Lade Inhalte...

Hannover 96 vor dem Bundesligastart Via Satellit zu neuen Taten

Nach der unerwartet guten vergangenen Saison blickt Hannover 96 mit Zuversicht und dennoch bescheiden der kommenden Runde entgegen.

01.08.2011 15:39
Hat alles im Blick: 96-Trainer Mirko Slomka. Foto: dapd

Mirko Slomka bevorzugt in jedem Training das räumliche Zentrum des Geschehens. Und das stellt im Fußball nun einmal der Mittelkreis dar. Pudelwohl fühlt sich der Fußballlehrer, der eine Trillerpfeife um den Hals baumeln hat, in diesem Refugium, das in Trainingsspielchen auf der Mehrkampfanlage von Hannover 96 stets sein Zuhause ist.

Von hier aus weist und zeigt er an, erklärt und erläutert, schreit – und pfeift. „Ich habe mich dazu entschieden, zentral auf dem Platz zu stehen“, erklärt der 43-Jährige, „weil ich da direkten Zugriff auf die Spieler habe. Und ich bin dabei auch Schiedsrichter.“

Der früher als Spieler, Nachwuchs- und Assistenztrainer bei dem niedersächsischen Traditionsklub tätige Slomka verströmt dieser Tage eine positive Energie, die auf seine Spieler abfärbt. Wer vergangene Woche gesehen hat, wie fokussiert die 96-Profis geübt haben, den verwundert wenig, wie konzentriert die Kicker die Pokalhürde gegen Anker Wismar (6:0) nahmen.

Der Spieler als gläserner Akteur

Dem in Lübeck ausgetragenen ersten Pflichtspiel sah der just aus dem Urlaub zurückgekehrte Klubchef Martin Kind entspannt wie selten zu . In der Vergangenheit hatte sein Herzensverein den Wettbewerb stets dazu auserkoren, sich bis auf die Knochen zu blamieren.

Doch während derartige Sinnkrisen gerade in Wolfsburg und Bremen durchlebt werden, hat sich in Hannover vieles verbessert, und von den vielen Details des Aufschwungs erzählt der im Januar 2010 installierte Cheftrainer gerne. Der neueste Schrei ist ein Satellitensystem, das die Spieler auch im Trainingsbetrieb zu gläsernen Akteuren macht.

„Dafür hat jeder Spieler einen Sender in einer Weste unterhalb des Nackens, damit werden alle Bewegungen und Positionsveränderungen erfasst“, erzählt Slomka. „Ich weiß eine halbe Stunde nach dem Training, welche Strecken und in welcher Intensität jeder zurückgelegt hat.“

Manche Ergebnisse kommen für Slomka überraschend. „Selbst ein Freundschaftsspiel gegen einen unterklassigen Gegner ist von den Laufstrecken dem eines Bundesligaspiels ähnlich.“ Der Fußballlehrer giert nach den Möglichkeiten der Moderne; manchmal wirkt er wie ein tüftelnder Stratege, der voller Wonne versucht, die nächste listige Lösung zu kreieren.

Überfallartige Angriffe nach festen Mustern

Noch immer lässt Slomka in den Einheiten auf eng abgesteckten Feldern vorzugsweise überfallartige Angriffe nach festen Mustern proben, bei denen binnen acht Sekunden der Abschluss erfolgen muss. Eine Methodik, mit der sein funktionierendes Kollektiv überragenden Erfolg hatte.

Doch er weiß auch, dass diese Systematik nicht mehr die allein selig machende sein kann, daher verlangt er künftig, „auch aus dem Ballbesitz mehr Chancen zu erspielen.“

Obwohl der (sinnvoll ergänzte) Kader komplett zusammen geblieben ist und vermutlich zum Startspiel gegen Hoffenheim fast die identische Vorjahresformation auflaufen wird, spürt Slomka, dass sich über den Sommer vieles verändert hat. Vor allem die Erwartungshaltung. Der Trainer und sein mittlerweile auf einer vernünftigen Arbeitsebene kooperierender Sportdirektor Jörg Schmadtke haben deshalb einen Platz unter den ersten Zehn als Zielsetzung benannt.

Aber ist das nicht ein bisschen wenig für einen Vorjahresvierten? „Wir können doch nicht hinausposaunen, wir wollen wieder unter die Top five. Dafür geht es einfach zu viele wirtschaftlich deutlich stärkere Klubs“, insistiert Slomka.

Gesundes Mittelmaß

Der Finanzrahmen an der Leine – Umsatz rund 53 Millionen Euro, Personalkostenetat 27 Millionen – stellt gesundes Mittelmaß dar. Nicht mehr und nicht weniger.

Und schließlich gibt noch eine Zusatzaufgabe, von der niemand genau weiß, wie tückisch die wirklich wird. Sollte Hannover 96 im August die Playoff-Partien zur Europa League bestehen, kommt eine ganz neue Mission auf die Mannschaft zu. Slomka sieht das „eher als Bereicherung denn als Belastung“ an.

In der Vorbereitung ließ er sein Team bereits gegen Sturm Graz, Banik Ostrau, Hapoel Tel Aviv, FC Sunderland oder Olympique Lyon testen. „Das war natürlich nicht ganz Zufall“, wie Slomka sagt, der natürlich weiß, dass der letzte Auftritt auf internationaler Bühne 19 Jahre zurück liegt. Hannover 96 war 1992 Pokalsieger geworden, doch dummerweise wurde dann im Europapokal der Pokalsieger zur ersten Runde der Cupverteidiger Werder Bremen zugelost. Slomka erinnert sich mit Grausen. „Das war ein trauriges Bild, und dann hatte sich Europa auch noch schnell erledigt.“

Zeit, dass sich was dreht. Und jemand am Anstoßpunkt steht, um ein richtiges Europapokalspiel anzupfeifen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum