Lade Inhalte...

WM-Aus Millionenschwere Pleite für Bierbrauer

Die WM sollte auch für deutsche Einzelhändler ein Gewinn sein, nach dem Aus der DFB-Elf fällt die Bilanz nüchtern aus.

FILE PHOTO: A pint of beer is poured into a glass in a bar in London
Das Glas ist voll, aber die Emotionalität ist raus. Foto: rtr

Softdrinks in schwarz-rot-gold, Chips mit Bratwurst-Senf-Geschmack, Kugelgrills in Fußball-Optik: Die Einzelhändler in Deutschland waren gut vorbereitet in den WM-Sommer gestartet. Das Turnier sollte den Umsatz mächtig steigern. Nach dem frühen WM-Aus der deutschen Mannschaft erwarten Handel und Werbewirtschaft trotzdem nur minimale Effekte – wenn überhaupt.

„Eine Fußball-WM sorgt für zusätzliche Umsatzimpulse für die Einzelhändler“, sagte der Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Hertel, am Donnerstag der FR. Das Zusatzgeschäft der Händler während des Turniers werde jedoch von zwei Faktoren bestimmt: dem Wetter und dem Weiterkommen der eigenen Elf. Natürlich sei die Stimmung besser, je weiter die eigene Mannschaft komme, dann würde auch mehr für Public Viewings gekauft. „Aber man darf die Umsatzeffekte durch eine WM nicht überschätzen“, so Hertel.

Der HDE hatte vor Beginn der Weltmeisterschaft 300 Unternehmen nach speziellen Artikeln zur WM befragt. Gut ein Drittel der Händler gab demnach an, gesonderte Produkte im Sortiment zu haben. Besonders häufig war das in der Lebensmittelbranche der Fall – so auch beim zweitgrößten Lebensmittelhändler Deutschlands, dem Rewe-Konzern.

Das Unternehmen wirbt während der WM mit dem Slogan „Bist du ein Fan, sind wir dein Markt“ und lockt die Kunden mit Produktspecials und einer Sammelkartenaktion. Doch auch hier erwartet man nach dem Aus für die deutsche Elf keine besonders negativen Folgen. „Das Ausscheiden der DFB-Mannschaft hat keine gravierenden Änderungen zur Folge, da die festen Planungen bis Ende der Vorrunde gingen“, sagte der Sprecher des Unternehmens, Thomas Bonrath, am Donnerstag auf FR-Anfrage. So ende etwa die Sammelkartenaktion diese Woche.

Andere, für die komplette WM-Zeit konzipierte Marketingaktivitäten laufen nach Angaben Bonraths wie geplant weiter. „Und auch die WM-Fan-Artikel sind so frühzeitig angeboten, beworben und kalkuliert worden, dass die geringen Restmengen nun größtenteils preisreduziert werden“, so der Unternehmenssprecher.

Rewe-Chef Lionel Souque hatte vor Beginn des Turniers gesagt, er rechne durch die WM mit einem zusätzlichen Umsatzschub für das Unternehmen. Wenn alles gut laufe für die deutsche Mannschaft, sei ein zusätzlicher Umsatz von mindestens zwei Prozent möglich. Wie sich nun das Ausscheiden der deutschen Mannschaft auf die WM-Umsätze auswirke, sei heute noch nicht präzise vorherzusagen, sagte Rewe-Sprecher Bonrath. Mit der bisherigen Entwicklung, zu der auch das gute Wetter beigetragen habe, sei man sehr zufrieden.

Auch die Experten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) glauben, dass das Aus der DFB-Elf die Kauflaune der Deutschen nicht spürbar dämpfen werde. „Leider oder glücklicherweise haben wir keine Erfahrungswerte mit einem so frühen Ausscheiden bei einer WM“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl am Donnerstag.“ Ich gehe aber nicht davon aus, dass dies nachhaltig auf die Verbraucherstimmung durchschlägt.“ Die ist nach dem am Donnerstag veröffentlichten Konsumklima-Index nach wie vor gut. Demnach liegt das vor allem am stabilen Arbeitsmarkt.

Spurlos geht das Ausscheiden der Nationalmannschaft an der deutschen Wirtschaft allerdings nicht vorbei. Besonders die Bierbranche rechnet damit, dass ihr 40 Millionen Euro an möglichem Mehrumsatz durch die Lappen gehen. Bei einem Weiterkommen des deutschen Teams hätte es in der zweiten WM-Hälfte erfahrungsgemäß ein zusätzliches Absatzpotenzial von etwa 400 000 Hektoliter für die hiesige Braubranche gegeben. Das entspreche einem Umsatzpotenzial von etwa 40 Millionen Euro, das nun für die Braubranche verloren gegangen sei, sagte der Sprecher der Privatbrauerei Veltins, Ulrich Biene, am Donnerstag.

Rudelgucken ist passé

„Das Rudelgucken wird mangels weiterer Spiele der deutschen Nationalmannschaft von den Fans ersatzlos gestrichen“, so Biene. „Die Emotionalität ist raus.“ Damit falle der „Abverkaufs-Turbo“ für Bier durch die Fußball-WM aus. Im Mai hatte die Braubranche auch durch Effekte im Vorfeld der WM noch hohe Bierabsätze erzielt.

Enttäuscht auch in der Werbewirtschaft. Mit den Gesichtern der Spieler oder von Bundestrainer Jogi Löw werben etwa Daimler, der Bauzulieferer Schüco oder Chipsproduzent Lay’s. Und daran lässt sich so schnell nichts ändern. „Die TV-Spots sind gebucht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), Manfred Parteina, der FR. 

„Die Unternehmen reagieren zum Teil mit inhaltlichen Änderungen, das heißt der geplante WM-Spot wird gegen einen anderen ohne WM-Bezug ausgetauscht“, so Parteina. Dennoch sei klar, dass die im WM-Umfeld platzierte Werbung ohne die deutsche Mannschaft eine andere Aufmerksamkeit erfahren werde. 

Die deutsche Werbewirtschaft gibt sich optimistisch: „Das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannshaft bedeutet werblich zwar eine kleine Delle, die aber keine nachhaltige Wirkung entfalten wird“, sagte der ZAW-Hauptgeschäftsführer.  (mit rtr, dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen