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Nationalmannschaft Ständige Alarmbereitschaft

Ein auffällig entspannter Bundestrainer Joachim Löw vergibt Positionen nicht nur für die Startelf, sondern von eins bis 14.

13.06.2014 06:46
Jan Christian Müller
Überraschung: Joachim Löw hat noch Stürmer gefunden. Foto: dpa

Zur Arbeitsplatzbeschreibung einer Führungskraft zählt auch, gerade dann, wenn es um die Wurst geht, selbstbewusst und entschieden voran zu gehen. Montag um 18 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, 13 Uhr in Salvador, gegen Portugal ist es für die deutsche Nationalmannschaft so weit. Joachim Löw, der Chef der Entourage, die sich am Samstagabend um 21 Uhr auf den einstündigen Flug entlang der brasilianischen Atlantikküste begeben wird, ist lange schon nicht mehr so gut gelaunt, so scheinbar unbeschwert und auskunftsfreudig angetroffen worden wie Donnerstag.

Beim internationalen Publikum, das sich im mühevoll heruntertemperierten Medienzelt eingefunden hatte, hat das einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen. Keine Spur davon war zu erkennen, dass der Bundestrainer hinter den Kulissen erst hatte überzeugt werden müssen, diesen Termin besser persönlich wahrzunehmen und nicht erst dann vor der Weltpresse aufzutauchen, wenn es die Fifa-Richtlinien für Sonntagmittag ultimativ vorschreiben.

Seit diesem bemerkenswerten Auftritt sind zudem einige Personalien geklärt. Es kann allenfalls eine einzige noch fragwürdige Position im deutschen Spiel geben, geht man davon aus, dass Manuel Neuer nicht noch wieder einen Rückschlag erleidet. Mutmaßlich wird das DFB-Team den besonders wegen ihrer Konterstärke gefürchteten Portugiesen mit dieser Startformation zunächst so begegnen: Neuer – Boateng, Mertesacker, Hummels, Höwedes – Kroos, Lahm, Khedira – Müller, Özil, Schürrle oder Podolski.

Gespräch mit Boateng

Jerome Boateng hat bereits bestätigt, dass der Bundestrainer ihm schon vor dem Testspiel vor zwölf Tagen gegen Kamerun eröffnet hätte, dass er bei der WM mit dem Münchner als rechter Verteidiger plant. Löw sagte gestern, er sei „ziemlich sicher“, dass Philipp Lahm das zentrale Mittelfeld besetze, wobei man das „ziemlich“ getrost vergessen kann. Der Bundestrainer ließ zudem durchblicken, dass er tatsächlich mit vier kräftigen Kerlen in der Viererkette plant, demnach wird links der erfahrenere Schalker Benedikt Höwedes und nicht der junge Dortmunder Erik Durm verteidigen.

Zudem lobte der Chefcoach Mesut Özil als „wichtigen Spieler, der Entscheidendes für uns tun kann“. Da bekannt ist, dass es sich bei Özil, im Gegensatz zu Mario Götze, um keinen ausgewiesen guten Einwechselspieler handelt, da Löw zudem nie fundamentale Zweifel am Deutsch-Türken zuließ, darf Özil als gesetzt gelten. Götze muss, genau wie Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger, zunächst eine Reservistenrolle annehmen. Das sollte ihm diesmal leichter fallen als noch vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft, als der kleine Rumtreiber seine schlechte Laune noch nicht einmal zu kaschieren versuchte.

Ersatz ist „keine Strafe“

Denn Löw stellte sehr deutlich heraus: „Wir haben keine elf Stammspieler, sondern 23 WM-Teilnehmer, die sich in ständiger Alarmbereitschaft befinden müssen.“ Eingewechselten Spielern komme aufgrund der zu erwartenden Temperaturen ganz besonders die Aufgabe zu, der Mannschaft „neue Energie“ zu geben. Es sei „keine Strafe“, so der 54-Jährige, „wenn man in Minute eins nicht auf dem Platz steht, es ist vielleicht sogar ein Vorteil, später zu kommen, wenn der Gegner müde ist“. Hier in Brasilien „haben wir mehr denn je eine erste 14 und nicht nur eine erste Elf“.

Auch zu seinen persönlichen Befindlichkeiten gab Löw freimütig Auskunft und kam, offenbar um eine kleine Imagekorrektur bemüht, aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus. Er fühle sich „hervorragend, ausgeglichen und fokussiert“. Schon am frühen Morgen war er ohne weitere Begleitung bei Intervallläufen am Strand beobachtet worden – mit Kopfhörern auf beiden Ohren und zwischendurch mit dem Blick aufs Handy, offenbar, um die richtige Belastungssteuerung für seinen ja nicht mehr ganz jungen Körper zu gewährleisten. Morgens beim Sport, berichtete er leichthin, könne er wunderbar entspannen und „denke noch nicht an Cristiano Ronaldo“.

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