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Frankreich - Australien Jeder für sich

Titelfavorit Frankreich siegt mit Mühe gegen Australien.

WM 2018 - Frankreich - Australien
Feieren nach dem Spiel: Paul Pogba und Antoine Griezmann (r). Foto: DPA

Hinterher humpelte der Anführer. Nur im Zeitlupentempo, vorsichtig auf einem Bein hinkend, ging Paul Pogba nach dem Schlusspfiff auf seine australischen Kontrahenten zu, um vor allem Kapitän Mile Jedinak Worte des Trostes zu übermitteln. Mitten in der Nachspielzeit hatte der Franzose noch eine furchtlose Grätsche für einen Ballgewinn angesetzt, die ihm die Blessur einbrachte – und beim mühsamen 2:1-Arbeitssieg gegen Australien das Symbol setzte. „Es ist egal, was alle von mir denken. Heute habe ich meinen Job gemacht“, richtete der 25-Jährige hinterher in einem Tonfall aus, der keinen Widerspruch duldete. 

Dabei hatte „PP“ eine Partie hingelegt, die 80 Minuten lang in der Kasan-Arena reichlich Wolga-Wasser auf die Mühlen aller Kritiker schüttete. Der Mittelfeldchef, bei Manchester United von José Mourinho ab und an auf die Ersatzbank verbannt, bewegte sich als Synonym französischer Selbstüberschätzung, ehe er sich doch noch zu einem dynamischen Vorstoß aufraffte, der in der 81. Minute im Siegtreffer mündete. Als Pogba sich den Ball an seinem Gegenspieler vorbeilegen wollte, spritzte der Australier Aziz Behich dazwischen und hob den Ball unabsichtlich in hohem Bogen über seinen eigenen Schlussmann hinweg. Der Ball sprang, einen Zentimeter hinter der Linie, zurück ins Feld. Dank Torlinientechnik war klar: Es war ein reguläres Tor. 

„Wir waren nicht schnell genug. Es hat zu lange gedauert, bis wir nach vorne gekommen sind“, kritisierte Didier Deschamps, der tatsächlich darüber rätselte, ob der „Ball immer am Rasen geklebt hat oder wir es aus anderen Gründen nicht hinbekommen haben?“ In seinem 4-3-3-System erwies sich das Mittelfeld mit N’Golo Kanté, Corentin Tolisso und eben Pogba als uninspiriertes Gebilde, weil es kaum einmal spielerische Lösungen fand, den Angriff mit Ousmané Dembélé, Kylian Mbappé oder Antoine Griezmann wirkungsvoll in Szene zu setzen, wobei letzterer den Videobeweis und einen Elfmeter für ein Erfolgserlebnis brauchte (58.). Ansonsten führten die zwei Mannschaftsteile ein merkwürdiges Eigenleben. „Unsere Offensive war nicht so gut, wie sie sein könnte“, bemängelte Deschamps. Der 49-Jährige schien vom Stotterstart selbst erschreckt: „Es war kein Fluss in unserem Spiel.“ Es genügte ein physisch starker und gut organisierter Gegner, um seine im Schnitt 24,5 Jahre junge Garde ins Leere laufen zu lassen. Gegenüber Bert van Marwijk befand: „Sie wussten nicht mehr, was zu tun ist.“ 

Das mit dem höchsten Marktwert des Turniers versehene Ensemble spielte über weite Strecken behäbig. „Es war sehr kompliziert. Manchmal sollte man nicht zu hart mit uns sein“, bat Pogba, doch es hätte vor allem Nebenmann Tolisso härter treffen. Van Marwijk stellte in der Mixed Zone den Tritt nach, mit dem der Bayern-Profi den eingewechselten Tomi Juric bei einem Konter stoppte (76.). Seine Ansicht: „Das war eine Rote Karte.“ Deschamps winkte Tolisso nur zwei Minuten später vom Feld. 

Damit die Franzosen länger durch Russland reisen können, darf es Aussetzer wie die von Samuel Utiti vor dem 1:1 – Handelfmeter Jedinak (62.) – nicht geben, als der Verteidiger des FC Barcelona wie ein Volleyballer zu einer Flanke hechtete. Immerhin hat Deschamps für das zweite Gruppenspiel am Donnerstag gegen Peru versprochen: „Wir können und werden besser spielen.“

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