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DFB in der Krise Botschaft an die Amateure

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge rechnet mit dem DFB und Präsident Reinhard Grindel ab.

Jupp Heynckes und Karl-Heinz Rummenigge
Geschenke für Jupp Heynckes, Saures für den DFB: Karl-Heinz Rummenigge (rechts). Foto: dpa

Karl-Heinz Rummenigge ist frisch aus den Sommerferien zurück. Das Gesicht ist gebräunt, und die ungewohnten Bartstoppeln lassen noch auf einen gewissen Urlaubsmodus schließen. Der erste öffentliche Termin am Freitag, der den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern gemeinsam mit Jupp Heynckes in die Erlebniswelt führt, ist dann zunächst auch ein erfreulicher. Aber irgendwann kippt die Stimmung.

Es ist viel passiert, seit er in den Urlaub verschwunden ist, deshalb gibt es nun allerhand zu bereden. Dass dies dermaßen drastisch geschieht, ist aber selbst bei Rummenigge, der eine scharfe Klinge zu führen versteht, bemerkenswert. Er scheint nur auf ein Stichwort zu warten, damit er seine Meinung zur WM, dem frühen Ausscheiden und dessen Bewältigung loswerden kann. Und schon als er dem DFB dabei die „Fußballkompetenz“ abspricht, ist die Tonart vorgegeben.

Rummenigge fühlt sich erinnert an den Sommer 2000, der als Tiefpunkt der jüngeren deutschen Fußballgeschichte gilt. Da habe man „eine EM in den Sand gesetzt“, ähnlich wie nun die Weltmeisterschaft. Damals jedoch „gab es einen Profi an der Spitze, Gerhard Mayer-Vorfelder, der sich mit den Verantwortlichen der Bundesliga hingesetzt und dann relativ schnell mit klugen Schachzügen die Kurve gekriegt hat“. Die Nachwuchsleistungszentren wurden in dieser Zeit geboren.

Den Namen Reinhard Grindel nimmt Rummenigge kein einziges Mal in den Mund, aber das muss er gar nicht. Die Botschaft ist auch so klar: Mayer-Vorfelder war ein Profi, Grindel ist ein Mann ohne Fußballkompetenz. Später legt er nach, der DFB sei „durchsetzt von Amateuren“, und erinnert an das Treffen der Landesverbände am Donnerstag in Frankfurt. Dort habe man „die Landesfürsten eingeladen und mit viel Valium beruhigt“. Er bezweifle, „dass so die richtigen Ansätze gefunden werden mit diesen Leuten“. Namentlich nennt er Rainer Koch, den Chef des Bayerischen Fußballverbandes.

Es hat sich eine Menge aufgestaut, nicht nur durch das WM-Debakel. Generell ist der DFB nach Rummenigges Empfinden zu sehr dem Amateurlager zugeneigt, auch das spielt im ewigen Ringen um Macht eine Rolle. „Der DFB muss sich mehr dem professionellen Fußball öffnen und sich nicht nur verantwortlich zeigen für den Amateurfußball. Die haben ihre Berechtigung, die sind die Wurzel des Fußballs, alles okay.“ Aber für die Masse sei eben doch interessanter, „was die Nationalmannschaft abliefert“.

In diesem Zusammenhang nennt Rummenigge am Ende noch Philipp Lahm und dessen Berater Roman Grill „perfekt passend“ für den DFB. „Es wäre vielleicht eine interessante Lösung, Philipp Lahm als Vizepräsident zu installieren“. Im Verband könne auf diese Weise „ein Stück mehr Professionalität“ einziehen. Ein letzter Hieb mit scharfer Klinge.

Als Rummenigge dann in München fertig war, kroch auch Joachim Löw erstmals mit einem Statement aus dem DFB-Quartier am Frankfurter Stadtwald. Der Bundestrainer hatte dort zwei Tage lang mit seinen engsten Vertrauten getagt. Er war kurz angebunden, sagte aber in Richtung der Kritik von Philipp Lahm an seinem Führungsstil: „Wir wissen ganz genau, wie wir mit jungen Spielern kommunizieren müssen und welchen Führungsstil sie brauchen“, sagte Löw ein wenig beleidigt wirkend.

Das seit Wochen heiß diskutierte Thema Mesut Özil blockte Löw ab. Er habe nach der WM den Spielern gesagt, „dass es für sie wichtig ist, in den Urlaub zu gehen, Ruhe und Abstand zu haben und sich auch Gedanken zu machen. Deswegen haben Sie bitte Verständnis, weil das ein sehr sensibles Thema ist.“ Er werde, so Löw, „ab jetzt mit den Spielern die Gespräche suchen. Dann werden wir auch in personeller Hinsicht Entscheidungen treffen.“

Später kam dann auch noch Grindel aus der Präsidiumssitzung in die Sonne, berichtete, dass Löw sich am 29. August öffentlich zu seinen weiteren Plänen äußern wird und gab sich von Rummenigges Kritik ungerührt: „Ich persönlich arbeite mit Karl-Heinz Rummenigge sehr gut zusammen. Wir stimmen uns über sportliche und vor allem sportpolitische Fragen regelmäßig ab.“ Zuletzt offenbar aber nicht. 

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