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WM Uruguay Suarez Hai im Blutrausch

Luis Suárez sorgt für einen mächtigen Eklat und beißt Chiellini in die Schulter. Uruguay siegt und sichert sich das Ticket fürs Achtelfinale. Itlaien dagegen muss die Koffer packen.

Hat mal wieder zugebissen: Luis Suarez. (r.) Foto: AFP

Zwei Minuten, ehe Diego Godin Uruguay ins WM-Achtelfinale geköpft und den Vorrunden-K.o. des viermaligen Champions Italien besiegelt hatte, war es zu einem schier unglaublichen, geradezu bizarren Vorfall gekommen. Luis Suárez, der Stürmer der Südamerikaner, schlug seine Zähne mit voller Absicht und voller Wucht in die Schulter seines Gegenspielers Giorgio Chiellini. Es war eine absurde Situation, grotesk, auch widerwärtig, völlig befremdlich. Man muss sich das einmal vorstellen: Suárez, ein erwachsener Mann von 26 Jahren, beißt einem anderen Mann mitten im Spiel vor zig Millionen Zuschauern in die Schulter.

Chiellini riss das Trikot herunter, lief zum Schiedsrichter Marco Rodriguez (Mexiko), zeigte seine Bisswunde. Man sieht tatsächlich fünf Abdrücke von Zähnen. Suárez, und das ist der Gipfel der Heuchelei, ließ sich ebenfalls zu Boden sinken, hielt sich den Kopf, fasste sich unschuldig an die Zähne. Klar, so ein Biss tut schon weh. „Er hat mich gebissen, das ist klar. Ich habe immer noch den Abdruck des Bisses“, sagte Chiellini im italienischen Fernsehen RAI: „Der Schiedsrichter hätte pfeifen und ihm die Rote Karte zeigen müssen, zumal er auch noch simuliert hat“, sagte der Abwehrspieler von Juventus Turin. Der Schiedsrichter ließ weiterspielen, er hatte die Situation nicht gesehen.

Suárez droht Sperre

Dieses skandalöse, nicht zu tolerierende Verhalten von Luis Suárez muss Folgen haben. Die Fifa wird eingreifen, wird ihn sperren müssen. Sie wartet erst einmal den Bericht des Schiedsrichters ab. Aber ein solcher Spieler muss aus dem Verkehr gezogen werden. Zudem ist Suarez nun wahrlich kein Unschuldslamm. Denn es ist ja nicht das erste Mal, dass der Angreifer im Spiel zugebissen hat. 2010, da spielte er noch bei Ajax Amsterdam, biss er Otman Bakkal ebenfalls in die Schulter, 2013 den Chelsea-Spieler Branislav Ivanovic in den Arm – einfach so. Er wurde dafür lange gesperrt. Deswegen trägt Suarez branchenintern auch den Spitznamen „Kannibale“.

Offensichtlich ist aber, dass dieser Mann ein gewaltiges Problem hat, ja er ist gemeingefährlich. Wie ein Hai im Blutrausch stürzt er sich im Strafraum auf Gegenspieler und schlägt seine Zähne in deren Fleisch. Beeindruckend das Verhalten der Italiener, die relativ gefasst weiterspielten. Selbst nach dem 0:1 durch den Kopfball von Godin (80.) hatten sie sich unter Kontrolle. Trainer Cesare Prandelli nannte die erneute Beißattacke „eine Schande“. Er übernahm aber die Verantwortung für Italiens Aus und kündigte seinen Rücktritt als Nationaltrainer an.

Es war ein schmutziger Sieg der Südamerikaner, die eine Stunde lang so gut wie gar nicht mitspielten und erst nach einer kapitalen Fehlentscheidung von Schiedsrichter Rodriguez überhaupt ins Spiel fanden. Der Platzverweis für Claudio Marchisio wegen Foulspiels gegen Egidi Arevalo (59.) war eine viel zu harte Entscheidung. „Es ist absurd, so eine Partie zu zehnt zu beenden. Es gab keine bösartigen Fouls. Man kann ein Spiel nicht so beeinflussen, der Schiedsrichter hat die Partie ruiniert“, erklärte Prandelli.In Überzahl und bei schwülwarmen Temperaturen war das der entscheidende Vorteil für Uruguay. Zudem hatten die Italiener, wie schon im Spiel gegen Costa Rica, in der letzten halben Stunde kaum mehr etwas zuzusetzen. Körperlich waren sie am Ende. Das sah man deutlich.

Trotz der hohen Temperaturen um 28 Grad machte die Squadra Azzurra einen frischeren Eindruck als zuletzt und verfügte in Andrea Pirlo über einen exzellenten Ballverteiler. Der 35-Jährige holte sich die Bälle oft weit hinten, um das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln, doch zwingende Chancen blieben in einer von vielen erbitterten Zweikämpfen geprägten Partie trotz leichter Feldvorteile aus.

Nach viel Ballgeschiebe im Mittelfeld war der ungerechtfertigte Platzverweis das Zünglein an der Waage. In Überzahl gaben die Urus ihre Zurückhaltung auf und drängten in der Schlussphase mit Macht auf das Siegtor. Godin schaffte schließlich ein uruguayisches Happyend.

Doch dieses letzte Gruppenspiel wird ein Nachspiel haben. Einen miesen Beigeschmack hat es allemal. Und den wird es so schnell auch nicht los. (kil/dpa)

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