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Nach Foto mit Erdogan Mesut Özil tritt aus Nationalmannschaft zurück

5. UpdateMesut Özil tritt mit lautem Getöse aus der Nationalmannschaft zurück und fordert den Rückzug von DFB-Boss Reinhard Grindel.

Mesut Özil
Mesut Özil hat seinen Rücktritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft bekanntgegeben. Foto: dpa

Die persönliche Medienabteilung von Mesut Özil hat am Sonntag zunächst mittags, dann am späten Nachmittag und schließlich zur Tatort-Zeit auf Twitter, Facebook und Instagram Posts abgesetzt, die einem tiefen Bruch mit Deutschland und dem Deutschen Fußball-Bund gleichkommen. Die Beiträge waren im dramatisch inszenierten Abstand von mehreren Stunden in drei Kapitel geteilt. Eine beispiellose Art und Weise, sich in einer Aufsehen erregenden Abrechnung öffentlich zu äußern, schließlich nach 20 Uhr seinen eigenen Rücktritt bekanntzugeben und den von DFB-Präsident Reinhard Grindel ausdrücklich zu fordern.

Er könne „nicht mehr für Deutschland spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre“, so Özil. Das lässt eine Hintertür offen, sollte sein Wunsch des Grindel-Rücktritts erhört werden. Er fühle sich, so der 92-fache Nationalspieler, vom DFB und Grindel als „Sündenbock“ behandelt. Özil zieh den DFB-Boss der „Inkompetenz und Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen“ und wies darauf hin, Grindel hätte ihn längst hinausgeworfen, wenn Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff nicht ihr Veto eingelegt hätten. Zudem kritisierte Özil Grindels patriarchalische Führung und dessen Unfähigkeit, ihm beim Krisengespräch Ende Mai in Berlin zuzuhören.

Özils Erklärungen, die bemerkenswert tiefe Einblicke gewähren, waren mithilfe seiner Berater in geschliffenem Oxford-Englisch verfasst. Auch das dürfte als Botschaft eines schlichten Mannes zu verstehen sein, der zwischen die Mühlsteine der Politik geraten ist und sich weder von der Türkei noch von Deutschland weiter politisch vereinnahmen lassen mag.

Weite Teile der türkischen Community jubelten, die deutsche reagierte gespalten, nachdem sich der 29-Jährige in dieser brachialen Form erstmals seit seinem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Mitte Mai in London konkret zu seinen Motiven geäußert hatte. Er fühle sich, so Özil, in den Augen von Grindel als „ein Deutscher, wenn wir gewinnen, und als Immigrant, wenn wir verlieren“.

Özil kritisierte zudem, ohne zwar den DFB-Generalsponsor Mercedes konkret beim Namen zu nennen, dass er aus der Video-Kampagne des Autokonzerns herausgeschnitten worden sei, nachdem die Erdogan-Affäre bekannt geworden war. Er wundere sich über derartiges Krisenmanagement einer Firma, die „illegale Produkte“ mithilfe von Software-Updates herstelle, „die hunderttausendfach zurückgerufen werden müssten, weil sie die Gesundheit vieler Menschen gefährdeten“.

In diesem Zusammenhang wies er den Deutschen Fußball-Bund scharf zurecht: Wieso habe der Verband von seinem Werbepartner nie eine öffentliche Erklärung verlangt, von ihm, aber umso vehementer darauf gedrungen: „Sehe ich es richtig, dass so etwas (die Software-Manipulation, die Red.) schlimmer ist als ein Foto mit dem Präsidenten der Heimat meiner Familie?“

Zudem berichtet Özil von einem fest verabredeten Sozialprojekt mit seiner ehemaligen Schule Berger-Feld. Die sei von der Schule kurzfristig abgesagt worden – aus Furcht vor den Medien und angesichts des Rechtsrutsches in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen. Die Absage, habe ihm „sehr wehgetan“, so Özil. „Obwohl ich dort Schüler war, haben sie mir das Gefühl gegeben, ich sei unerwünscht und nichts wert“.

In seiner Auseinandersetzung mit dem Thema rügt Özil zudem Teile der deutschen Medien, die mit ihrer Rechtspropaganda und offenkundiger „Doppelmoral“ dafür gesorgt hätten, die deutsche Bevölkerung gegen ihn zu vereinnahmen. „Sie haben dabei eine Linie überschritten, die niemals hätte überschritten werden dürfen.“ Er habe sehr wohl registriert, dass seine doppelte Herkunft für das sportliche Scheitern verantwortlich gemacht worden sei. Und er fragt sich: „Macht mich mein türkisches Erbe zu einer besseren Zielscheibe?“

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