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Helmut Schön Erfolgreich mit Eleganz, Harmonie und Diplomatie

Helmut Schön führt deutsche Teams durch vier WM-Turniere: 1974 gewinnt er auch dank seines antiautoritären Führungsstils den Titel im eigenen Land. Teil 2 der Serie: Die WM-Trainer.

Bundestrainer Helmut Schön BR Deutschland
Der Mann mit der Mütze: Helmut Schön und sein Markenzeichen. Foto: imago sportfotodienst

Die Fischer-Chöre haben vor dem Anpfiff gesungen, die Menschen im Stadion befinden sich in Hochstimmung, schreibt Helmut Schön in seiner Autobiografie, Titel: „Fußball“. Und nachher – der Erfolg steht fest, der Triumph bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land – „detonierte der Jubel“. Sieg im WM-Finale von München gegen die Niederlande, 2:1, der größte Tag in der Laufbahn des Bundestrainers. Neben ihm „springen alle von der Bank auf“, liest man weiter. Und er, der Sieger, der Weltmeister-Trainer, der zu diesem Zeitpunkt noch seine charakteristische Mütze mit dem blau-grünen Schottenmuster auf dem Kopf trägt? „Völlig benommen blieb ich für ein paar Augenblicke sitzen. Das war es also. Kein überschwängliches Gefühl, keine wilde Begeisterung. Es war nur, als wenn man abschließend sagt: ,So’.“

So. Nüchterner lässt sich ein solcher Coup vor ausflippenden heimischen Fans wohl kaum wahrnehmen. Und fast beruhigend muss man es ja finden, dass dieser zurückhaltende Mensch an jenem 7. Juli 1974 dann doch wenigstens seine jubelnden Spieler umarmt und schließlich sogar den Pokal küsst. Jeweils ohne Mütze.

Nach der krachenden Niederlage gegen die DDR in Hamburg im letzten Vorrundenspiel hatte auf so ein Ende nicht viel hingedeutet. Dieses 0:1 hat Schön sehr getroffen. Er stammt aus Dresden, dort wird er am 15.September 1915 geboren. Im Mai 1950 verlässt er mit seiner Frau Annelies und Sohn Stephan die DDR, neue Heimat wird Wiesbaden. Er habe die Freiheit gewählt und sich entschlossen, „diesen Polizeistaat zu verlassen“. Auch wegen seiner Vergangenheit wühlt ihn die Pleite gegen die DDR so sehr auf.

Seinen ursprünglichen Plan, Medizin zu studieren, legt der Theater- und Opernliebhaber Schön beiseite – weil er sehr gut Fußball spielt, Halbstürmer beim Dresdner SC, 1,90 Meter groß, technisch versiert und sehr treffsicher. Schön sei ein „Wanderer zwischen den Welten gewesen, hin- und hergerissen zwischen dem runden Leder und den Dingen, die er im Grunde seines Herzens für schöner und wichtiger hielt“, schreibt Ludger Schulze, einer seiner Biografen.

16 Länderspiele bestreitet Schön zwischen 1937 und 1941, trifft dabei 17 Mal. Mit dem Dresdner SC gewinnt er Pokal (1940 und 1941) und Meisterschaft (1943 und 1944). Knieprobleme machten ihm immer wieder zu schaffen, sie sind einer der Gründe, warum Schön nicht häufiger für Deutschland gespielt hat. Ein anderer: Reichstrainer Sepp Herberger. „Schön ist ein Weichling!“, urteilt Herberger nach einem Länderspiel. Herberger hinterließ der Welt damit das Bild vom wenig kampffreudigen, einsatzscheuen Menschen – das galt für den Spieler und später auch für den sensiblen Trainer Schön.

Dessen erster wichtiger Job als Coach: Chef der DDR-Nationalelf von 1949 bis 1950. Herberger, nun Bundestrainer, hilft Schön fortan, vermittelt ihn als Trainer zum damals autonomen Fußballverband des Saarlandes. 1956 nimmt er Schön als Assistenten auf und duldet ihn 1964 auch als seinen Nachfolger. Schön duzt anders als Herberger seine Spieler, schafft eine neue, entspanntere, antiautoritäre Atmosphäre –, und Herberger schwebt in den ersten Jahren wie ein besserwissendes Phantom über Schön. Mit Rang zwei bei der WM 1966 in England hat sich der Nachfolger allerdings von der Überfigur emanzipiert. Das Glück währt aber nur kurz, die Qualifikation zur Europameisterschaft 1968 misslingt, es gibt viel Kritik. Schön bleibt Bundestrainer, auch, weil er bereits vor dem EM-Aus einen Fünfjahresvertrag vom DFB erhalten hat.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier WM-Trainer

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