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Mesut Özil und der DFB Fußballverband im Krisenmodus

Mesut Özil stellt mit seinen Vorwürfen den DFB vor große Probleme.

Mesut Özil
Legte mit der Volljährigkeit die türkische Staatsangehörigkeit ab: Mesut Özil. Foto: dpa

Eilig hat daher die Politik versucht, die Dinge wieder in den Zuständigkeitsbereich umzusiedeln, in den sie gehören. „Die Bundeskanzlerin“, teilte eine Regierungssprecherin gestern mit, „schätzt Mesut Özil sehr. Mesut Özil ist ein toller Fußballspieler, der viel für die Fußball-Nationalmannschaft geleistet hat.“ Auch die Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) twitterte eilig: „Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt.“

Im DFB haben sie daher wieder mal alle Hände voll zu tun. „Die Sache, die mich wahrscheinlich am meisten in den vergangenen Monaten frustriert hat“, ließ Özil am Sonntagabend verlautbaren,. Nach der Aufregung über das Foto mit Erdogan habe er seinen Urlaub verkürzt, um die Sache zu klären. „Als ich Grindel mein Erbe, meine Vorfahren und die daraus entstandenen Gründe für das Foto zu erklären versuchte, war er viel mehr daran interessiert, über seine eigenen politischen Ansichten zu sprechen und meine Meinung herabzusetzen.“

Özils Leute haben in Grindels politischer Vergangenheit gegraben. Der Mann, der zuweilen daherkommt wie Balu, der Bär, mühte sich als Machtmensch mit Instinkt für mehrheitsverschaffenden Taktiken im Wahlkreis Rotenburg/Heide, am rechten Rand zu fischen. „Reinhard Grindel, ich bin sehr enttäuscht, aber nicht überrascht von Ihrem Handeln“, kritisierte Özil, „2004, als Sie Mitglied des Bundestages waren, haben Sie behauptet, dass ‚Multikulturalität ein Mythos und eine lebenslange Lüge‘ sei. Sie haben gegen Gesetze für Doppel-Nationalitäten und Strafen für Bestechung gestimmt, und Sie haben gesagt, dass die islamische Kultur in vielen deutschen Städten zu tief verwurzelt sei. Das ist nicht zu vergessen und nicht zu verzeihen.“ Der Text gipfelte in der Rücktrittsforderung: „Leute mit rassistisch diskriminierendem Hintergrund sollten nicht länger im größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen, der viele Spieler aus Familien verschiedener Herkunft hat. Einstellungen wie ihre reflektieren nicht die Spieler, die sie repräsentieren sollen.“

Am Nachmittag dann hatten die DFB-Funktionäre endlich ihre erste Reaktion parat: Nach einer Telefonkonferenz des Präsidiums gibt es einen Text zu den demokratischen Werten, die der Verband vertritt. „Der DFB bedauert den Abschied von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft“, heißt es, „das ändert aber nichts an der Entschlossenheit des Verbandes, die erfolgreiche Integrationsarbeit weiter konsequent und aus tiefer Überzeugung fortzusetzen.“ Zum Präsidenten Grindel kein Wort.

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