Lade Inhalte...

Weltmeister Frankreich Die Könige der Welt

1. UpdateDer ultimative Partyrausch: Nach 1998 gewinnt Frankreich zum zweiten Mal den Weltmeistertitel.

15.07.2018 18:51
Weltmeister
Die französischen Nationalspieler lassen ihren Trainer Didier Deschamps fliegen. Foto: rtr

Mit dem glückseligen Staatschef Emmanuel Macron im Arm schmetterte Paul Pogba ein „Vive la France“ in die Kamera. In der Kabine des neuen Weltmeisters ging die Fete nach der Sintflut-Siegerehrung mit einer Ansprache von Macron erst so richtig los. Im strömenden Regen hatte der klitschnasse französische Präsident zuvor als Partyanführer jeden seiner Fußball-Helden geherzt und noch schnell einen Schmatzer auf den WM-Pokal gedrückt. Vom Glück berauscht, rutschten die neuen Helden der Grande Nation über das goldene Konfetti auf dem durchweichten Rasen im Moskauer Luschniki-Stadion. „Ihr habt ganz Frankreich zum Träumen gebracht“, sagte Macron zu den Fußballern.

Angeführt vom Spieler des Spiels, Antoine Griezmann, hatte Frankreich im torreichsten Finale seit 1966  einen 4:2 (2:1)-Triumph im WM-Endspiel in Russland gegen den Überraschungsfinalisten Kroatien gefeiert und Deutschland auf dem -Thron abgelöst. Mit blau-weiß-roten Fahnen in den Händen ging es für die Franzosen auf die Ehrenrunde. „Ich weiß gar nicht, wo ich bin“, sagte Griezmann und kündigte an, den Goldpokal mit ins Bett nehmen zu wollen. „Das Herz ist glücklich“, fügte er an. Ein Eigentor von Ex-Bundesliga-Star Mario Mandzukic (18.), Griezmann per Handelfmeter (38.), Paul Pogba (59.) und Kylian Mbappé (65.) vor 78 011 Zuschauern im ausverkauften Luschniki-Stadion stürzten die Millionen Fans in der Heimat endgültig in den ultimativen Partyrausch von den Champs-Élysées bis an die Côte d‘Azur.

„Es ist zu schön, es ist wunderbar für die Spieler, eine junge Generation. Wir haben viel Qualität an den Tag gelegt, mental überzeugt und oft genug getroffen“, sagte Trainer Didier Deschamps. Seine Spieler warfen ihn noch auf dem Platz jubelnd in die Höhe, später stürmten die Weltmeister die Pressekonferenz, tanzten auf dem Pult, sangen, grölten und verspritzten Schampus. 

„Es war nicht immer einfach, aber weil sie zugehört haben, haben wir schwere Momente hinter uns gelassen“, betonte Deschamps. Er setzte sich mit dem Titel ein weiteres Denkmal: 1998 hatte er den Pokal als Kapitän entgegen genommen. Der 49-Jährige ist nach Franz Beckenbauer und Mario Zagallo der dritte Fußballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde. „Der Stolz ist da. Ich bin hier um Ziele zu verwirklichen“.

Kroatien konnte seinem Ruf als Comeback-Team nach mehrmaligem Rückstand nicht gerecht werden. Ivan Perisic (28.) erzielte den Ausgleich zum 1:1. Das 2:4 durch Mandzukic (69.) nach einem schweren Patzer von Frankreich-Torwart Hugo Lloris konnte keinen furiosen Schlussspurt mehr auslösen. Der zweite WM-Platz ist dennoch der größte Erfolg der Historie. 

Ein von Griezmann geschickt herausgeholter Freistoß war die erste viel versprechende Offensivaktion der Blauen. Erst in der Superzeitlupe war eindeutig zu sehen, dass der Franzose abhob, bevor Marcelo Brozovic ihn traf. Und Mandzukic wurde zum Pechvogel. Griezmanns Freistoß berührte er mit dem Scheitel, die Flugkurve veränderte sich. Etwas ungläubig nahm der ehemalige Bayern-Stürmer das erste Eigentor in einem WM-Finale zur Kenntnis. In allen K.o.-Spielen waren die Kroaten in Rückstand geraten – und wieder gelang ihnen der Ausgleich. Perisic drehte sich geschickt um N‘Golo Kanté und schoss ein.

Doch die Kontroversen gingen weiter und gipfelten in der ersten Videobeweis-Entscheidung in einem WM-Finale (siehe Artikel rechts). Das Handspiel von Perisic bewertete Referee Nestor Pitana erst nach  Studium der Bilder als strafstoßwürdig – Griezmann traf. 

Kroatien musste wieder seine Aufholqualitäten zeigen. Ging das noch, nach drei K.o.-Partien inklusive Verlängerung? Der Frankfurter Ante Rebic (48.) setzte mit einem wuchtigen Schuss ein erstes Signal. Lloris parierte. Für die Franzosen öffneten sich jetzt Räume – wie gemacht für Mbappé. Der Jungstar entwischte nach 52 Minuten erstmals Domagoj Vida, ließ sich im Strafraum trotz Gezerre nicht fallen, scheiterte aber an Schlussmann Danijel Subasic. Wenige Minuten später machte der Torwart einen Schritt zu viel nach links. So konnte er Pogbas Abnahme nicht mehr parieren. Wieder war es Griezmann gewesen, der das Tor entscheidend initiierte, diesmal per filigraner Jonglage als Ablage für Pogba.

Was hatte Kroatien jetzt noch zu bieten? Einen Zwei-Tore-Rückstand hatten sie bei ihrem WM-Erfolgszug noch nicht. Weltmeister wurde mit so einer Konstellation nur Deutschland 1954. Kurz darauf hatten sich alle rechnerischen Gedankenspiele erledigt. Mbappé durfte unbedrängt aus etwa 18 Metern abziehen. Dann leistete sich Lloris einen Aussetzer. Beim Versuch, den Ball um Mandzukic zu spielen, ließ der Kroate den Fuß stehen - nur noch 2:4. Für den großen Endspurt brachte Kroatien-Trainer Zlatko Dalic den Hoffenheimer Andrej Kramaric für Rebic. Ivan Rakitic (78.) setzte einen Schuss daneben. Die Wende gelang dem Außenseiter aber nicht. Die französische Party konnte beginnen. (dpa/sid/FR)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen