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HSV-Trainer Labbadia ist die beste aller Notlösungen

Der frühere HSV-Trainer Bruno Labbadia soll die Hanseaten vor dem Absturz retten.

15.04.2015 18:33
Hendrik Buchheister
Nachdenklich am ersten Arbeitstag: Bruno Labbadia. Foto: dpa

Der vierte Trainer des Hamburger SV in der laufenden Saison trug ein blaues T-Shirt am Körper und ein Lächeln im Gesicht, als er auf die Bühne im Presse-Saal der Arena im Volkspark trat. Bruno Labbadia wirkte erstaunlich gelöst angesichts der schwierigen Aufgabe, derer er sich annimmt, und er passte mit seinem offen vorgetragenen Optimismus so gar nicht in das Bild, das der Klub in den vergangenen Wochen abgegeben hatte.

Doch genau deshalb haben die Verantwortlichen um Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer ja entschieden, Labbadia zum zweiten Mal nach 2009 zum Trainer in Hamburg zu machen, nachdem der HSV nach der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg am Wochenende ans Tabellenende gerutscht war, und nachdem zuletzt die Verhandlungen mit Thomas Tuchel gescheitert waren, dem Wunschkandidaten des Klubs für eine bessere Zukunft. Labbadia soll den Verein emotionalisieren sechs Spieltage vor Schluss, er soll Feuer in der Mannschaft entfachen. Der neue Mann sei „ein leidenschaftlicher Kerl, der zupacken kann“, pries Beiersdorfer den Rückkehrer.

Mit dem HSV noch nicht fertig

Labbadias Verpflichtung ist das Eingeständnis, dass die interne Lösung mit Sportchef Peter Knäbel gescheitert ist, der erst Ende März für den abgelösten Trainer Josef Zinnbauer übernommen hatte. Auch wenn der HSV diese Interpretation natürlich nicht gelten lassen möchte. Die Situation habe sich nun einmal geändert mit der Erkenntnis, dass Tuchel nicht Trainer in Hamburg wird. „Deshalb haben wir uns für die bestmögliche Lösung entschieden“, sagte Beiersdorfer über Labbadia, der mit einem Vertrag über 15 Monate ausgestattet wird. Der Vereinschef hätte auch sagen können: Für die bestmögliche Notlösung. Praktischerweise wohnt Labbadia in Hamburg.

Die Hoffnungen auf eine schnelle Besserung sind keine komplette Illusion. Ein Trainer für langfristigen Erfolg ist Labbadia zwar nicht, dafür war er bei seinen Stationen stets furios gestartet. In der Saison 2008/2009 führte er Bayer Leverkusen wenige Wochen nach seinem Amtsantritt an die Tabellenspitze, in der Spielzeit danach gelang ihm mit dem HSV das gleiche Kunststück. Zudem ließ Labbadia laut Beiersdorfer den besten Fußball spielen, „der hier in den vergangenen zehn, 15 Jahren gespielt wurde“, wie sich der Vereinschef erinnerte. Labbadia wurde bei seinem ersten Engagement in Hamburg zwei Spieltage vor dem Ende der Saison freigestellt, der HSV war zu jener Zeit Tabellensiebter und stand im Halbfinale der Europa League. Deshalb trug Labbadia in den vergangenen Jahren das Gefühl durch die Welt, noch nicht fertig zu sein mit seinem Werk in Hamburg: „Ich habe immer gesagt, dass der HSV für mich nicht beendet ist“, sagte Labbadia.

Der Trainer kann in den verbleibenden sechs Spielen zum Helden werden, vermutlich würde ihm die Stadt eine Statue auf dem Rathausmarkt errichten, wenn er den Umschwung vollbringt. Wahrscheinlicher ist angesichts des letzten Tabellenplatzes und dem Rückstand von vier Punkten auf den ersten sichereren Nichtabstiegs-Rang allerdings, dass Labbadias Name für alle Ewigkeit mit dem ersten Bundesliga-Abstieg des HSV verbunden sein wird. Gedanken machen möchte er sich um solche Unwägbarkeiten nicht, überhaupt bringe es nichts, über vergangenen Fehler und drohende Eventualitäten zu sprechen. Nur so viel: „Die Mannschaft steht zurecht auf dem letzten Platz, es ist egal, wieso und weshalb“, sagte der Trainer. Arbeiten, arbeiten, arbeiten – und dann hoffen, dass es zum Klassenerhalt reicht, so sieht Labbadia seine Mission.

Die beginnt er mit großem Engagement. Anstatt den Geburtstag seiner Frau zu feiern, beim gemeinsamen Urlaub auf Mallorca, stand Labbadia am Mittwochvormittag zum ersten Mal mit der Mannschaft des HSV auf dem Trainingsplatz. Am Nachmittag brach die Delegation auf in ein Kurztrainingslager nach Rotenburg an der Wümme, bei dem der Trainer das Team auf das Nordderby bei Werder Bremen am Sonntag vorbereiten will.

Sehr viele Baustellen

Labbadias Aufgaben sind vielfältig: Er muss der Abwehr des HSV ihre Fehler austreiben und dem Angriff seine Harmlosigkeit. In den jüngsten beiden Spielen trugen Abwehrfehler entscheidend zu Niederlagen bei: In Leverkusen verschuldeten Heiko Westermann und Johan Djourou das ersten Gegentor, das die 0:4-Niederlage einleitete, zuletzt gegen Wolfsburg verschenkte Cléber Reis vor dem ersten Gegentor den Ball im Aufbauspiel. Dazu haben die Hamburger mit 16 Treffern mit Abstand die wenigsten Tore aller Bundesligisten geschossen in dieser Saison. Außerdem muss Labbadia die Risse im Team kitten. Die jüngste Rauferei zwischen Behrami und Djourou ist Beleg für die schlechte Stimmung in der Kabine.

Der erste Abstieg des HSV wäre nur das folgerichtige Ende einer Chaos-Saison ohne Beispiel. Labbadia will das verhindern. „Fußball ist viel geiler, wenn man gewinnt“, sagte der neue Trainer. Am Sonntag muss deshalb der erste Sieg seit Februar her.

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