Lade Inhalte...

Nationalelf Am besten ohne Handy ins Bett

Internist Tim Meyer gibt den Spielern gerne Tipps, will aber nicht als Nervensäge wahrgenommen werden.

Teamarzt Dr Tim Meyer
Nur wer fit ist, lebt auch gesund: Teamarzt Tim Meyer auf dem Weg in die Südtiroler Berge. Foto: imago

Traditionell wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft von einigen der besten Experten auf ihren Gebieten begleitet. Gedrillt werden sie unter anderem von US-amerikanischen Fitnesstrainern mit Muskelbergen, die Vergleiche mit den Rocky Mountains nicht scheuen müssen.

Für eine Topmotivation und manchmal auch fürs Seelenheil ist Hans-Dieter Hermann zuständig, ein weltweit auch in der Wissenschaft geachteter Sportpsychologe. Um die Gelenke, Sehnen, Knochen und Muskeln der hochgezüchteten DFB-Elitespieler kümmert sich der scheinbar niemals alternde Medizinmann Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt schon seit 23 Jahren.

Beim „Mull“ in der Münchner Praxis gehen die Topathleten dieser Welt ein und aus, manche Wunderheilung ist dem 75-Jährigen im Laufe seiner orthopädischen Karriere bereits gelungen, mitunter fragte man sich, wie das in der Kürze der Zeit möglich war.

Auch Prof. Dr. Tim Meyer gehört zu den Koryphäen auf seinem Gebiet und ist ein gern gebuchter Redner bei Wissenschafts- und Ärztekongressen. Meyer, einst recht talentierter Kicker in seiner Heimatstadt beim ASC Nienburg, gehört seit 2001 zum inzwischen auf 70 Personen gewachsenen DFB-Tross. Der Professor für Sport- und Präventivmedizin an der Universität Saarbrücken kennt die Antworten auf Fragen zu Dopingverhütung, Regeneration und Ernährung, auch wenn diese nicht immer einfach sind.

Bundestrainer Joachim Löw weiß das Fachwissen des Internisten sehr zu schätzen. Deutsche Spieler gehören auch dank Meyers Expertise bei Welt- und Europameisterschaften selten zu denjenigen, die sich in Verlängerungen mit Wadenkrämpfen auf dem Rasen wälzen. Löw sagt mit einem Augenzwinkern: „Unser Doc Meyer macht nichts, was nicht vorher durch eine Langzeitstudie bewiesen worden ist.“

Meyer bestätigt diese Einschätzung: „Wenn man etwas einführt, muss man auch beweisen können, dass es zu etwas gut ist.“ Und er ergänzt: „Vor der Studie steht das Expertenwissen.“ Darüber verfügt der 50-Jährige reichlich. Vor kurzem hat der renommierte Mediziner als Herausgeber gemeinsam mit dem Züricher Kollegen Franco Impellizzeri das Fachblatt „Science und Medicine in Football“ aufgelegt. Darin finden sich Artikel wie jenen über das Schlafverhalten von Fußballprofis unter Berücksichtigung der Anstoßzeiten.

Meyer glaubt, dass die Bedeutung eines guten Nachtschlafes für Hochleistungssportler lange unterschätzt worden ist. Dass die deutsche Mannschaft sich in Russland für Watutinki in der Nähe von Moskau als Stammquartier entschieden hat, wo bis zu drei WM-Spiele mit kurzen An- und Abfahrtswegen stattfinden könnten, kommt dem Schlafanspruch entgegen. Die Spieler sind so, ganz profan, viel schneller im Bett als wenn sie noch längere nächtliche Flugreisen absolvieren müssten.

Grundsätzlich, so Meyer, gibt es keinen Zweifel: „Alles, was die Schlafdauer und Schlafqualität einschränkt, ist von Nachteil, zum Beispiel Alkohol.“ Und grundsätzlich würde er auch dazu raten, „30 oder gar 60 Minuten vor dem Einschlafen nicht mehr am Handy herumzutippen“. Studien haben das ergeben. Der Doc weiß aber auch: „Das vorzugeben, wäre illusorisch.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen