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Frankreich - Kroatien Ärger nach erstem Final-Videobeweis

Schwalbe von Griezmann, 1:0. Strittiger Elfmeter, 2:1. Schon während des WM-Finalspiels zwischen Frankreich und Kroatien kochen die Emotionen über die Schiedsrichterleistung hoch.

16.07.2018 08:16
Schiedsrichter
Schiedsrichter Nestor Pitana zeigt nach einem starken Turnier eine mäßige Vorstellung im Finale. Foto: afp

Der Videobeweis ist erstmals auch in einem WM-Finale zum Einsatz gekommen – und hat gleich für heftige Diskussionen gesorgt. Schiedsrichter Nestor Pitana entschied erst nach mehr als zweiminütiger Unterbrechung und Studium der Videobilder auf Handspiel von Kroatiens Ivan Perisic und Elfmeter für Frankreich. Antoine Griezmann verwandelte in der 38. Minute zum zwischenzeitlichen 2:1, Perisic und seine Mannschaftskollegen protestierten wütend beim argentinischen Referee.

Auch im Internet kochten schon während des 4:2-Sieges für Frankreich die Emotionen hoch. „Noooooooo!!!! Den kannst du nicht geben. Um Himmels Willen Videobeweis“, twitterte Englands ehemaliger Stürmerstar Gary Lineker. „Ich denke, jeder Spieler muss sich nächste Saison den Arm abschneiden“, spottete Dänemarks Nationalspieler Yussuf Poulsen von RB Leipzig. Der Stürmer hatte in der Vorrunde gegen Australien (1:1) selbst einen Handelfmeter nach Videoüberprüfung gegen sich hinnehmen müssen.

Infantino: „Videobeweis macht den Fußball ehrlicher“

Im Endspiel schlug Griezmann in der 34. Minute eine Ecke, Mittelfeldabräumer N‘Golo Kanté verwirrte Perisic, dem der Ball klar gegen die ausgestreckte Hand sprang. Pitana ahndete dies zunächst nicht und entschied fälschlicherweise auf Abstoß für Kroatien. Auf Hinweis von Videoschiedsrichter Massimiliano Irrati aus Italien überprüfte der 43-Jährige vor Spielfortsetzung die Situation selbst am Spielfeldrand und gab Elfmeter. Vom Handspiel bis zur Entscheidung dauerte es 130 Sekunden – eine lange Zeit der Ungewissheit.

„Ich kommentiere Schiedsrichter-Entscheidungen nie. Aber in einem WM-Finale gibt man so einen Elfer nicht“, sagte der kroatische Trainer Zlatko Dalic: Wir hatten kein Glück.“ Der Schweizer Ex-Schiedsrichter Urs Meier sah es im ZDF anders: „Man kann den Elfmeter geben. Ohne Videobeweis hätte es ihn nicht gegeben“, analysierte der Schweizer Ex-Referee Urs Meier im ZDF und fügte spöttisch hinzu: „Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte gesagt, dass er mehr Gerechtigkeit wollte, jetzt haben wir mehr Gerechtigkeit.“

Laut offizieller Fifa-Zählung war es das 20. Mal, dass der Videobeweis bei seiner Weltmeisterschaftspremiere in Russland zum Einsatz kam. Die Videoassistenten sollten nur bei einer klaren Fehlentscheidung einschreiten. „Der Videobeweis macht den Fußball ehrlicher und transparenter“, lobte Infantino vor wenigen Tagen in seiner Bilanz.

Dabei brachten jedoch gerade die Bewertung von Handspielen reichlich Diskussionen mit sich. Wenn ein Spieler sich selbst an die Hand spielt oder köpft, kann es kein Handspiel sein, stellte Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina klar. Dies war in der Causa Perisic nicht der Fall, dem Kroaten Absicht zu unterstellen, wäre aber auch nicht richtig. Kurzum: Viele Handspiele bewegen sich in einer Grauzone, Diskussionen sind daher kaum zu vermeiden.

Gestern hatte Pitana Glück, dass ihn die vier Videoassistenten unterstützten. Auch ansonsten zeigte der erfahrene Argentinier, der schon das Eröffnungsspiel geleitet hatte, nach einem starken Turnier eine mäßige Vorstellung. Pitana übersah unter anderem eine Schwalbe von Griezmann vor dem Freistoß zu Frankreichs 1:0 – sein größter Fehler. Doch obwohl wenige Sekunden später Mario Mandzukic ins eigene Netz einköpfte, ließ sich die Fehlentscheidung Pitanas dem Regelwerk nach nicht mehr zurücknehmen. (dpa/sid/FR)

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