Lade Inhalte...

Sieg gegen Belgien Umtiti köpft Frankreich ins Finale

Mit einem 1:0 gegen Belgien zieht die Equipe Tricolore ins WM-Finale ein und hat den zweiten Titel nach 1998 im Visier.

WM 2018 - Frankreich - Belgien
Umtiti (2.v.l.) trifft gegen Belgien. Foto: dpa

Vielleicht hat es das Beisein des französischen Staatspräsidenten ja in der Zarenstadt gebraucht. Emmanuel Macron wollte an einem kühlen Sommerabend in St. Petersburg nicht fehlen, als die Equipe Tricolore aus dem Krestowski-Stadion ein weltweit beachtetes Signal aussendete: Mit einem 1:0 (0:0)-Sieg im Halbfinale gegen Belgien steht Frankreich als erster Endspielteilnehmer der Weltmeisterschaft 2018 fest.

Wie so oft musste in einer solch umkämpften Auseinandersetzung eine Standardsituation der Wegweiser sein: Nach einer Ecke von Antoine Griezmann erwischte Samuel Umtiti genau das richtige Timing, um die Kugel einzuköpfen (51.). Für den 24-jährigen Abwehrspieler vom FC Barcelona definitiv das wichtigste Ausrufezeichen der Karriere. Zudem eine Aktion, die all die Entschlossenheit ausdrückte, mit der die Franzosen letztlich ihre Mission im gesamten Turnierverlauf in Russland verfolgen. Nicht immer spektakulär, aber dafür ziemlich effektiv.

Unweigerlich tauchen nun die Parallelen zur Generation von vor 20 Jahren auf, die bei der WM im eigenen Land mit dem Kapitän Didier Deschamps das bisher einzige Mal in der Geschichte des französischen Fußballs den Goldpokal empfing. Der Nationaltrainer hat zuerst das verlorene EM-Endspiel 2016 als Wiedergutmachung im Sinn: „Da haben wir etwas Außergewöhnliches verpasst. Das WM-Finale bietet eine noch viel bessere Möglichkeit.“ General Deschamps wäre der dritte, der sich nach Mario Zagallo und Franz Beckenbauer als Spieler und Trainer zum Weltmeister krönen kann. Zuzutrauen ist es diesem ergebnisorientierten Ensemble, das die Ambitionen der Roten Teufel einbremste. Der Finalgegner wird am Mittwoch zwischen England und Kroatien ermittelt.

Die Nachbarn legten ohne größere Zurückhaltung los, obwohl sich auf den Tribünen erschreckend wenige Landsleute eingefunden hatten. Tagsüber befanden sich auf einer Schlagader wie der Newski Prospekt  mehr chinesische Touristen als belgische und französische Fans. Die erste halbe Stunde sollte im Zeichen eines Spielers stehen, der die Fußballwelt mit seiner Finesse verzückt: Wie der geschmeidige Eden Hazard durch französische Abwehrreihen flitzte, als seien die Gegner nur Statisten, war erstaunlich. Nicht umsonst leitete der belgische Kapitän mit seinem Vorstoß die erste Chance ein (6.), zielte knapp vorbei (16.) oder gab einen Versuch ab, bei dem Raphael Varane den Ball noch mit dem Kopf über die Latte lenkte (19.).

Der Edeltechniker vom FC Chelsea tat so viel Gutes, dass sich Real Madrid wohl bald ernsthaft mit diesem Unterschiedsspieler beschäftigen wird. Die beste belgische Chance hatte trotzdem ein Abwehrmann: Als Toby Alderweireld abzog, zeigte Hugo Lloris eine Prachtparade (22.). Der französische Kapitän gab seinen Vorderleuten damit vielleicht die Initialzündung, doch selbst mal den Vorwärtsgang einlegen, nachdem das 4-3-3-System lange zu wenig kreativ wirkte.

Ein Kopfball von Olivier Giroud war schon mal ein zarter Anfang (31.), dann verzog Antoine Griezmann (33.), ehe ein Spieler aus der Bundesliga die beste Möglichkeit vergab: Verteidiger Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart scheiterte am vorzüglich mit dem Fuß reagierenden Torwart Thibaut Courtois. Fazit des ersten Durchgangs: Die in einer sehr flexibel ausgelegten 3-5-2-Anordnung agierenden Belgien war lange das aktivere Team, aber Frankreich am Ende mindestens genauso gefährlich.

Nach dem Wechsel kam das erste Mal der meist bestens abgeschirmte Mittelstürmer Romelu Lukaku zum Abschluss (48.). Doch nur drei Minuten später ereignete sich auf der Gegenseite der entscheidende Moment: Umtiti entwischte bei dem Eckball dem ihm zugeteilten Gegenspieler Marouane Fellaini, der im Kopfballduell Sekundenbruchteile zu spät kam. Kurz darauf hätte der im Abschluss glücklose Giroud nach toller Hackenvorlage von Kylian Mbappé fast das 2:0 erzielt (56.).

Belgiens Nationaltrainer Roberto Martinez reagierte mit der Hereinnahme von Dries Mertens und später auch Yannick Carrasco, um wieder mehr Offensivwucht zu erzeugen. Möglichkeiten des diesmal nicht so prägenden Kevin de Bruyne (61.), Fellaini (65.) oder Alex Witsel (81.) brachten keinen Ertrag. Die viel gelobten Protagonisten in den roten Trikots rannten an, aber fanden bis in die sechsminütige Nachspielzeit keine Lösung. Durch Corentin Tolisso hatten die Franzosen sogar noch die Riesenchance zum 2:0 (90.+ 5). So blieb auf der Ehrentribüne auch dem belgischen König Philippe und Königin Mathilde nichts anderes übrig, als Monsieur Macron zu einem nicht unverdienten Erfolg zu gratulieren.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen