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Handball HSV Hamburg „Rundgelutscht will ich nicht sein“

Frank Rost über seinen Wandel vom Fußball-Torwart zum Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HSV Hamburg.

31.07.2013 08:18
Wollte für frischen Wind im Handball sorgen: Frank Rost. Foto: imago sportfotodienst

Am 1. Juli wechselte Frank Rost die Seiten. Der ehemalige Fußballprofi von Werder Bremen, Schalke 04 und dem Hamburger SV ist neuer Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HSV Hamburg. Für den 40 Jahre alten Ex-Nationaltorwart, der seine Karriere im Februar 2012 bei den New York Red Bulls in der nordamerikanischen MLS beendete und zwischenzeitlich die Frauen des Hamburger SV trainierte, ist der Wechsel zu den Handarbeitern auch eine Rückkehr zu seinen familiären Wurzeln: Vater Peter und Mutter Christina waren in der DDR erfolgreiche Handball-Nationalspieler.

Herr Rost, am Wochenende rollt im DFB-Pokal wieder der Fußball. Kribbelt es noch bei Ihnen?

Diese Zeit liegt hinter mir. Ich habe vor anderthalb Jahren meine Karriere beendet und mittlerweile den nötigen Abstand zum Profifußball. Ich hatte endlich mal Zeit, mich um andere Sachen zu kümmern und mir um grundsätzliche Dinge Gedanken zu machen: Was willst du, was nicht? Was passt zu Dir, was nicht? Jetzt bin ich topmotiviert für meinen neuen Job beim HSV Handball.

Und Ihre Eltern sind glücklich. Endlich ist der Junge bei den Handballern gelandet ...

... die finden das natürlich ziemlich cool. Aber gerade mein Vater weiß natürlich, wie schwer das ist im Handball. Er hat ja selbst jahrelang noch mitgemacht in der Bundesliga. Ich liebe den Handball, bin aber ja noch ein Außenstehender. Und das ist auch gut so.

Was sehen Sie, wenn Sie als Außenstehender auf den Handball schauen?

Der Handball hat sich durch die vielen Negativschlagzeilen der letzten Wochen viel kaputt gemacht. Meistens handelt es sich dabei ja nur um persönliche Eitelkeiten einzelner Personen. Es muss wieder mehr um den Handball gehen. Es ist auch unwichtig, ob es dabei um den HSV oder die Rhein-Neckar-Löwen geht. Es geht einzig und allein um den Handball und um dessen Stellenwert in unserer Gesellschaft.

Wo steht der Handball in Deutschland?

Wir haben doch alle Kinder. Unser Torwart Jogi Bitter beispielsweise hat drei Söhne. Wenn von denen mal einer Handball spielen möchte, ist der Handball vielleicht nicht mehr die Marke. Das wäre ultraschade. Sich nur auszuruhen auf dem Titel „Stärkste Liga der Welt“ wird auf Dauer schwierig. Das gilt auch für den HSV Hamburg, würden wir uns auf den Champions-League-Titel ausruhen. Dann hätten wir schon verloren. Ich habe halt eine andere Sichtweise, als andere, die schon seit Jahren im Handball arbeiten.

Sie galten schon als aktiver Fußballprofi als streitbarer Geist und haben nie ein Blatt vor den Mund genommen. Ist das Ihre besondere Qualifikation, die Sie für Ihre neue Aufgabe mitbringen?

Für mich ist es natürlich der erste große Schritt ins Management. Das ist sicherlich kein Hexenwerk. Und doch wissen wir alle, dass es schwer wird. Denn trotz unserer großen Erfolge ist und bleibt es ein finanzieller Drahtseilakt. Und das nicht nur für den HSV Hamburg, sondern für viele andere Vereine auch. Sonst hätte die Handball-Bundesliga nicht so ein Negativ-Eigenkapital.

In der Handball-Bundesliga spielen halt die besten Handballer der Welt. Die kosten sehr viel Geld ...

... so ist es. Letzten Endes leben wir aber vom medialen Interesse. Der Handball muss wieder präsenter werden. Es ist ein Irrglaube, zu denken, nur weil wir mal was gewonnen haben, strömen jetzt die Zuschauer in die Halle. Das war auch schon 2007 ein gedanklicher Fehler, als wir Weltmeister geworden sind. Da glaubten alle, jetzt rennen uns die Fans die Bude ein. Falsch. Man muss hingehen, muss sie abholen und fragen, was können wir gemeinsam tun, um den Handball wieder populärer zu machen.

Und? Was muss passieren?

Viele Handballklubs werden immer noch von Mäzenen geführt. Das ist gar nicht böse gemeint, aber wirkliche Strukturen entstehen so nicht. Das ist ein Istzustand, der nicht wegzudiskutieren ist. Wir brauchen neue Richtlinien. Wenn ich den Fernseher anschalte, muss ich sehen, da läuft Handball-Bundesliga. Das hat uns die Champions League mit einheitlichen Spielfeldern und einheitlichen Werbebanden schon voraus. Wenn ich Eurosport einschalte, sehe ich gleich, das ist Champions League. Genau so muss das auch in der Handball-Bundesliga sein. Es muss ein Umdenken geben. Aber es gibt immer noch Vereine, die fragen, warum müssen wir das? Wir wollen das Produkt Handball nach vorne bringen und das gelingt nur, wenn du einen Wiedererkennungswert hast. Wenn jeder nur so ein bisschen für sich selbst herumwurschteln, wird das nichts.

Das ist auch ein finanzielles Problem – gerade für kleinere Klubs.

Ich darf nicht nur in Spieler, ich muss auch in die Infrastruktur investieren. Da wird es sicherlich Härtefälle geben. Aber lassen Sie uns mal über die Grenzen schauen: Für mich sind das Ende von Atletico Madrid oder AG Kopenhagen mahnende Beispiele. Auch wenn es nicht die Bundesliga betrifft, ist es für den Handball total schade. Es sind einige große Vereine von der Landkarte verschwunden. Ich will hier jetzt nichts schwarzmalen, aber es kann für uns nur darum gehen, den Handball in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Das hört sich an, als wären Sie beim HSV Hamburg hauptsächlich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ist dem so?

Nein, ich bin Geschäftsführer – ich musste hart um diese Position kämpfen. Aber das ist ja immer so, wenn ein Neuer kommt.

Klingt, als hätte schon mal jemand gefragt, was will eigentlich der Fußballer bei uns?

Damit kann ich sehr gut umgehen. Ich muss ja nicht von jedem gemocht werden. Ist zwar super angenehm, wenn alle sagen würden, super, toll. Aber everybody's Darling zu sein, ist auch schwierig. Die sind meistens etwas rundgelutscht. Das will ich gar nicht sein.

Wohin geht die Reise für den HSV Hamburg in der kommenden Saison?

Wir haben in Hamburg einen hohen Anspruch. Du kannst als Champions-League-Sieger nicht sagen, du spielst in der Bundesliga jetzt um Platz fünf. Das akzeptiert niemand in Hamburg. Wir haben die Möglichkeit, um die ganz großen Titel mitzuspielen. Ob wir die dann auch gewinnen, ist aber wieder eine andere Frage. Wenn ich das Trikot des HSV Hamburg überziehe, muss ich den Anspruch haben, jeden Titel gewinnen zu wollen. Das ist im Fußball beim FC Bayern München auch nicht anders.

Interview: Jörg Hanau

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