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Manuel Neuer Wider alle Zweifel

Manuel Neuer strahlt eine Souveränität aus, die der DFB-Elf bei der WM nur gut tun kann.

Manuel Neuer
Die Nummer eins und ihr Vertreter: Manuel Neuer (vorne), Marc-André ter Stegen (hinten rechts). Foto: Imago

In der schmucken Sportzone Rungg in Girlan hat alles seine Ordnung. Um wirklich jene weltmeisterlichen Bedingungen anzubieten, die der Urlaubprospekt von Eppan zum Aufenthalt der deutschen Nationalmannschaft verspricht. Auch an Tagen, an denen die deutschen Nationalspieler die penibel gepflegten Plätze nicht betreten, weil sie trainingsfrei haben. Am Montagmorgen schütteten die Greenkeeper das frisch gemähte Gras aus kleinen Plastikkisten in große Container – kein Halm soll an diesem schönen Fleckchen Erde krumm wachsen. Dazu passt, wie sich Manuel Neuer nach seinem ersten öffentlichen Auftritt im Pressezelt verhielt.

Beim Abgang schickte der blonde Hüne eine Entschuldigung an einen Münchner Agenturjournalisten, dem der DFB-Kapitän am Samstag in Klagenfurt keine Auskunft gegeben hatte. War nicht bös‘ gemeint, aber halt so vereinbart. Eine Randnotiz, die viel über einen Geradeauscharakter verriet, der nicht nur nach einem verlorenen DFB-Pokalendspiel noch weiß, was sich gehört. So wollte Neuer wirklich erst dann über seine Situation sprechen, wenn seine dritte WM-Teilnahme feststeht. „Es ist zu 100 Prozent wieder gut“, versicherte die deutsche Nummer eins nach der Nominierung.

Um für die Mission Titelverteidigung wirklich den Rückhalt geben zu können, benötigte der 32-Jährige noch letzte Gewissheit, dass seinem drei Mal gebrochenen Mittelfußknochen nichts mehr passieren kann. Dafür fuhr er nach dem Härtetest gegen Österreich (1:2) von Klagenfurt nach München, wo er auch übernachtete, um am Sonntag bei einer MRT-Untersuchung an der Säbener Straße letzte Zweifel auszuräumen. „Ich war sehr glücklich, als ich ein positives Bild gesehen habe. Das ist das letzte Gefühl der Sicherheit. Ich habe gewusst, dass ich es schaffen kann und werde.“

Der Mittelfuß der Nation trägt also wieder Volllast, das hätte ihm die englische Woche mit den U20-Geheimtests und der Österreich-Partie signalisiert. Gibt es denn gar kein Restrisiko? „Wie bei jedem anderen Spieler auch.“ Der Torwart des FC Bayern erzählte frank und frei, dass er gerne schon früher eingestiegen sei. „Das ist sehr schade, dass ich kein einziges Spiel mehr unter Jupp Heynckes gemacht habe. Schlussendlich hat es nicht gereicht. Aber Sven (Ulreich; Anm. d. Red) hat sich das verdient. Oberste Priorität war, nie was zu riskieren.“

Neuer erklärte ferner, dass er „nie den Glauben verloren“ habe und „immer positiv“ geblieben sei, was bei einer Ausfallzeit von acht Monaten kaum selbstverständlich ist. Und wie Ausdauersportler, die in langen Zeitabständen auf die wenigen Höhepunkte eines Sportjahres hinarbeiten, habe er mit visueller Hilfe das übergeordnete Ziel in Angriff genommen. Seine Rettungstaten im WM-Achtelfinale gegen Algerien, sein Überhandgriff im Viertelfinale gegen Frankreich, der Rausch im Halbfinale gegen Brasilien und die Krönung im Finale gegen Brasilien: Neuer hat vor vier Jahren so viel erlebt, um daraus mehr Honig zu saugen wie Bienen aus einer blühenden Obstplantage in Südtirol. „Diese Bilder hat man im Kopf. Das war mein Antrieb.“

Der Ausnahmetorhüter weiß, dass viel Verantwortung auf denjenigen liegt, die das Team 2014 zum Titel trugen: Seine Vereinskollegen Mats Hummels und Jerome Boateng, Sami Khedira und Toni Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller bildeten damals wie heute das Korsett, zu dem insgesamt neun Weltmeister gehören. Dass in letzter Instanz wieder der gebürtige Gelsenkirchener das deutsche Heiligtum hütet, scheint intern viele zu beruhigen. Neuer berichtete von einem „positiven Feedback“.

Er trägt wieder die Kapitänsbinde; auch das ist selbstverständlich. Auf dem Podium strahlte er am Montag Souveränität und Gelassenheit aus. Selbst wenn es mal nicht so laufen sollte wie gewünscht, würde er kaum auf den Tisch hauen wie sein Vorgänger Oliver Kahn. Die Fragen zu den Pfiffen aus der deutschen Kurve in Klagenfurt gegen die Deutsch-Türken Ilkay Gündogan und Mesut Özil beschied Neuer unaufgeregt: „Ich habe sie gehört, trotzdem haben alle gejubelt, als Mesut das Tor gemacht hat.“

Selbstverständlich wird er im letzten Testspiel gegen Saudi-Arabien am Freitag (19.30 Uhr/ARD) in Leverkusen zwischen den Pfosten stehen. Mit Vertreter Marc-André ter Stegen sei alles geklärt. „Er hat eine gute Saison beim FC Barcelona gespielt. Zwischen uns findet tagtäglich ein Austausch statt.“ Nicht involviert war er naturgemäß in den Entschluss, in Kevin Trapp einen weiteren Schlussmann mit wenig Praxiserfahrung – 13 Pflichtspieleinsätze für Paris St. Germain – zu nominieren. „Es gab keinen Austausch mit mir.“ Das muss es auch nicht. Alles in Ordnung auch an dieser Stelle.

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