.

13.01.2014 07:27
Jan Christian Müller
Gemeinsam gegen rechts: Wolfgang Niersbach (li.) und Reinhard Rauball. Foto: Imago

Reinhard Rauball und Wolfgang Niersbach waren am Sonntagmorgen früh aus dem Bett gekrochen, um sich vor 280 Teilnehmern zum zehnten Geburtstag der Initiative „Nie wieder“ zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus vor Ort in Frankfurt zu präsentieren. Ehe der DFB- und der Liga-Präsident aber selbst auf dem Podium zu TV-Reporter Marcel Reif hinauf durften, gab es Nachhilfe von der Basis. Niersbach und Rauball waren sichtlich beeindruckt von den Schilderungen eines Aachener Ultras. Danach waren Fans der Alemannia sogar nachts im Bett von rechtsextremen Gewalttätern angegriffen worden, sie seien zudem bei einem Heimspiel von Hooligans aus dem Block geprügelt worden, ohne dass der Verein sich eindeutig kritisch dazu geäußert habe, und hätten schließlich aufgegeben, Spiele von Alemannia Aachen zu besuchen.

Auftrag des Fußballs an die Politik

Ein trauriges Beispiel, auch in Braunschweig, Duisburg und Dortmund gab es zuletzt Auswüchse rechter Gewalt, „Fälle von offenem Rassismus sind in den Bundesligen inzwischen die absolute Ausnahme“, berichtete Fan-Experte und Buchautor Christoph Ruf zwar, würde sich aber wünschen, dass sich die Vereine in solchen Fällen stets klar positionieren. Niersbach und vor allem Rauball taten das am Sonntagmorgen sehr deutlich, Letzterer auch mit einem klaren Auftrag des Fußballs an die Politik: „Dass sich der Bund aus Angst vor einer Niederlage vor dem Verfassungsgericht aus dem Verbotsverfahren gegen die NPD rauszieht, ist aus meiner Sicht inakzeptabel und enttäuscht mich sehr“. Der Ligaboss sprach von einem „Armutszeugnis“. Man könne den Kampf gegen rechts nicht auf die Zivilcourage der Bürger abwälzen. Niersbach nannte Werder Bremen, dessen Aufsichtsratsmitglied und Ex-Nationalspieler Marco Bode an der dreitägigen Veranstaltung teilnahm, als Beispiel für gelebte Zivilcourage: Der Bundesligist hatte einen NPD-Funktionär unter Verweis auf die satzungsmäßig verordneten Werte wie Toleranz und Integration im Sommer 2011 aus dem Verein ausgeschlossen und 2013 vor dem Landgericht Recht bekommen. Der DFB hatte daraufhin sämtliche 26 000 Vereine angeschrieben, die eigenen Satzungen entsprechend so anzupassen, „dass“, so Niersbach, „rechte Gesinnung keinen Platz im Klub findet“.

Briefe an DFB und DFL

Den Funktionären wurden am Sonntagmittag Briefe von Ultras aus Aachen, Duisburg und Braunschweig mit persönlichen Gesprächswünschen überreicht, die beide spontan annahmen. Am ersten Rückrundenspieltag am 27. Januar werden in den Bundesligastadien verschiedene Aktionen in Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft stattfinden. „Es darf nicht sein, dass auf den Tribünen das Recht des Stärkeren gilt“, sagte Rauball mit Blick auf die Verhältnisse in Aachen, aber auch bei seinem Verein Borussia Dortmund, wo die in den 80er Jahren sehr aktive „Borussen-Front“ sich laut des BVB- und Liga-Präsidents in Personalunion „leider wieder in den Vordergrund“ dränge.

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