Lade Inhalte...

Rundumschlag Özil-Berater teilt aus: Kritik an Kroos und Co.

Die Debatte um Mesut Özil geht auch Wochen nach seinem Rücktritt aus dem Nationalteam weiter. Jetzt teilt sein Berater gegen mehrere Kritiker des Mittelfeldspielers aus.

18.09.2018 20:40
Özil und Erdogan
Kurz vor der WM posierte Mesut Özil gemeinsam mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: dpa

Mesut Özil schweigt weiter, aber die kontroverse Debatte um den 29-Jährigen kommt auch knapp zwei Monate nach seinem Rücktritt aus der Fußball-Nationalmannschaft nicht zur Ruhe.

Sein Berater Erkut Sögüt hat ein Gespräch mit dem Magazin „11 Freunde“ nun zum gezielten Angriff auf mehrere deutsche Nationalspieler und die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge genutzt. Özils umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verteidigte der Rechtsanwalt dagegen. „Außerhalb des Platzes hat er keinen Fehler gemacht. Dabei bleibt es“, sagte Sögüt.

Fehlverhalten unterstellte Sögüt dagegen Toni Kroos, Manuel Neuer und Thomas Müller, deren Aussagen zu Özils Rücktritt Sögüt als „enttäuschend und deplatziert“ bezeichnete. Kroos hatte unter anderem von einem „hohen Anteil an Quatsch“ gesprochen, der in der dreiteiligen Rücktrittserklärung Özils vor mehreren Wochen gestanden habe. „Kroos sollte als gestandener Nationalspieler erklären, was er mit dem Vorwurf „Quatsch“ meint“, forderte Sögüt.

Unverständnis äußerte der Berater auch über Aussagen von Neuer und Müller: „Neuer wirft Mesut indirekt vor, nicht mit Stolz das deutsche Nationaltrikot getragen zu haben. Das ist nicht akzeptabel. Müller hat die Diskussion nicht verstanden.“ Nationalmannschafts-Kapitän Neuer reagierte am Dienstagabend bei der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel mit dem FC Bayern München bei Benfica Lissabon auf die Vorwürfe des Özil-Beraters: „Ich kenne diesen Menschen nicht, ich weiß nicht, wer das ist“, sagte der 32-Jährige und ergänzte: „Für mich gibt es da kein Thema mehr.“

Jérôme Boateng beklagte in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ das Schweigen vieler Nationalmannschaftskollegen zum Rücktritt Özils. „Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben? Anscheinend haben viele sich nicht zu äußern getraut, weil sie gedacht haben, dass das bei den deutschen Fans nicht so gut ankommt“, sagte Boateng.

Angefangen hatte jene Diskussion mit dem Erdogan-Foto vor der WM in Russland, beschleunigt wurde sie vom desolaten Abschneiden der DFB-Auswahl. Neben Özil hatte sich auch der ebenfalls von Sögüt beratene Nationalspieler Ilkay Gündogan mit Erdogan ablichten lassen, sich anschließend aber mehrfach zum Foto erklärt. Özil dagegen schwieg, wurde in sozialen Netzwerken teils rassistisch angegriffen und stand nach dem Turnier im Zentrum der sportlichen Kritik am Weltmeister von 2014.

Diese gipfelte unter anderem in den deftigen Äußerungen von Bayern Münchens Präsident Hoeneß nach Özils Rückzug aus dem Nationalteam. Denn Özil habe ohnehin „seit Jahren einen Dreck gespielt“, meinte der 66-Jährige.

Angesprochen auf diese Aussagen setzte Sögüt gegenüber „11 Freunde“ zu einer laut dem Magazin „mehrminütigen Suada“ an. In dieser greift der promovierte Jurist nicht nur Hoeneß, sondern auch Rummenigge an, der die Debatte um Özil als „Phantomdiskussion“ bezeichnet hatte. „Wenn hier jemand ablenken will, dann sind es diese beiden. Und zwar von der Leistung ihrer eigenen Spieler, von ihrer Steuerhinterziehung, ihren unverzollten Rolex-Uhren und von der Vetternwirtschaft in ihrem Verein“, sagte Sögüt.

Sögüt ist selbst in Hannover aufgewachsen und arbeitet seit mehreren Jahren unter anderem als Berater von Özil. Auf dem Weg ins Metier der Spielervermittler hatte ihm einst auch Harun Arslan geholfen, der seit langem Berater von Bundestrainer Löw ist. Inzwischen lebt Sögüt in London und hat seine eigene Beratungsfirma.

Seine Eltern waren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Sögüt wusste laut eigener Aussage „einige Tage“ vorher von Özils Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan im vergangenen Mai, habe es aber bewusst nicht verhindert. „Warum sollte ich? Mesut ist alt genug, er hat seinen eigenen Kopf. Er kennt den Präsidenten seit acht Jahren“, sagte Sögüt. Für Özil sei der Termin „eine Frage des Respekts“ gewesen: „Es ging Mesut nie um Politik. Dafür interessiert er sich nicht.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen