Lade Inhalte...

Ballalaika Mit dem Taxi durch Kasan

Eine Begegnung mit Basel, der viel mehr zu bieten hat als nur eine schnelle Fahrt in einem alten Skoda aus der Innenstadt von Kasan zum Schwimmpalast.

FBL-WC-2018-FEATURE
Kasan bei Nacht. Nett. Foto: AFP

Fortbewegung ist bei einer WM das A und O. Rege genutzt werden in Russland die gängigen Taxi-Apps. Was nicht nur den Vorteil bringt, unmittelbar nach der Bestellung den Fahrer und das Kennzeichen zu kennen. Die Uber-App führt gleich beim ersten Mal zu einer besonderen Begegnung: mit Basel, der viel mehr zu bieten hat als nur eine schnelle Fahrt in einem alten Skoda aus der Innenstadt von Kasan zum Schwimmpalast, wo das Akkreditierungscenter beherbergt ist.

„Der einzige Taxifahrer, mit dem Sie sich auf Englisch unterhalten können“, sagt er. Wie ein Russe sieht er auch nicht aus. Der 30-Jährige stammt aus Syrien. Seine Geschichte erzählt er gerne: Ihn zog es 2001 nach Russland, während es sein älterer Bruder Jamal in Deutschland versuchte. Den legalen Weg über ein Visum. Jamal studierte, arbeitete wieder in Syrien, ging nach Ausbruch des Krieges wieder nach Deutschland und lehrt heute an der Universität Bochum. 

Basel hat nicht studiert. „Ich habe lieber gearbeitet“, sagt er und lacht. Typ Lebenskünstler. Einfach sei das Ankommen in Russland nicht gewesen. „Ich konnte ja kein Wort sprechen.“ Die Sprache brachte er sich selbst bei. Durchschlagen war angesagt. Geld verdiente er in Restaurants. Arbeitete als Kellner, als Helfer, als Koch, als Manager. Irgendwann machte er selbst ein Restaurant auf. Allerdings in Nepal am Himalaya. Bis das Erdbeben kam und die Touristen wegblieben. „Dann lohnte sich das nicht mehr.“ 2015 musst er schließen.

Heute fährt er Taxi. Einer, der immer ein Lächeln auf den Lippen und die Hände selten am Steuer hat, wenn er redet. Er erzählt, dass er es wohl kaum einer anderen Stadt als Kasan geschafft hätte, wo Muslime, Juden, orthodoxen Christen und Atheisten friedlich zusammenleben. „Es gibt hier keine Probleme, keinen Rassismus.“ Seine Vita ist voller Völkerverständigung: Er ist mit Ekaterina verheiratet. Einer Russin. Zwei Kinder sind ihr ganzer Stolz. Solche Hochzeiten sind in der Tatarenstadt keine Seltenheit. „Hier erhebt sich keine Religion über die andere.“ 

Ob das ein Vorbild für Europa sei, kann er nicht sagen – er war noch nie dort. Auch nach Moskau hat es ihn nicht gezogen. Er hat von Vorbehalten gegen seine Bevölkerungsgruppe gehört. Aber er will bald seinen russischen Pass beantragen, um nach Deutschland reisen zu können. Dorthin sind seine weiteren Geschwister geflohen: Bruder Mohammad lebt in Sinzig am Mittelrhein, Schwester Reham in Peine, Kreis Niedersachsen. Er wünscht sich, dass sie bald eine Arbeit finden, die neue Heimat schätzen. Tipps zum Ankommen kann er geben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen