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Kroatien Kroatische Nationalspieler finden Trost in der Heimat

Kroatiens Fußballhelden werden in der Heimat frenetisch empfangen. Nach der Final-Niederlage gegen Frankreich ist das kleine Land in Trauer und Stolz vereint.

16.07.2018 18:47
Empfang der kroatischen Mannschaft
Begeisterte Fans empfangen die kroatische Nationalmannschaft in Zagreb. Foto: dpa

Im rot-weiß-karierten Fahnenmeer fanden die geschlagenen Nationalhelden ihr Lachen wieder. Luka Modric und Co. fuhren in offenen Bussen durch Zagrebs verstopfte Straßen, sie kletterten auf die Brüstungen, warfen Kusshände in die Menge, sangen und grölten mit den Abertausenden Fans - keine 24 Stunden nach dem bitteren Ende des WM-Märchens gegen Frankreich (2:4) wurden Kroatiens Fußballer in der Heimat wie Weltmeister empfangen. Stolz und Trotz lagen in der Luft.

Um 15.24 Uhr war die Maschine aus Moskau mit Verspätung in Zagreb gelandet, der Pilot hatte noch eine Runde über der Stadt gedreht, um den Spielern aus der Luft zu zeigen, was sie erwartet: Zagreb hatte sich seit den Morgenstunden in eine riesige Fanmeile verwandelt. Mit den Bussen ging es schließlich im Schritt-Tempo zum Ban-Jelacic-Platz, wo sich rund 100.000 Fans versammelt hatten.

Noch am Sonntagabend war zunächst niemandem im kroatischen Team nach Feierlichkeiten zu Mute. Luka Modric, der schmächtige Kapitän, war ein Sinnbild dieser Stimmungslage: In der Hand hielt er die goldene Trophäe für den besten Spieler der WM in Russland - sein Blick aber war der eines Mannes, der gerade alles verloren hat.

Vor der kroatischen Fankurve kämpfte der geniale Regisseur von Real Madrid dann mit den Tränen. „Wenn du eine solche Unterstützung bekommst, macht dich das wieder etwas glücklicher und stolz“, sagte Modric später, und seine Stimme stockte.

In der Heimat hatten die Fans da schon umgeschaltet, machten die Nacht zum Tag. „Es ist Silber, das golden scheint! Für uns seid ihr die Champions“, schrieb 24sata.hr. Doch die Spieler selbst waren trotz des letztlich deutlichen Ergebnisses zu nahe dran gewesen an der ganz großen Sensation, als dass der Stolz die Enttäuschung vollends verdrängen konnte.

„Die kleinen Details sind für Frankreich gelaufen. Es ist so bitter, denn ich glaube, wir waren sehr, sehr stark und hätten den Sieg verdient gehabt“, sagte Modrics kongenialer Nebenmann Ivan Rakitic. Doch das Glück, soviel steht fest, war am Sonntag in Moskau nicht auf der Seite der Kroaten. Das 0:1 fiel durch ein Eigentor durch Mario Mandzukic im Anschluss an einen Freistoß, der aus einem Foul an Antoine Griezmann resultierte, das keines war.

Nach dem verdienten Ausgleich durch Ivan Perisic wendete sich das Blatt erneut sehr glücklich zugunsten von Les Bleus. Perisic sprang der Ball nach einer Ecke von Griezmann an die Hand, erst nach Intervention des Video-Referees entschied Schiedsrichter Nestor Pitana (Argentinien) auf Handelfmeter, den Griezmann verwandelte.

„Das Foul vor dem ersten Tor war ganz klar keines, und der Elfmeter war sehr, sehr dubios“, sagte Rakitic: „Es tut weh, so zu verlieren.“ Trainer Zlatko Dalic meinte: „So einen Elfmeter pfeift man in einem WM-Finale nicht.“ Seine Zukunft ließ der Coach nach der erfolgreichsten WM in der noch jungen Geschichte Kroatiens offen. Er werde eine Auszeit nehmen und durchatmen, „ich treffe solche Entscheidungen nicht über Nacht“.

Dalic wird wissen, dass eine Wiederholung eines solchen Turniers keine Selbstverständlichkeit sein wird, ganz im Gegenteil. Seine Schlüsselspieler Modric (32), Rakitic (30), Perisic (29) und Mandzukic (32) entwachsen schon bei der paneuropäischen EM 2020 dem besten Fußballer-Alter. Doch so weit wollte nach dem bitteren Moskauer Sonntag noch niemand denken. „Es sollte nicht sein“, sagte Modric, er wolle nun feiern. Denn trotz allem sei dieser zweite Platz für ein kleines Land wie Kroatien „ein dickes Ding“. (sid)

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