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WM in Russland Die Geldmeisterschaft

Es geht um viel bei der WM, vor allem um Geld. Wirtschaftsstarke Länder haben aber nicht per se die besten Chancen auf den Titel.

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Je reicher, desto erfolgreicher - diese Rechnung geht im globalen Fußball nicht auf. Foto: Getty Images

Banken beschäftigen Statistiker, Aktienanalysten, Ökonomen, Mathematiker, deren Job es ist, die Zukunft vorauszusagen. Denn wer weiß, wohin die Preise für Aktien, Anleihen und Rohstoffe gehen, der wird reich. Banker sind aber nicht nur an der Wirtschaft interessiert. Auch an Fußball. Einige von ihnen haben daher ihren statistischen Apparat mit Daten gefüttert, um die heiße Frage zu beantworten: Wer gewinnt die WM 2018? Die Antwort ist eindeutig: Deutschland. Oder Brasilien. Oder Spanien. Oder doch Argentinien?

Unerfahrene Betrachter könnten davon ausgehen, dass die Bevölkerungszahl bei der Frage nach dem Fußballerfolg eine entscheidende Rolle spielt. Denn je mehr Menschen in einem Land leben, umso größer der Pool, aus dem der Coach auswählen kann. Doch geht diese Rechnung nicht auf, vielen ärmeren Ländern fehlt schlicht die Infrastruktur, um Talente zu erkennen und zu fördern. Der Zusammenhang zwischen Bevölkerung und Position eines Teams auf der Weltrangliste ist „praktisch null“, so Peter Dixon von der Commerzbank. Dies gelte selbst, wenn man bevölkerungsreiche aber wenig erfolgreiche Nationen wie China oder die USA ausklammere.

Nicht die Menschen, sondern das Geld regiert die Welt. Allerdings geht die Rechnung „Je reicher, desto erfolgreicher“ im globalen Fußball nicht so ohne weiteres auf. Zwar haben die europäischen Gewinner ein hohes Pro-Kopf-Einkommen. Allerdings ist zum Beispiel der Durchschnittsbelgier fünf Mal reicher als der Einwohner des Fußball-Giganten Brasiliens. Und wäre die Wirtschaftsleistung des gesamten Landes ausschlaggebend, so bliebe rätselhaft, warum Argentinien (Bruttoinlandsprodukt 545 Milliarden Dollar) in der Fußball-Rangliste vor Frankreich (2500 Milliarden Euro) rangiert.

Die Wirtschaftskraft eines Landes ist also nur ein sehr ungefährer Hinweis auf den Erfolg auf dem Rasen. Dennoch gilt: „Je tiefer die Taschen, desto höher die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen“, so Dixon. „So viel zur Romantik des Sports.“ Eine wichtige Determinante ist der durchschnittliche Marktwert pro Spieler, gemessen an den letzten Transaktionsbeträgen. Franzosen, Spanier und Brasilien sind mit über 40 Millionen Euro am teuersten, Deutsche und Engländer liegen etwas unter 40 Millionen. Ein französischer Spieler ist mehr wert als das gesamte Team des Iran oder Costa Ricas. Und für den Preis eines deutschen Nationalteam-Kickers könnte man die ganze peruanische Mannschaft kaufen.

Untersuchungen legen allerdings nahe, dass vorrangig nicht die Transfersummen, sondern das für die Löhne der Spieler ausgegebene Geld erfolgsentscheidend sind. Die Commerzbank stellt die Lohnkosten in den Ligen Deutschlands, Englands, Spaniens und Italiens ins Verhältnis zu den Tabellenplätzen der Vereine in der Saison 2017/18 und zieht das Fazit: Wer am meisten ausgibt, steht tendenziell auf dem höchsten Tabellenplatz. Allerdings nur tendenziell – so schneiden in der Bundesliga Hoffenheim und Schalke wesentlich besser ab, als ihre Lohnkosten vermuten lassen. Umgekehrt zahlt Wolfsburg gut, landet in der Tabelle aber weit hinten.

Deutscher Sieg zu 18 Prozent

In Italien liegt Neapel und in England Tottenham sehr weit vorne, obwohl sie weniger bezahlen als die Spitzenreiter, die sich allerdings weit absetzen. So zahlen die Bayern 90 Prozent mehr als der nächstplatzierte Dortmund, Juventus Turin zahlt die Hälfte mehr als der AC Mailand und mehr als doppelt so viel wie der SSC Neapel. Das zeigt: Mit sehr viel Geld lässt sich Erfolg fast sicher kaufen. „Es gibt eine Parallele zwischen den Trends im europäischen Fußball und in der Gesellschaft“, erklärt Commerzbanker Dixon, „denn die Reichen werden immer reicher, während die weniger Wohlhabenden abgehängt werden.“

Um den Gewinner der kommenden WM zu ermitteln, reichen wirtschaftliche Berechnungen allerdings nicht aus. Die Ökonomen müssen sich daher eher klassischen Daten zuwenden: der Platz eines Nationalteams in der Weltrangliste, das Abschneiden in der Qualifikation und in vergangenen Turnieren, die voraussichtlichen Gegner in den nächsten Wochen sowie vor allem das so genannte das ELO-Rating, das Teams gemäß Spielerfolgen und Toren bewertet.

Nach Berechnungen der Union Bank of Switzerland (UBS) haben Deutschland, Brasilien und Spanien die besten Aussichten auf den Titel. Das deckt sich mit den Berechnungen der Commerzbank, die Deutschland eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 18 Prozent zubilligt – was eine immerhin 82-prozentige Chance bedeutet, dass Deutschland nicht gewinnt. „Die Chancen stehen also nicht sonderlich gut“, so die Commerzbank, die Brasilien knapp 13 und Spanien knapp zehn Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit zubilligt.

Laut den UBS-Simulationen haben daneben England, Frankreich, Belgien und Argentinien noch eine realistische Chance, auch die Belgier haben die Schweizer Banker noch nicht ganz aufgegeben. Italien sei bei dieser WM zwar nicht dabei – hätte aber in der aktuellen Form auch nicht gewonnen. Selbst wenn Italien die Gruppenphase überstanden hätte, wäre das Team wohl auf Brasilien gestoßen. „Und das wäre dann das Ende gewesen.“

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