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Nations League Deutschland verliert auch in Frankreich

1. UpdateDie deutsche Nationalmannschaft zeigt sich beim 1:2 gegen den Weltmeister Frankreich zwar personell und taktisch verändert und verbessert, aber am Ende setzt es im Stade de France die nächste Niederlage.

Nations League
Jubel der Franzosen nach dem 2:1-Sieg über Frankreich. Foto: afp

Schon ganz am Anfang hielt es Joachim Löw für geboten, das Coaching im Stade de France nicht von der Ersatzbank, sondern direkt an die Markierungslinie in Schrittweite zur Seitenlinie zu verlegen. Dabei zeigte der an diesem herrlichen Herbsttag nur mit einem körperbetonten T-Shirt bekleidete Bundestrainer mit dem ausgestreckten linken Arm direkt auf französische Tor. Als sichtbares Zeichen im Pariser Stadtteil Saint Denis, dass der 58-Jährige offensiv um seine Zukunft kämpfen würde.

Ein Unterfangen, das trotz einer mutigen Aufstellung und Ausrichtung zumindest vom Resultat nicht aufging: Eine taktisch und personell neu formierte deutsche Nationalmannschaft kassierte gegen Weltmeister Frankreich in der Nations League eine unglückliche 1:2 (1:0)-Niederlage. „Wir waren absolut auf Augenhöhe. Wir sind nicht belohnt worden“, sagte Löw. Die Mannschaft habe mit viel Mut gespielt und „alle Körner rausgehauen.“ Wenn sein Team cleverer agiert hätte, wäre mehr möglich gewesen.

Nach einem von Toni Kroos in der Entstehung wie Vollendung glücklichen Handelfmeter (14.) schaffte Antoine Griezmann mit einem perfekten Kopfball (62.) und einem umstrittenen Foulelfmeter (80.) für den sich nach der Pause erheblich steigernden Gastgeber die Wende. „Wir haben zweimal in der Defensive nicht aufgepasst und in der ersten Halbzeit nicht nachgelegt“, fasste Nico Schulz zusammen. Kapitän Manuel Neuer fand: „Das Resultat spiegelt das Spiel nicht wider.“

Nun geht es im letzten Spiel gegen die Niederlande (19. November) für Deutschland nur noch darum, im neuen Wettbewerbsformat den Abstieg zu vermeiden. Gleichwohl hat die couragierte Leistung vor allem Löw ein bisschen Luft verschafft. Es hatten ja schon Mutmaßungen gegeben, die DFB-Präsidiumssitzung am Freitag könnte zum Scherbengericht werden. Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff hatte zuvor ergebnisunabhängig Rückendeckung erteilt: „Wichtig ist, dass man intern die Ruhe bewahrt“, sagte der 50-Jährige in der ARD. „Der Trainer erreicht die Spieler. Wir gehen einen Prozess durch, der sich nicht von heute auf morgen ändern lässt.“

Die auf Fifa-Weltranglistenplatz zwölf abgeschmierte DFB-Auswahl lieferte eine Stunde lang die mit Abstand beste Leistung in diesem Kalenderjahr ab. Mit Thilo Kehrer, Niklas Süle, Nico Schulz, Serge Gnabry und Leroy Sané waren fünf Akteure neu in die Startelf gerückt, die zudem im 3-4-3-System angeordnet war. Eine Dreierkette mit Mats Hummels, Matthias Ginter und Süle war genauso neu wie ein Dreiersturm mit den ständig die Positionen tauschenden Sprintern Timo Werner, Gnabry und Sané. Prominentestes Opfer dieser Rochaden war der auf die Bank verbannte Thomas Müller.

Die im Durchschnitt nur noch 25,4 Jahre alte Mannschaft spielte strukturierter – und auf einer neuen Geschwindigkeitsstufe, weil vor allem Sané, 22, und Gnabry, 23 immer wieder in die freien Räume rannten. Dazu verdienten sich der umsichtige Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld als auch der umtriebige Schulz auf der linken Seite gute Noten. Als Sané Richtung Torlinie lief und einen Ball nach innen schlug, der Frankreichs Ersatzverteidiger Presnel Kimpembe an die Hand sprang, verhängte Schiedsrichter Milorad Mazic einen Elfmeter, den Kroos gegen den die Ecke ahnenden Weltklassekeeper Hugo Lloris gerade noch verwandelte. Sané hätte dann bei einem weiteren Umschaltmoment eigentlich das 2:0 selbst erzielen müssen, entschied sich aber zu einem unglücklichen Querpass (19.) mit seinems schwachen rechten Fuß, den Timo Werner nicht mehr erreichte.

Dennoch gehörten Spielanteile und Möglichkeiten weiterhin den Gästen, als etwa Süle an Lloris scheiterte (24.). Bezeichnend, dass es bis kurz vor der Pause dauerte, ehe sich erst Kylian Mbappé (40.) dann Olivier Giroud (45.) sich dem deutschen Tor gefährlich näherten. Mit der „Wir-haben-nichts-zu-verlieren“-Devise war Löw jedoch gut gefahren, der diese Halbzeit als Basis der Neuausrichtung nehmen sollte. „Wir hatten gefühlt alles im Griff. Man hat den Aufwand gesehen, den wir in der ersten Halbzeit betrieben haben, den wir aber nicht belohnt haben“, sagte Neuer.

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