Lade Inhalte...

Ante Rebic Der Himmelhund

Ante Rebic zeigt erneut seine Klasse – das ist Fluch und Segen zugleich.

Ante Rebic
Ante Rebic feiert sein Tor. Foto: rtr

Ante Rebic, der Himmelhund in Stollenschuhen, der seinen Marktwert in einem guten Monat vervielfacht und seinen Bekanntheitsgrad vermillionenfacht hat, weiß, wie es ganz unten ist. In Leipzig zum Beispiel. Bei RB, daran erinnert sich heutzutage, da Ante Rebic die Fußballwelt quasi pulverisiert, ja kaum noch jemand, hat Ante Rebic auch schon mal gekickt. 2014 war das, der AC Florenz hatte ihn ausgeliehen zum damaligen deutschen Zweitligisten, und Ante Rebic fühlte sich, mal defensiv formuliert, nicht so wirklich wohl in Leipzig. Rebic war als Hoffnungsträger gekommen, als Stinkstiefel ist er gegangen. „Ich bin dort aufgenommen worden, als käme ich vom Mars. Ich bin nie richtig akzeptiert worden“, sagte er der FR.

In Erinnerung blieben nur seine Verfehlungen. Einmal ließ er sich dazu hinreißen, einer Fotografin den Mittelfinger zu zeigen, ein anderes Mal postete er ein Bild von sich auf der Ersatzbank und schrieb dazu: „Meine neue Position.“ Auch sportlich lief es mies, er kam nur auf zehn Spiele, keines über 90 Minuten, einmal, bei der Partie gegen den FSV Frankfurt, wurde er 22 Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Feld geholt.

Diese Episode gehört zur wechselhaften Geschichte des Ante Rebic dazu, jenes Ante Rebic, der seinen Arbeitgeber Eintracht Frankfurt mit einer phänomenalen Leistung und zwei Toren vor gut vier Wochen zum ersten Pokalsieg nach 30 Jahren schoss, der sich in Frankfurt unsterblich gemacht hat und dem Fußball-Olymp nun noch mal ein, zwei Schritte näher gekommen ist.

Der Boulevard überschlug sich am Freitag förmlich: „Frankfurt-Stürmer rockt die WM: Rakete Rebic – vom Lustlos-Profi zum Shootingstar.“ So kann man es, kurz und knapp, beschreiben. Im ersten WM-Spiel gegen Nigeria (2:0) zählte der 24-Jährige schon zu den besten Spielern, am Führungstor war er beteiligt, und am Donnerstag gegen den Vizeweltmeister Argentinien legte er noch mal eine Schippe drauf. Der im dalmatinischen Split geborene, im nahen Imotski aufgewachsene und in seinem Heimatland frenetisch gefeierte Heißsporn war immer unter Strom und im ICE-Tempo unterwegs, er ebnete den Kroaten durch seinen herrlichen Führungstreffer den Weg zum 3:0-Sieg und ins Achtelfinale.

Zu seinem Spiel gehört auch eine gewisse Rücksichtslosigkeit, der Flügelstürmer hatte innerhalb der ersten Stunde bereits fünfmal gefoult, einmal übel, da trat er dem Argentinier Eduardo Salvio mit den Stollen auf den Knöchel. Das sah ein wenig nach Absicht aus. Dafür gibt es in der Bundesliga denn auch schon mal Rot.

Rebic ist ein Draufgänger im klassischen Sinne, ein Haudegen und eine Wuchtbrumme. Er kann den Gegner einschüchtern, weil er so schnell wie ein Windhund und aggressiv wie eine Hyäne ist, robust im Zweikampf ist er, auch im höchsten Tempo, sowieso. Er weiß um seine Wirkung, aber ihm ist es erst spät bewusst geworden. „Meine Freunde haben mir immer gesagt, dass ich im Fernsehen wie ein Riese wirke, der seinen Gegnern überlegen ist. Aber ich bin ja kein Riese, sondern normal groß.  Aber ich hole alles raus, was in mir steckt. Das ist in mir“, sagte er mal.

Rebic, der später angeschlagen ausgetauscht wurde, ist nicht zu greifen, der Kontrahent weiß nie, was auf ihn zukommt, wenn er den Ball hat oder auch nur in der Nähe ist. Viele denken, es sei Zufall oder ein Unglück, dass der argentinische Torwart Wilfredo Caballero den Ball vor dem Gegentor leichtfertig herschenkte, vielleicht aber auch nicht, vielleicht war es auch der Präsenz des bulligen Angreifers zuzuschreiben, dass der Schlussmann einen astreinen Querschläger produzierte, den Rebic per Volleyschuss vollendete.

Rebic ist fast unmöglich zu verteidigen, er ist der der Unterschiedsspieler – und zwar nicht gegen irgendeinen Rivalen, sondern gegen Topgegner wie eben Bayern München im Pokalfinale oder Argentinien bei der WM. Das ist eine besondere Qualität. Gegen weniger prominent besetzte Konkurrenten hat er Schwierigkeiten, sich zu motivieren, da wirkt er manches Mal etwas lustlos.

Diese Haltung hat die Karriere erst spät Fahrt aufnehmen lassen, denn Rebic neigt dazu, es etwas langsamer angehen zu lassen, wenn es gerade mal gut für ihn läuft. Er hat sehr wohl ein paar Flausen im Kopf, nicht mehr so viele wie früher, doch genügend, um Ex-Trainer Niko Kovac an den Rand des Wahnsinns getrieben zu haben. Würde Rebic noch mehr Konstanz in sein Spiel bringen, er würde schon lange nicht mehr in Frankfurt spielen. „Wenn Ante alles abruft, ist er ein Spieler für Bayern München“, hat Sportdirektor Bruno Hübner der FR gesagt. „Er hat alles.“

Für die Eintracht sind die jüngsten Auftritte des Kraftpakets Fluch und Segen zugleich. Mit jedem Tor und jedem guten Spiel sinkt die Hoffnung, dass er weiterhin für die Frankfurter auflaufen wird. Andererseits könnten die Hessen ja groß abkassieren, Summen von 30, 40, ja 50 Millionen Euro stehen im Raum. Ein Batzen Geld – auch wenn sein vorheriger Klub, der AC Florenz, noch partizipieren würde.

Und doch gibt es die Befürchtung, dass der durchaus als stur bekannte Rebic auf einen Wechsel drängt und dort anheuern möchte, wo er am meisten verdienen kann – das muss nicht unbedingt der Klub sein, der das höchste Angebot abgibt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen