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Joachim Löw 16 Jahre Bundestrainer

Mit der Vertragsverlängerung von Joachim Löw und Oliver Bierhoff garantiert der DFB Topqualität im Elitebereich.

Joachim Löw
Mister Lässig: Joachim Löw im Dortmunder Fußballmuseum. Foto: dpa

Anstehende Vertragsverlängerungen beim Deutschen Fußball-Bund sind beileibe nicht immer so vertraulich und komplikationslos verlaufen wie im Mai 2018. Es war ein gelungener Coup des darob sichtlich stolzen Präsidenten Reinhard Grindel in Zusammenarbeit mit dem klugen Generalsekretär Friedrich Curtius, die WM-Kaderbekanntgabe mit einem positiven Überraschungsmoment einzuleiten: Joachim Löw bleibt nach dem Willen aller Beteiligten bis einschließlich 2022 Bundestrainer und verlängert seinen Vertrag somit um zwei weitere Jahre. Der zur Jahreswende in den Posten eines geschäftsführenden Direktors mit mehr als hundert Mitarbeitern aufgestiegene Teammanager Oliver Bierhoff bindet sich gar bis 2024 an den Verband. 

Der DFB lässt es sich einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, um sich somit auf verlässliche personelle Rahmenbedingungen in Topqualität verlassen zu können, zumal auch Löws Assistenten Andy Köpke, Thomas Schneider (jeweils bis 2022) und Marcus Sorg (bis 2024) entsprechend lange dabei bleiben. Sorg kümmert sich fortan zudem um eines bessere Anbindung des Nachwuchsbereiches an Löws Elitetruppe. Auch das erscheint klug, sind doch Schwächen in der vormals hochgelobten Talentförderung unübersehbar und vom Verband auch bereits identifiziert.

Widerstände gegen Bierhoff

Bierhoffs langfristige Bindung ermöglicht es dem Verband, sein Jahrhundertprojekt DFB-Akademie auf der ehemaligen Frankfurter Galopprennbahn in der gebotenen Professionalität voranzutreiben. Denn der smarte 50-Jährige ist nicht nur der Initiator der 150-Millionen-Euro-Investition, die er gegen manche heftige verbandsinterne Widerstände durchgesetzt hat, er ist auch der führende Kopf in der komplexen Umsetzung. Sein Netzwerk und seine Überzeugungskraft werden dringend bis weit ins künftige Jahrzehnt hinein benötigt. 

 Ohnehin ist es eine Sensation, dass sowohl der bei seiner von Jürgen Klinsmann initiierten Verpflichtung im Spätsommer 2004 gerade arbeitslose Löw sowie der ehemalige Nationalspieler Bierhoff überhaupt noch in Diensten des DFB stehen. Bierhoff war die Aufgabe als Teammanager ursprünglich, ähnlich wie Klinsmann, als Projekt angegangen und hatte sich mit seiner Fundamentalkritik am deutschen Fußball in der Bundesliga und im DFB-Präsidium nicht beliebt gemacht. Löw galt anfangs als klassischer Fußballlehrer im engeren Sinne, ein kundiger Assistent, der jedoch schon allein wegen seines Dialekts für höhere Aufgaben nicht berufen schien. Im Zuge von Klinsmanns Abschied ließ sich der damalige Präsident Theo Zwanziger vom scheidenden Bundestrainer überzeugen, dass Löw der beste Mann als Nachfolger ist. Ein zukunftsweisender Rat, Löw hat es geschafft, nach zwei Jahren des „Change Managements“ unter Radikalreformer Klinsmann die langfristige Idee eines Fußballs zu entwickeln, die sich erfolgreich am schönen Spiel orientiert. 

Krach mit Zwanziger

Letztlich überdauerte die Liaison von Löw und Bierhoff mit dem DFB auch tiefe Verwerfungen im Spätherbst 2009, als Zwanziger sich brüskiert fühlte, weil Bierhoff den zuvor geschlossenen Handschlagvertrag des Präsidenten mit Löw über die WM 2010 hinaus in ein Vertragswerk für die gesamte sportliche Leitung und ihn selbst gießen wollte, die Zwanziger als inakzeptabel empfand. Bierhoff hatte es seinerzeit zu weit getrieben, als er, so Zwanziger, Gehaltssteigerungen verlangt habe, „die für den gemeinnützigen DFB nicht vertretbar waren“, dazu eine Signing Fee als zusätzlichen Bonus für die Unterschrift. Zwanziger sah die „Grenzen meiner Großzügigkeit“ überschritten. 

Bierhoff und Löw reagierten beiderseits mit Unverständnis, nachdem der Zoff öffentlich eskalierte, und verweigerten vor Abschluss der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika ihre Autogramme unter überarbeitete Verträge. Erst danach einigten sich DFB und die führenden Mitarbeiter auf eine weitere Zusammenarbeit, die 2012 beim EM-Aus gegen Italien einen herben Dämpfer erfuhr, ehe sie zwei Jahre später in Rio ihren vorläufigen Höhepunkt erlebte. 

Die Dauer der Zusammenarbeit in diesen, gerade im Profifußball, unruhigen Zeiten ist in der Tat bemerkenswert. Für den traditionell tiefenentspannten Joachim Löw und den auf die Erfolge der Nationalmannschaft finanziell und atmosphärisch dringend angewiesenen DFB hat sie sich zur klassischen „Win-Win-Situation“ entwickelt. Kaum anzunehmen, dass der Bundestrainer nach dann 18 Jahren, davon 16 als Chef, auf der Payroll des Verbandes noch einmal ins Hamsterrad eines Klubtrainers zurückkehrt. Da weiß einer seine Freiheiten durchaus zu genießen. 

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