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Argentinien gegen Israel Propagandakrieg statt Freundschaftsspiel

Das argentinische Nationalteam tritt nicht in Jerusalem gegen Israel an - den Beteiligten wurde der Testkick zu heikel.

Palästinenser
Proteste zeigen Wirkung: Die Palästinenser appellierten an die Ehre von Superstar Lionel Messi. Foto: afp

Überraschend an der Absage ist eigentlich nur, dass sie so spät kam: Drei Tage vor dem Freundschaftsspiel Israel gegen Argentinien in Jerusalem hat die argentinische Nationalmannschaft ihre Teilnahme abgesagt. Die Begründung: Drohungen von palästinensischer Seite gegen den Star des Teams Lionel Messi. Die israelische Botschaft in Argentinien erklärte in der Nacht zu Mittwoch: „Wir bedauern, die Aussetzung des Spiels zwischen Israel und Argentinien mitteilen zu müssen.“

Es war eine niederschmetternde Nachricht für israelische Fußballfans und der Schlusspunkt einer unheilvollen Entwicklung um ein Freundschaftsspiel, das eigentlich Glück bringen sollte. 1986 hatte Diego Maradona mit seiner Mannschaft in Israel gespielt und danach den WM-Titel gewonnen. Seitdem war es fast zu einer guten Tradition für die Argentinier geworden, das letzte Testspiel vor der WM-Eröffnung in Israel auszutragen. Allerdings wurde das Spiel diesmal bereits Wochen vor dem Anpfiff mit politischen Botschaften befeuert. Von beiden Seiten.

„Argentinien, fahr‘ nicht nach Israel“, lautete der Aufruf einer internationalen Bewegung, deren Ziel es ist, Israel wegen seiner Besatzungspolitik politisch und gesellschaftlich zu isolieren. Auch der palästinensische Fußballverband rief zum Boykott des Spiels auf. Dschibril Radschub, Chef des Verbandes, erinnerte Lionel Messi am Sonntag an seine Millionen Fans in muslimischen Ländern und bat ihn, „nicht an der Reinwaschung der Verbrechen der israelischen Besatzung teilzunehmen“.

Der Bitte folgte der Aufruf, Messi-Trikots und Messi-Poster zu verbrennen, falls der vorhabe, am Samstag in Jerusalem anzutreten. Auf Youtube ist zu sehen, wie ein älterer Herr im Anzug, der Verbandschef, in Ramallah vor Kameras steht, und andere Männer in Anzügen die Flammen ihrer Feuerzeuge an ein weißes Messi-Shirt halten. Bis es brennt. Es gibt noch andere Bilder, Palästinenser, die in Barcelona vor dem Trainingslager der argentinischen Nationalmannschaft ein Trikot schwenken zum Beispiel. Das Trikot ist mit roter Farbe bekleckert, rot wie Blut. Die Palästinenser rufen lautstark: „Fahrt nicht nach Jerusalem“.

Spätestens in diesem Moment war klar, dass aus einem Freundschaftsspiel ein politisches Ereignis geworden war, ein weiterer Propagandakrieg im ewigen Nahost-Konflikt. Und natürlich machen auch die Israelis mit, allen voran die unglücksselige Kultur- und Sportministerin Miri Regev, die gerade erst Absagen der Schauspielerin Natalie Portman und des Sängers Paul McCartney entgegennehmen musste.

Regev hatte das Freundschaftsspiel, das ursprünglich in Haifa stattfinden sollte, nach Jerusalem verlegt, an jenen heiligen Ort, den sowohl Palästinenser als auch Israelis als ihre alleinige Hauptstadt für sich in Anspruch nehmen. Ein symbolischer Akt, auch eine Provokation gegenüber den Palästinensern, die nicht vergessen haben, dass erst vor wenigen Wochen die US-Botschaft nach Jerusalem verlegt wurde. Der palästinensische Verbandschef ließ sich nach der Absage der Argentinier mit den Worten zitieren, dass ihn ein Freundschaftsspiel in Haifa nicht gestört hätte.

Eigentor der Politik

2,6 Millionen Schekel (rund 620 000 Euro) soll Regev an die Organisatoren für die Verlegung des Spiels bezahlt haben. Die Knesset-Abgeordnete Shelly Yachimovich, die den Ausschuss zur Kontrolle von Staatsangelegenheiten leitet, warf der Ministerin vor, die Verlegung eingefädelt zu haben - aus Eitelkeit.

Regev habe eine „aktive“ Rolle bei der israelisch-argentinischen Begegnung spielen wollen: ein Händeschlag mit Lionel Messi, ein gemeinsamer Auftritt auf einer Pressekonferenz. Die Ministerin stritt das ab.

Im israelischen Parlament gab es gestern kaum ein anderes Thema als das abgesagte Fußballspiel. Rechte Politiker forderten, ein Gesetz zu verabschieden, mit dem Personen oder Organisationen, die zum Boykott gegen Israel aufrufen, ohne Schadenbeweis bestraft werden können.

Die Linken forderten, die Sportministerin zur Verantwortung zu ziehen. Sie sei schuld daran, dass nun keine Tore geschossen werden können. Bis auf eins. Ein Eigentor.

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