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Hertha BSC Erbärmlich, ideenlos, untauglich

Ein Trainingslager an einem geheimen Ort soll Hertha BSC im Abstiegskampf helfen. Doch der erbärmliche Auftritt der Hertha beim 1:2 gegen Kaiserslautern lässt kaum noch Hoffnung auf den Klassenerhalt zu.

23.04.2012 21:55
Von Michael Jahn
Spielerischer Offenbarungseid: Die Hertha-Mannschaft (hier Patrick Ebert) wusste sich gegen Schlusslicht Kaiserslautern nicht zu helfen. Foto: dapd

Am Sonntagmorgen blieb der Schlagbaum am Eingang zum Trainingsgelände von Hertha BSC für Fans und Medienvertreter geschlossen. Zutritt verboten! Diese Maßnahme zelebriert der Bundesligist seit Wochen am Tag nach seinen Spielen. Auch nach der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern und einem erbärmlichen Auftritt der Mannschaft von Cheftrainer Otto Rehhagel verschanzte sich der Fast-Absteiger, als die Profis im Olympiapark ausliefen.

Sie hatten zuvor im „wichtigsten Spiel der Saison“, so Rehhagel noch vor Anpfiff, total versagt und auch den größten Optimisten den Glauben an den Klassenerhalt genommen.

Ein Trainingslager soll Hertha helfen

Wenigstens zwei Meldungen schickte die Presseabteilung im Abstand von zwei Stunden aus der Wagenburg hinaus in die Fußballwelt. Zuerst wurden die Blessuren aufgezählt, die Berliner Profis in einem Spiel erlitten hatten, in dem sie die Vokabel „Abstiegskampf“ aus dem Wortschatz gestrichen hatten. Trotzdem: Peter Niemeyer, den man neben Keeper Thomas Kraft und Stürmer Pierre-Michel Lasogga allerdings vom Vorwurf des Nicht-Kämpfens ausschließen muss, ging mit einer Knöchelprellung samt Gelb-Roter Karte vom Rasen.

Christian Lell, bei dem wieder einmal Anspruch und Leistung weit auseinanderklafften, meldete einen grippalen Infekt und der eingewechselte Brasilianer Ronny (ein Schussversuch) prellte sich auch seinen Köchel.

Später vermeldete Hertha dann doch noch eine Maßnahme, die man eigentlich schon zu einem viel früheren Zeitpunkt der Saison erwartet hatte: Das Team bezieht ab Mittwoch ein externes Trainingslager an einem geheimen Ort, ehe es am Sonnabend zum Duell beim alten Rivalen Schalke 04 geht, wo die Mannschaft bei einer Niederlage und einem gleichzeitigen Sieg des 1. FC Köln in Freiburg absteigen könnte.

Für viele Hertha-Anhänger, die seit Jahrzehnten eine innige Feindschaft zu Schalke pflegen, ist das ein beinahe unerträglicher Gedanke.

Müde, ideenlose Mannschaft

Das Gros des Anhangs – immerhin waren mehr als 51.000 Zuschauer erschienen – flüchtete nach dem Spiel aus dem Stadion, desillusioniert, frustriert und nicht einmal mehr willig, seinen Zorn auszudrücken. Eine Szene nach 38 Minuten war typisch für dieses Trauerspiel aus Berliner Sicht und konnte für die gesamte Rückrunde der müden und ideenlosen Mannschaft stehen.

Adrián Ramos, der seit Wochen vielleicht zehn Prozent seines Leistungsvermögens erreicht, ließ sich am Mittelkreis den Ball von Pierre de Wit locker abnehmen, leistete Widerstand wie eine Gummipuppe, sackte auf die Knie und schaute staunend zu, wie nach seinem Fehler das 2:0 für den Absteiger Kaiserslautern entstand.

Manager Michael Preetz wetterte später: „Wir haben nichts von dem gebracht, was eine Mannschaft braucht, um den Abstiegskampf erfolgreich zu bestreiten. Alles, was wir uns vorgenommen hatten, ist in der Kabine geblieben.“

Nur mit Aberglaube konnte diese Mannschaft, die mehr und mehr in ihre Einzelteile zerfällt, auch Absteiger Kaiserslautern, der zuvor 21 sieglose Spiele absolvierte, nicht beikommen: Hertha hatte die weißen Trikots übergestreift, in denen man Kaiserslautern noch im Dezember im DFB-Pokal 3:1 bezwungen hatte. Hertha hatte im Stadion die Ersatzbank gewechselt. Statt rechts von der Haupttribüne hockten Rehhagel und Co. dieses Mal links auf der Bank der Gäste. Geholfen hat das nichts.

Den Hertha-Profis fehlen mentale Qualitäten

Wieder einmal hat Hertha BSC bewiesen, nervlich in entscheidenden Duellen nicht bestehen zu können. Die Mannschaft, die seit Wochen in einer Wagenburg lebt, die angeblich Rehhagel so gefordert hat, ist längst untauglich für die harte Realität und den ungeheuren Drucksituationen nicht gewachsen. Viele Profis im Berliner Aufgebot besitzen große fußballerische Fähigkeiten, aber ihnen fehlen mentale Qualitäten und damit in entscheidenden Situationen die Konkurrenzfähigkeit.

Auch Rehhagel war es nicht gelungen, einen psychologischen Umschwung im Team hinzubekommen, das seit dem Spätherbst vorigen Jahres kaum noch Erfolgserlebnisse hatte.

Selbst Michael Preetz, bislang noch nach jeder Niederlage kämpferisch, gestand: „So wie wir heute gespielt haben, haben wir keine Chance. So holen wir keinen Punkt mehr.“ Und Otto Rehhagel? Der hatte nur eine uralte Plattitüde parat: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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