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Nations League Späte Ernüchterung gegen die Niederlande

Zum Jahresende zeigt die deutsche Nationalmannschaft ihre zwei Gesichter - und verspielt in der Schlussphase gegen die Niederlande den Sieg.

Deutschland - Niederlande
Tony Kroos (l.) im Zweikampf mit Quincy Promes. Foto: dpa

Ein Novum brachte das 13. und letzte Länderspiel des sportlich und atmosphärisch wenig befriedigenden Jahres ja mit sich: Erstmals trat die deutsche Nationalmannschaft am Montagabend in der Arena auf Schalke unter einem geschlossenen Dach an, um den gefühlten Wintereinbruch ein bisschen abzumildern. Heraus kam zum Abschluss eine Vorstellung, die beide Gesichter offenbarte.

Letztlich änderte das 2:2 (2:0) gegen die Niederlande in der Nations League nichts an der Rückversetzung in die B-Liga dieses neuen Wettbewerbsformats. Aber allemal ärgerlich, wie die deutsche Elf nach Toren von Timo Werner (9.) und Leroy Sane (19.) noch den Vorsprung verspielten, als Quincy Promes (85.) und Virgil van Dijk (90.) in der Schlussphase noch ausglichen.

Die deutsche Anhängerschaft ist sich trotzdem sicher, dass das verkorkste Jahr 2018 ein Einzelfall bleibt. So prangte auf dem Spruchband über der Nordkurve in schwarzen Versalien: „Wir kommen wieder, keine Frage.“ Aber selbstverständlich ist das eben nicht, dafür war das Versagen in der Schlussphase zu arg.

Mit dem Unentschieden ist nicht sicher, ob die DFB-Auswahl noch unter die Top-10-Teams kommt, die bei der Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen im ersten Topf liegen. Das hängt von der Partie Portugal gegen Polen ab. Nur wenn die Polen nicht siegen, bekäme das deutsche Team bei der im März 2019 beginnenden Qualifikationsphase vermeintlich leichtere Gegner. Aber Bundestrainer Joachim Löw hat ja unabhängig von der Ziehung am 2. Dezember in Dublin schon versprochen, dass seine Mannschaft sich für die EM 2020 qualifizieren werde.

Beim Auftritt in Leipzig gegen Russland (3:0) hatte Allesmacher Joshua Kimmich noch geklagt, es habe eine „Atmosphäre wie im Hallenbad“ geherrscht, nun sorgte die Mannschaft in Gelsenkirchen vor den 42 186 Zuschauern eines erneut nicht ausverkauften Stadions dafür, dass der Funken rasch vom Rasen auf die Ränge übersprang. Klasse, wie der Münchner Serge Gnabry ein Zuspiel des fleißigen Toni Kroos weiterleitete und der Leipziger Werner sich mit einem wuchtigen Aufsetzer nicht lange bitten ließ, um die verdiente 1:0-Führung zu erzielen.

Den frühen Vorsprung begriff das deutsche Team ganz und gar nicht als Ruhekissen, sondern setzte immer wieder seine drei Sturmflitzer mit schnellen Umschaltbewegungen ein. Nach diesem Strickmuster glückte dem pfeilschnellen Sane das 2:0: Nach einem perfekten Kroos-Pass nahm der 22-Jährige die Kugel erst noch an, umkurvte zwei Gegenspieler und bei dem von Kenny Tete abgefälschten Ball streckte sich Keeper Jasper Cillessen zu spät.

Erstaunlich, wie farblos die Niederländer lange Zeit wirkten, die an der deutschen Dreierkette mit Weltmeister Mats Hummels immer wieder abprallten. Bezeichnend, dass die beste niederländische Chance aus einem verunglückten Kopfball-Rettungsversuch von Niklas Süle resultierte (34.). Auf der Gegenseite drehte der trickreiche Leroy Sane mitunter einen Kringel zu viel, aber seine Ballbehandlung und Beschleunigung tun genauso gut wie das Tempo und der Spielwitz, mit dem auch Gnabry als Hoffnungsträger in die Schnittstellen stößt. Gute Ansätze waren das allemal.

„Eine hochverdiente Führung. Die Jungs haben das gut gemacht“, lobte am Stadionmikrofon die Schalker Mittelstürmer-Legende Klaus Fischer, der einst die Fallrückzieher zum Markenzeichen machte. Diese Jahrgänge aber kombinieren am liebsten mit schnellen flachen Pässen, um ihre Geschwindigkeitsvorteile auszuspielen. Nach Wiederanpfiff verflachte die Begegnung zunächst deutlich, was nicht unbedingt Deutschland anzulasten war.

Deutschland muss sich selbst an die eigene Nase fassen: Zwischenzeitlich vergab Werner bei einem Konter ein drittes Tor (62.), um dann Platz für Marco Reus zu machen. Erst danach folgte die Einwechslung, auf die alle gewartet hatten: Dass der lange unter seiner schwarz-weißen Mütze fröstelnde Thomas Müller nach 66 Minuten zum 100. Länderspiel für Gnabry eingewechselt wurde, animierte allerdings den Stadionsprecher zu mehr Geschrei als die Kulisse in der königsblauen Heimstätte.

Löw hatte dem bayrischen Unikum am Vortag bereits ein Weizenbier versprochen, doch rückt der 29-Jährige immer mehr in die Rolle der Randfigur, die vor allem die Stimmung hochhalten soll. Das aber fällt nach diesem kuriosen Spielverlauf nicht so ganz leicht.

Die Niederlande löste mit dem glücklichen Unentschieden die Berechtigung, um als Gruppensieger das „Final Four“ der Nations League zu auszuspielen. Die Elftal darf im Juni 2019 nun in Portugal vorspielen – und entsprechend frenetisch feierte der Anhang.

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