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Achtelfinal-Auftakt Einer fliegt

Im Gipfeltreffen des Achtelfinales wird ein Vize auf der Strecke bleiben: Der WM-Zweite Argentinien mit Lionel Messi oder der EM-Zweite Frankreich mit einer Reihe hochkarätiger Stars.

29.06.2018 11:52
Argentinien-Star
Lionel Messi trifft mit Argentinien auf Frankreich. Foto: Ricardo Mazalan/AP

Diego Maradona muss sich beim ersten Achtelfinalkracher auf den nächsten Stresstest gefasst machen. Vize-Weltmeister oder Europas Nummer zwei, Lionel Messi oder Antoine Griezmann - wer fliegt raus?

Im Mittelpunkt des Fußball-Klassikers zwischen Argentinien und Frankreich am Samstag (16.00 Uhr) in Kasan steht natürlich Messi, der seinen Tor-Bann endlich brechen will. Noch nie traf der mittlerweile 31-Jährige in einer K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft, gegen Frankreich soll mit dem Fluch endlich Schluss sein. Sonst droht dem zweimaligen Weltmeister Argentinien das WM-Aus.

Es steht viel auf dem Spiel

„Es wird ein sehr schweres Spiel, ohne Zweifel“, prophezeite Messi bereits. „No Pasará“, also „Kein Durchkommen“, drohte Frankreichs Sportzeitung „L'Équipe“ dem Kapitän der Albiceleste an - daneben ein Foto mit gleich fünf Defensivspielern im französischen Trikot. Es dürfte maximal spannend werden, berauschender Schönheitsfußball ist nach den bisherigen Auftritten von Argentinien und Frankreich nicht unbedingt zu erwarten.

Dafür steht auf beiden Seiten zuviel auf dem Spiel: Messis mögliches Karriereende im Nationaldress, das Aus von Trainer Jorge Sampaoli und dem, was dem erneuten und endgültigen tiefen Fall einer ungekrönten Generation in Argentinien bei einem Achtelfinal-Aus folgen würde. Und in Frankreich würden die Rufe nach Zinédine Zidane als möglicher Nachfolger von Didier Deschamps noch lauter - trotz aller Beteuerungen vom Verbandschef. Die wenig ansehnliche Spielweise hat im Land des „savoir vivre“ schon genug Kritik am pragmatischen Deschamps provoziert. „Wer den Fußball liebt, sollte bei dieser WM Spiele anschauen, bei denen Frankreich nicht mitspielt“, riet „L'Équipe“ nach dem Langweiler gegen Dänemark sogar.

Zwei Mannschaften gespickt mit Stars, allen voran der allmählich in Schwung kommende Messi bei Argentinien und der noch komplett formlose Griezmann bei den Franzosen. Zwei Trainer, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Zettel-Sampaoli auf der einen Seite, der vor dem Training mit seinen Notizen in der Hand mit Wortführern wie Messi oder Javier Mascherano letzte Einzelheiten klärt und die ganze Mannschaft dem Wohl des Heilsbringers mit der Nummer zehn unterordnet. Deschamps auf der anderen Seite, ein Bestimmer, ein nüchterner Analytiker, unspektakulärer Arbeiter, der Taktik und Disziplin über die Mannschaft und über jeden seiner Starspieler stellt. Sei es Griezmann, Paul Pogba oder Kylian Mbappé.

Frankreich will erstmal ein Tor verhindern. Argentinien, dessen Torhüter am Freitag beim Abschlusstraining schon mal Elfmeterschießen übten, kann sein Glück nur in der Offensive suchen. Und Messi muss es finden. 2006 ausgeschieden im Viertelfinale, 2010 ebenfalls und 2014 das verlorene Finale. Jedes Mal gegen Deutschland. Das Trauma bleibt ihm diesmal erspart, weil Deutschlands Aus bereits besiegelt ist.

Ein Scheitern in der Runde der besten 16 wäre trotzdem ein persönliches Desaster für Messi - egal, ob der Gegner Vizeeuropameister ist, bei dem Freundschaften vorübergehend ruhen. „Wir sind Kumpel, aber Samstag...“, sagte Frankreichs Verteidiger Samuel Umtiti in Richtung des Barça-Kollegen Messi: „Ob ich will, dass mein Kumpel verliert? Ja, diesmal schon.“

Deschamps wich einen Tag vor der Abreise eigens auf einen anderen Trainingsplatz aus: Geheimhaltung ist Trumpf. Keiner soll wissen, welche Spieler den Auftrag von Frankreichs Staatspräsident Emanuel Macron erfüllen sollen. „Ein Wettkampf ist dann gelungen, wenn er gewonnen wird. Bringt uns zum Träumen“, hatte Macron vor dem Turnier gefordert.

Auf der Gegenseite gilt als sicher, dass Sampaoli in seinem 15. Spiel als Nationalcoach der Argentinier erstmals die Startelf nach dem ersten Sieg in Russland nicht verändert. Der Erfolg gegen Nigeria war auch der dringend benötigte Stimmungsaufheller bei Messi und allen anderen in Himmelblau und weiß. Alles aber gar nicht schlimm für die Aussichten der Franzosen, geht man nach dem Magazin „France Football“: „Es ist eine echte französische Tradition: Für Les Bleus ist es immer bequemer, wenn sie in der Rolle des Außenseiters sind.“ (dpa)

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